Corona zeigt massive Schwächen des Fleischsystems

Anlässlich der steigenden Zahl an Corona-Infizierten in bisher vier Schlachtbetrieben kommentiert Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes:

„Die schlechten Arbeitsbedingungen für die meist aus Osteuropa stammenden Arbeiter in den Schlachthöfen begünstigen die Ausbreitung des Coronavirus – und gefährden Menschenleben, aber eben auch die Tiere. Wenn ein Großteil der Beschäftigten ausfällt, ist fraglich, ob dem Tierschutz im weiteren Betrieb in allen Belangen Rechnung getragen werden kann. Im Falle einer Schließung des Schlachthofs drohen zudem die ohnehin schon sehr langen Transportzeiten für Tiere noch länger zu werden, weil es keine regionalen Alternativen gibt. Die Anzahl der Schlachthöfe wird immer geringer, ihre Größe immer gigantischer. Schlachtungen im Akkord sind dann Alltag für die Arbeiter, Tierschutzprobleme eben auch. Das sind die tragischen Folgen einer Strukturpolitik, die auf „immer größer, immer effizienter, immer billiger“ setzt, statt auf Regionalität. Angesichts der offenbar nicht tragbaren Zustände bei den Arbeitern will die Bundeskanzlerin nun handeln. Bei den vielen Tierschutzverstößen in den letzten Monaten blieb das Kanzleramt still. Dabei sind weder die Arbeitsbedingungen noch die Tierschutzfrage neu. Auch die Forderung nach regionalen Strukturen wurde stets überhört, ökonomische Interessen der Agrarindustrie hatten Vorrang. Frau Klöckner als die für Tierschutz zuständige Bundesministerin hat stets die Verantwortung von sich gewiesen, Missstände seien Ländersache bzw. in der Zuständigkeit der Behörden vor Ort zu regeln. Formal mag das stimmen, aber es ist eine bittere, fast zynische Erkenntnis, dass dieser Verschiebebahnhof der Verantwortung nun zum Bumerang für die Kanzlerin und die Ministerin wird. Es geht jetzt zuerst um Menschenschutz, aber das geht nicht ohne mehr Tierschutz. Es ist Zeit, dass sich was dreht.“

Corona-Hilfe: Verbraucherschutzministerium unterstützt Tierheime mit einer halben Million Euro

Pressemitteilung des Ministerium Soziales, Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz vom 13.Mai 2020

Tierheime finanzieren sich im Wesentlichen über Spenden und die Vermittlung von Tieren. In der Corona-Krise fallen diese Einnahmequellen zum großen Teil weg. Verbraucherschutzministerin Ursula Nonnemacher hat darum eine Richtlinie auf den Weg gebracht, wonach in Not geratene gemeinnützige Träger von Tierheimen eine Soforthilfe erhalten können. „Tierheime erfüllen eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe und leisten einen unverzichtbaren Beitrag zum Tierschutz in Brandenburg. In Zeiten von Corona geschieht das unter erschwerten Bedingungen, deswegen wird mein Haus den Tierheimen finanziell durch die Krise helfen“, so Nonnemacher.

„Unsere Richtlinie ist eine Corona-Soforthilfe für die Tierheime und ihre Bewohner, ein Zuschuss, um die akute Notsituation abzuwenden und zumindest die Grundversorgung von abgegebenen oder beschlagnahmten Katzen, Hunden oder Hasen in dieser schwierigen Zeit zu gewährleisten,“ sagte Verbraucherschutzministerin Nonnemacher weiter.

Mit der Richtlinie stehen 555.000 Euro aus dem Corona-Rettungsschirm des Landes bereit. Antragsberechtigt sind gemeinnützige Träger von Tierheimen und tierheimähnlichen Einrichtungen im Land Brandenburg, die durch die Corona-Pandemie in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten und deren Existenz bzw. die Versorgung der Tiere bedroht sind. Der Antrag zur Gewährung der Soforthilfe sowie weitere Informationen stehen in Kürze auf der Website des Landesamtes für Arbeitsschutz, Verbraucherschutz und Gesundheit des Landes Brandenburg (www.lavg.brandenburg.de) zur Verfügung.

Hintergrund

Der Landestierschutzverband, dem 27 Tierschutzvereine mit 15 Tierheimen angeschlossen sind, berichtete dem Verbraucherschutzministerium von Fällen, in denen aufgrund der Corona-Krise Tierheimleitungen den Betrieb inzwischen mit privaten Mitteln aufrechterhalten müssen. Wegen der notwendigen Kontaktbeschränkungen sind die Häuser für den Besucherverkehr geschlossen, die Vermittlung von Tieren ist nur noch eingeschränkt möglich. Spendenveranstaltungen oder Tage der offenen Tür fallen weg, ehrenamtliche Helfer bleiben aus. Für viele Tierheime ist es derzeit kaum mehr möglich, die Kosten für grundlegende Dinge wie Fütterung oder tierärztliche Versorgung zu tragen

Tierschutzbund fordert Ende von Lebendtiertransporten EU-Bericht enthüllt Missstände bei Tierexporten per Schiff

Pressemitteilung des Deutschen Tierschutzbund vom 13.Mai 2020

Angesichts eines aktuellen Berichts der EU-Kommission zur Durchführung von Tiertransporten via Schiff fordert der Deutsche Tierschutzbund – gemeinsam mit der europäischen Dachorganisation Eurogroup for Animals – erneut ein Ende der Lebendtiertransporte in Länder außerhalb Europas. Der Bericht der Generaldirektion Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (DG Sante) der EU-Kommission dokumentiert diverse Missstände bei den Transporten: von der Verladung in LKW und im Hafen bis zur Verschiffung sowie der Ankunft im Zielland.

„Die dokumentierten massiven Missstände zeigen erneut, dass die Tierschutzvorgaben während eines Tiertransports in Länder außerhalb Europas nicht eingehalten werden können. In der Konsequenz muss das ein sofortiges Aus dieser Transporte bedeuten. Wir fordern die EU-Kommission auf: Beenden Sie diese lebensverachtenden Zustände! Es geht hier um das Wohl von Mitgeschöpfen, nicht um Waren oder Güter“, so Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. Aus Sicht der Tierschützer bedarf es dringend einer Überarbeitung der EU-Tiertransportverordnung: Diese müsste die tierschutzwidrigen Langstreckentransporte unterbinden und stattdessen den Handel mit Fleisch und genetischem Material forcieren.

Der Bericht der DG Sante basiert auf Daten der zuständigen Veterinärbehörden, die 2017 und 2018 in verschiedenen Häfen in Irland, Spanien, Kroatien, Rumänien, Frankreich, Portugal und Slowenien erfasst und an die EU übermittelt wurden. Allein 2018 passierten fast 625.700 Rinder und etwa 2.243.000 Schafe und Ziegen diese Häfen, um in Drittländer verschifft zu werden. Darunter auch Rinder, die aus Deutschland etwa nach Nordafrika oder Ägypten transportiert wurden. Die Missstände beginnen oft bereits mit der Verladung der Tiere in LKW, wenn die zuständigen Behörden den Transport mit unvollständigen oder falschen Unterlagen und ohne Berücksichtigung der Wetterbedingungen auf der Strecke genehmigen. Am Hafen angekommen, müsste eigentlich kontrolliert werden, ob die Tiere in einem Zustand sind, der den weiteren Transport zulässt. Der Bericht macht jedoch deutlich, dass eine Dokumentation schlecht oder gar nicht vorgenommen wird. Sehr viele Tiere werden gar nicht kontrolliert. Ursächlich ist offenbar der große Druck, unter dem Veterinärbeamte bei der Verladung in den Häfen stehen: Verzögern oder stoppen sie Transporte, drohen ihnen rechtliche Schritte der Exporteure. Das Personal vor Ort, das die Tiere verlädt – meist in umgebaute Schiffe, die nicht den EU-Vorgaben für den Transport lebender Tiere entsprechen – ist knapp und unqualifiziert. Da die Drittländer nicht routinemäßig rückmelden, in welchem Zustand sich die Tiere während der Seereise oder bei ihrer Ankunft befanden, ist zudem davon auszugehen, dass EU-Vorgaben nicht bis zum Bestimmungsort eingehalten werden, wie es ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs eigentlich vorschreibt.

Vogel-Monitoring der Sielmann-Stiftung

Pressemitteilung der Heinz-Sielmann-Stiftung vom 13.Mai 2020

Morgens um 5:30 Uhr zwitschert, pfeift und tiriliert es derzeit besonders heftig in den brandenburgischen Naturlandschaften der Heinz Sielmann Stiftung und überall, wo noch Vögel sind. Der Frühling ist die beste Zeit herauszufinden, wo welcher Vogel wohnt, singt oder brütet. Die Heinz Sielmann Stiftung hat ihr Vogelmonitoring seit 2018 auf die neuen Standards des Dachverbands Deutscher Avifaunisten (DDA) eingestellt. Diese gelten vor allem auf Flächen des Nationalen Naturerbe. Die Stiftung wendet sie auf all ihren Flächen an.

„Damit leistet die Heinz Sielmann Stiftung Pionierarbeit bei der Bestandsaufnahme der bundesweit vorkommenden Brutvögel. Mit der Anwendung dieses Verfahrens sichert sie noch stärker als zuvor die Vergleichbarkeit der über mehrere Jahre erhobenen Daten“, so Dr. Matthias Wichmann, Biologe und Leiter des Monitoringprogramms der Stiftung.

Fernglas, offene Ohren und viel Erfahrung

Seit Anfang März sind einige Mitarbeiter der Heinz Sielmann Stiftung und zahlreiche ehrenamtliche Kartierer mit dem Sonnenaufgang auf den Beinen und mit Fernglas und weit offenen Ohren in den Landschaften unterwegs, um sowohl die häufigen Brutvogelarten als auch seltene und gefährdete Vogelarten aufzuspüren.

In Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide bei Berlin läuft das so: Tim Funkenberg, Biologe bei der Stiftung und sein Kollege Jörg Fürstenow gehen von März bis Juni frühmorgens festgelegte Routen von einem Kilometer und zählen innerhalb einer Stunde alle Vogel-Individuen, die sie mit ihrem geschulten Ohr hören oder mithilfe ihres Fernglases sehen. Dabei halten sie auch ihren genauen Standort fest.

Jeder erkannte Vogel wird mittels einer App erfasst und sein Standort in eine Karte eingegeben. Zu den relevanten Daten gehören Art, Geschlecht, Standort und Art des Rufs. Dieser gibt zu erkennen, ob der Vogel sein Revier markiert, in der Balz ist oder sich bereits zur Brut niedergelassen hat.

Mehr Vogel-Individuen und seltene Arten

Ziel der Aktion ist es, die Anzahl der Brutpaare herauszufinden. In diesem Jahr konnten die Vogelkenner in der Döberitzer Heide mehrere seltene Vogelarten wie Braunkehlchen, Wendehals und Grauammer häufiger beobachten als in den vergangenen zwei Jahren. Auch die Summe der insgesamt beobachteten Vögel hat sich von 2018 zu 2019 hier auffällig erhöht. In Sielmanns Naturlandschaft Kyritz-Ruppiner Heide haben Vogelkenner in diesem Jahr die wegen ihrer besonderen Tarnung schwer zu beobachtende Waldschnepfe erfassen können.

Erstmaliges Spechtmonitoring

Neu in diesem Jahr war ein erstmaliges Specht-Monitoring im Rahmen der Erfassung seltener Brutvögel. Auf zwei Routen in der Döberitzer Heide wurden Schwarzspecht, Grauspecht, Mittelspecht und Kleinspecht intensiv kartiert. Für den Kleinspecht wurden drei, für den Mittelspecht sieben und den Schwarzspecht drei Reviere nachgewiesen. Der Grauspecht ist in Brandenburg an seiner Verbreitungsgrenze und konnte erwartungsgemäß nicht beobachtet werden. In den folgenden Jahren wird das Spechtmonitoring fortgesetzt, um lokale Veränderungen ablesen und deutschlandweit vergleichen zu können, denn auch diese Daten fließen in die zentrale Datenbank des DDA ein.

Daten für Wissenschaft und Öffentlichkeit

Seit 2018 werden auf allen von der Heinz Sielmann Stiftung bundesweit betreuten Flächen, so auch in Sielmanns Naturlandschaften in Brandenburg, das vom Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) entwickelte neue Standardverfahren für das Vogelmonitoring auf Flächen des Nationalen Naturerbes umgesetzt.

Die Heinz Sielmann Stiftung stellt die erfassten Daten den Bundesbehörden, dem Netzwerk Nationales Naturerbe und der Öffentlichkeit, zum Beispiel auf ornitho.de, zur Verfügung. Mit der Umsetzung der neuen DDA-Standards entspricht das Monitoring der Stiftung höchsten Ansprüchen, die vor allem auf den Flächen des Nationalen Naturerbes seit 2018 verpflichtend sind. Aber auch vor 2018 auf den Flächen der Stiftung erfasste Daten flossen in den vergangenen Jahren in die wissenschaftliche Erfassung und Veröffentlichung der Brutvogelvorkommen ein.

Sielmanns Naturlandschaften in Brandenburg

Viele seltene Vögel und Insekten bevorzugen die offene und halboffene Landschaft der Döberitzer Heide mit ihren lichten Eichenwäldern und offenen sandigen oder feuchten Flächen. Auch die Kyritz-Ruppiner Heide bietet großräumige Sand- und Heideflächen sowie Mischwaldgebiete als Lebensräume. Im Sandboden finden seltene Wildbienen Brutplätze, große und kleine Falter finden passende Nahrung an den Waldrändern. Vögel wie Wiedehopf und Wendehals, Steinschmätzer und Heidelerche, die man in der Kulturlandschaft sonst kaum mehr findet, leben auf den großen Flächen in zunehmender Zahl. Wegen ihrer Arten- und Lebensraumvielfalt genießen die beiden Landschaften als Flora-Fauna-Habitat (FFH) den höchsten europäischen Schutz. Sielmanns Naturlandschaft Kyritz-Ruppiner Heide ist mit einer Fläche von 4000 Hektar auch Teil des Nationalen Naturerbes.

Mehr Informationen über die Landschaften der Heinz Sielmann Stiftung finden Sie unter www.sielmann-stiftung.de/naturlandschaften/

Gretchens Rettung

Happy End für ein Rehkitz, das die Polizei aus einer Wohnung rettete

Gretchen ist erst seit ein paar Tagen hier, auf dem großen Hof, mit dem weitläufigen Garten und Gehege, in Pausin, im Havelland. Doch das zierliche Rehkitz hat bereits Freunde gefunden. Den roten Kater Oskar zum Beispiel, der sich liebevoll an sie schmiegt. Storch Egon schaut derweil noch etwas kritisch, aber das wird schon, ist sich Bärbel Eitner sicher. Eitner teilt Haus und Hof mit vielen tierischen Freunden und alle verstehen sich gut sagt sie. Das etwa zwei Wochen junge Rehkitz ist das neuste und jüngste Findelkind auf dem Hof der 74jährigen. Eitner pflegt seit Ende der 1970er Jahre kranke, verlassene und hilfsbedürftige Tiere. Und so hat Gretchen hier nicht nur viele neue Freunde, sondern auch professionelle Hilfe, gefunden. Die brauchte es auch, den Gretchen ist Waise und für ihr Alter sehr zart und klein. Dass Gretchen nun hier entspannt in der Sonne sitzen kann, verdankt das Kitz einer aufmerksamen Dame und umsichtig agierenden Polizisten.

Aus einer Wohnung gerettet

Bei der Polizei in Brandenburg an der Havel meldete sich eine Frau, die sich sorgte, denn sie meinte zu wissen, dass in einer Wohnung ein Rehkitz, nicht größer als eine Katze, gehalten wird. Als die Polizei die Angaben prüfte, fand sie tatsächlich ein Rehkitz in der Wohnung. Die Familie erzählte, die Kinder hätten es etwa eine Woche zuvor beim Spazierengehen gefunden und mitgenommen, wie die Polizeisprecherin Stefanie Wagner-Leppin mitteilte. Die Beamten wandten sich an die Wildtierrettung Potsdam und diese stellte den Kontakt zu Eitner her. Und so kam die kleine Waise nach Pausin.

Bärbel Eitner und Gretchen
Foto: Silvia Passow

In tierisch guter Gesellschaft

Bärbel Eitner hat drei Hunde auf dem Hof, auf der Koppel stehen zwei Ponys, auf denen die Enkel das Reiten erlernen. Hühner gackern im Stall. Und dann, ein lautes Klappern. Der neunjährige Klapperstorch Egon kann zwar nicht fliegen, Radau machen mit dem Schnabel geht aber ganz vortrefflich und dekorativ über den Hof staksen sowieso. Seine Freundin ist Ilona, eine Laufente, die allerdings gerade ganz entenmäßig in ihrem Pool schwimmt. Egon hat in der Scheune, die er sich mit Ilona teilt, sogar einen eigenen Horst. Sein Nachbar sind ein Hahn, ein Kaninchen und ein Frettchen, dessen Name Rebell auf seinen Charakter schließen lässt. Und bis vor kurzen weilte noch Walter auf dem Hof, ein Frischling. Das junge Wildschwein hat am Montag sein neues Quartier in der Schorfheide bezogen. Bei anderen Wildschweinen, hat damit eine Familie, in einem Gehege. Auswildern, sagt Eitner, hätte bei Walter nicht funktioniert und so suchte sie eine Unterkunft für ihn, in der er die Aussicht auf ein Schweineleben mit Lizenz zum Sauwohlfühlen hat. „Die Tiere müssen artgerecht gehalten werden“, sagt Eitner. Und das gilt auch dann, wenn der Abschied schwerfällt. So wie bei Walter, dem trauern die Enkel und der Hofhund nach.

Egon stakst über den Rasen
Foto: Silvia Passow

Ein bisschen wie in einer Fernsehserie

Weiter hinten im Garten hat Eitner einen weiteren Storchenhorst. Mit dem NABU gebaut und seit 1978 auch fast immer besetzt. Und auch jetzt lugt ein Storchenpopo aus dem Horst. Im gleichen Jahr fing Eitner auch mit der Pflege von verletzten Rehen an. Oft handelte es sich um Tiere, die bei der Mahd verletzt wurden. „Rehkitze aufziehen ist gar nicht so einfach“, sagt sie. Je nachdem wie weit das Jungtier in der Versorgung durch die Mutter war, muss die Milch entsprechend angepasst werden, erläutert sie. „Bekommt das Kitz Durchfall, besteht kaum noch Hoffnung auf Genesung“, sagt Eitner. Etwa zwanzig Rehe hat sie gepflegt und durchgebracht. Sie hat ein rund 2000 Quadratmeter großes Gehege, indem leben die Rehe, die nicht ausgewildert werden können. Zurzeit sind es vier Rehe, drei Ricken, so nennt man die weiblichen Tiere und ein Böckchen mit Namen Paul. Eitner sorgt auch für hilfsbedürftige Igel und Eichhörnchen. Sie bietet aber auch natürliche Futtermöglichkeiten und Verstecke für gesunde Tiere an.      

Die Rehe sind zutraulich und lassen sich streicheln
Foto: Silvia Passow

Wildtiere nicht einfach mitnehmen

Eitner sagt, man kann den Leuten, die das Kitz mitnahmen, keinen allzu großen Vorwurf machen. Die wollten bestimmt helfen und wussten es nicht besser. Tatsächlich legen die Ricken ihre Jungen schon mal im hohen Gras ab und gehen auf Nahrungssuche. Eitner rät, wer beim Spaziergang ein Jungtier findet und nicht sicher ist, ob Hilfe nötig ist, sollte den Förster oder Jäger anrufen. Oder die Wildtierrettung. Wenn keine unmittelbare Gefahr droht, Tier liegen lassen und die Situation von Ferne beobachten. Nicht alles was hilflos aussieht, ist es auch. Beim Quicken im Unterholz rät Eitner vom Einschreiten dringend ab. „Das kann gefährlich werden, wenn eine Bache ihren Frischling verteidigt“, sagt sie. Immer, egal ob Vogel, Igel oder Reh professionelle Hilfe dazu holen. Der gutgemeinte Hilfsversuch kann sich als tödlich für das Tier erweisen.

Küsschen hier, liebevolles stupsen dort, Gretchen und Oskar sind bereits gute Freunde
Foto: Silvia Passow

Gretchen wird nun hoffentlich ordentlich wachsen. „In zwei Jahren wird sie ausgewachsen sein“, sagt Eitner. Sie ist optimistisch, dass aus dem Kitz eine hübsche Ricke wird. Eitner, die ihre kleine Wildtierpflegestation ehrenamtlich betreibt, kommt übrigens für alle finanziellen Leistungen am Tier selbst auf. Als Verein aufzutreten und Geld sammeln, das kam ihr nie in den Sinn, sagt sie auf Nachfrage und fügt hinzu: „Die Tiere aufzupäppeln, das ist mein Herzblut.“

Alle Vögel sind schon da

Zum Nachzählen, ob das stimmt, lädt der NABU bei seiner großen Vogel-Zähl-Aktion „Die Stunde der Gartenvögel“

Brandenburg.  Von Freitag dem 8. Mai bis Sonntag, dem 10 Mai ruft der NABU wieder zur „Stunde der Gartenvögel“ auf. Zum 16 Mal heißt es, eine Stunde Vögel zählen und die Ergebnisse notieren. In diesem Jahr schauen die Ornithologen voller Spannung und Sorge den so gewonnen Daten entgegen. Die Vogelexperten fürchten um dramatische Einbrüche bei den Blaumeisen-Beständen.

Foto: Pixabay

Je mehr Menschen sich beteiligen, desto aussagekräftiger sind die Ergebnisse, lässt der NABU wissen. Im letzten Jahr wurden in 2353 Gärten in Brandenburg 83 970 Vögel gezählt. 3781 Brandenburger hatten teilgenommen. Insgesamt erhöhten sich die Teilnehmerzahlen in den vergangenen Jahren. Der NABU hofft, dass durch die Situation der letzten Wochen noch mehr Menschen an der Aktion teilnehmen. Denn gerade während der Ausgangsbeschränkungen der letzten Wochen haben viele Menschen den Wert der Natur neu erkannt, heißt es in einer Pressemeldung des NABU.  

Foto: Pixabay

Mit Sorge blickt der NABU nun den Zahlen zu den Blaumeisen entgegen. Seit einigen Wochen führt ein Lungenentzündungen auslösendes Bakterium, zu einem Massensterben bei den kleineren Meisenarten, zu denen auch die Blaumeise gehört.

Foto: Pixabay

Informationen zum Mitmachen und zum Erkennen der Gartenvögel bietet der NABU unter: www.nabu.de

Rechtsstudie: Tötung überzähliger „Versuchs“tiere ist rechtswidrig

Gemeinsame Pressemitteilung vom 30. April
Ärzte gegen Tierversuche e.V.
Deutsche Juristische Gesellschaft für Tierschutzrecht e.V.

Zusätzlich zu den 2,8 Millionen Tieren, die in Deutschland in Tierversuchen leiden und sterben, werden – laut einer aktueller Information der Bundesregierung – weitere 3,9 Millionen Tiere in Tierversuchseinrichtungen gezüchtet, aber nicht in Versuchen eingesetzt; hauptsächlich, weil sie nicht die gewünschte gentechnische Veränderung aufweisen. Eine Rechtsstudie der Deutschen Juristischen Gesellschaft für Tierschutzrecht (DJGT) und Ärzte gegen Tierversuche (ÄgT) belegt, dass die Tötung dieser 3,9 Millionen „Überschuss“-Tiere rechtswidrig ist. Die Vereine fordern, die millionenfache Verschwendung von Tierleben sofort zu beenden.

Der Statistik des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMEL) zufolge wurden 2,138 Millionen Tiere im Jahr 2018 in Tierversuchen verwendet, weitere mehr als 686.000 wurden zur Organ- oder Gewebeentnahme getötet, zusammen mehr als 2,8 Millionen. Dass es eine Dunkelziffer gibt, kritisiert der Verein Ärzte gegen Tierversuche seit Jahren und ging bislang von einem Faktor von 2,5 allein für die Vorratshaltung aus, plus eines „Ausschusses“ im Bereich der Gentechnik in unbekannter Höhe (1). Auf Anfrage von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN gibt die Bundesregierung nun eine Zahl von 3,9 Millionen nicht in der BMEL-Statistik erfasster Tiere an, die in erster Linie bei der Genmanipulation anfallen. (2).

Doch diese Zahl ist zu gering und gibt die Realität nur unvollständig wieder. Bei der „Produktion“ von gentechnisch veränderten Tieren weisen meist nur sehr wenige Tiere die gewünschte Veränderung auf. Die unerwünschten Tiere und die nicht mehr benötigten Elterntiere werden „unschädlich inaktiviert“, wie es im Fachjargon respektlos heißt. Auch weibliche Tiere – vor allem Mäuse – fallen oft als „Überschuss“ an, denn sie werden wegen des variablen Hormonhaushalts nicht so oft verwendet wie männliche. Ein weiterer Grund, als „Ausschuss“ getötet zu werden, ist das Alter; Tiere eines Forschungsprojektes müssen alle ungefähr gleich alt sein. Oft werden Tiere auch auf Vorrat gezüchtet und gehalten und bei fehlendem Bedarf getötet. Der Ärzteverein geht also von einer weit höheren Dunkelziffer über die nun eingeräumten 3,9 Millionen Tiere hinaus aus. „Die ‚Ausschussquote‘ bei der Genmanipulation liegt bei 90-99%. Bei über einer Million genveränderter Tiere, die der offiziellen Statistik zufolge in Tierversuchen verwendet wurden, müsste demnach die Zahl der ‚entsorgten‘ Tiere noch sehr viel höher liegen“, sagt Claus Kronaus, Geschäftsführer von Ärzte gegen Tierversuche.

Dass diese seit Jahrzehnten übliche Praxis rechtswidrig ist, belegt eine jetzt veröffentlichte juristische Studie (3). Grundlage ist ein wegweisendes Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom Juni 2019, demzufolge dem sogenannten „Kükenschreddern“ kein „vernünftiger Grund“ im Sinne des Tierschutzgesetzes zugrunde liegt. Männliche Eintagsküken der Legerassen werden in Brütereien nach dem Schlüpfen getötet (meist vergast oder geschreddert), weil sie keine Eier legen können und auch nicht genug Fleisch ansetzen, somit ein Überleben wirtschaftliche Verluste bedeuten würde. Dies betrifft ca. 50 Millionen männliche Küken in Deutschland pro Jahr. Das Bundesverwaltungsgericht entschied, dass das wirtschaftliche Interesse kein vernünftiger Grund im Sinne des Tierschutzgesetzes für das Töten der männlichen Eintagsküken ist. Diese Rechtsprechung lässt sich eindeutig auf die oben geschilderte Situation der Tierversuche übertragen.

„Dem verschwenderischen Halten und Töten von Tieren im System Tierversuch ist spätestens durch das Urteil mit sofortiger Wirkung der Boden entzogen worden“, erklärt Dr. Barbara Felde, Vorstandsmitglied der Deutschen Juristischen Gesellschaft für Tierschutzrecht und Autorin der Studie. Für die Praxis bedeutet dies, dass überzählige Tiere entweder vermittelt oder in einem „Altersheim für Versuchstiere“ bis an ihr Lebensende versorgt werden müssen. „Dass dies einen großen Aufwand und hohe Kosten bedeutet, ist angesichts des Verfassungsguts ‚Tierschutz‘, dessen Bedeutung das Bundesverwaltungsgericht in seinem Urteil betont hat, hinzunehmen, schließlich darf auch niemand seine Heimtiere einfach töten, wenn er sie nicht mehr haben will“, so die Juristin. Die Vereine DJGT und ÄgT fordern von der Politik endlich einen Ausstiegsplan aus dem Tierversuch vorzulegen, damit Tiere gar nicht erst geboren werden, um im Versuch leidvoll zu sterben oder als „Abfall“ entsorgt zu werden.

Unterwegs mit der Blauen Holzbiene. Fliegender Wechsel in Linum und den Teichen

Linum ist bekannt als Storchendorf in Brandenburg. Tatsächlich gilt die Umgebung als riesiger Rastplatz für viele Vögel

Linum in der Ostprignitz-Ruppin ist als Storchendorf bekannt. Linum ist aber weitaus mehr als Straßendorf mit vielen Storchenhorsten. Gleich hinter Linum liegt Teichland. Hier kann man herrlich spazieren gehen. Die Wege sind für Leute mit mangelnden Pfadfinderfähigkeiten optimal, denn die um Teiche führenden Wege machen Verlaufen fast unmöglich. Die Wege sind eben und auch mit dem Kinderwagen gut befahrbar. Gute Laufschuhe sind ausreichend. Wenn Corona vorbei ist, können die Wasserwege auch vom Schiff aus erkundet werden. Die benachbarte Fischräucherei mit kleinem Restaurant bietet fangfrischen Fisch in einfacher und freundlicher Atmosphäre. In Linum locken einige Restaurants mit regionalen Köstlichkeiten. Ein wirklich schönes Angebot haben die Bauern- und Erzeugerläden am Straßenrand.

Gleich am Ortseingang wird man von einem Storchenpaar begrüßt
Foto: Silvia Passow

Gleich hinter Linum lässt es sich herrlich an Wiesen und Weiden entlang spazieren. Die Storchenschmiede, ein Naturschutzzentrum des NABU, ist ebenfalls einen Besuch wert. Das Zentrum liegt in der Ortsmitte. Eindrucksvoll auch die Kirche, der man auf jedem Fall mehr als nur einen Blick würdigen sollte. Und die liebevoll angelegten Vorgärten.

Im Rausch der Farben in Linum
Foto: Silvia Passow

Rund um Linum herum kann man immer wieder den Störchen auf den Wiesen und Äckern begegnen. Und im Herbst den Kranichen, beim abendlichen Einflug können das ein paar Tausend sein. Viele Freude beim Erkunden der Natur in Linum. Wer alles ausgiebig genießen möchte, sollten eine ganzen Tag einplanen.

Die 1868 nach den Plänen von A. v. Glasenapp fertiggestellte Dorfkirche von Linum
Foto: Silvia Passow

Linum galt lange als DAS Storchendorf in Brandenburg. Zwanzig Storchennester zählt man in Linum. Im Schnitt ziehen hier fünfzehn Brutpaare ihre Jungen groß. Damit ist Linum Storchendorf Nummer zwei in Brandenburg. In Rühstädt brüten mehr als dreißig Storchenpaare und finden reichlich Nahrung in der Elbtalaue. Rühstädt nicht nur auf Platz eins in Brandenburg, sondern auch in ganz Deutschland. Nirgendwo in Deutschland brüten wiederum so viele Störche, genauer Weißstörche, wie in Brandenburg.

Fast schon Ehrensache, das Storchennest auf dem NABU Naturschutzzentrum
Foto: Silvia Passow

Linum erfreut sich nicht nur bei den Weißstörchen großer Beliebtheit. Adebar kommt im Frühling, zwischen März und Mai angereist. In Linum konnte Anfang März der erste Storch begrüßt werden. Inzwischen sind sechs Paare und einige Solisten eingetroffen. Seit 1991 unterhält der NABU mit der Storchenschmiede ein Naturschutzzentrum im 700 Einwohner zählenden Dorf. Und oben auf dem Dach des Storchenschmiede gibt es einen Storchenhorst, wie das Nest eigentlich genannt wird. Erfreulicherweise ist ein Brutpaar eingezogen, welches bereits seine vier Eier im Wechsel bebrütet. Und auch die Horste an den Ortseingängen sind mit Storchenpaaren besetzt. Mit etwas Glück wird der Besucher mit Geklapper begrüßt. Die Storchenschmiede ist übrigens seit Ende April wieder für das Publikum und unter Beachtung der Corona-Schutzmaßnahmen, geöffnet.

Blich vom Teichland auf Linum
Foto: Silvia Passow

Nahrung finden die Störche in den umliegenden Wiesen und im benachbarten Teichland. Die 240 Hektar Wasserfläche entstanden aus abgetorften Flächen und sind Anziehungspunkt für allerhand Wasservögel. Für den Besucher sind Teile des Areals zugänglich. Beobachtungstürme und Häuschen laden zum Blick über die Teiche und Wiesen ein. Die Wege sind eben und gut zugänglich. Auf einem Spaziergang sollte ein Fernglas nicht fehlen. Dichter bei sind die Ringelnattern, die man hier beim Sonnen auf den warmen Steinen oder Wurzeln beobachten kann. Und natürlich die Störche, wie sie über die Wiesen staksen. Die Redewendung, „wie der Storch im Salat laufen“ kommt nicht von ungefähr.

Gleich hinter Linum erstreckt sich das Teichland. Schön ist ein Dorfspaziergang, dann abbiegen und durch die Wiesen weiter ins Teichland.
Foto: Silvia Passow

Die Gäste kommen im fliegenden Wechsel

Sie kommen in Scharren, wie eine dunkle Wolke am Horizont, nähern sich schnell und ihre Gespräche können wahrlich ohrenbetäubend sein. Die Landung in die feuchten Wiesen oder auf die abgeernteten Äcker ist umso eleganter. Senkrecht landend erinnern Kraniche an einen Fallschirmspringer, nur ohne Fallschirm und um vieles leichtfüßiger aber eben auch lauter. Denn so ein Kranich hat offenbar viel zu erzählen und dafür wartet er die Landung gar nicht erst ab. Mehr als 70 000 Kraniche im Einflug wurden rund um Linum bereits gezählt. An einem einzigen Abend! Die Gegend gilt als der größte Kranichrastplatz in Europa.

Schönheit am Wegesrand
Foto: Silvia Passow

Der Storch bringt den Frühling, die Vorfreude auf den nahenden Sommer, auf laue Nächte und nein, keine Babys. Der Kranich kündet vom nahenden Winter und damit das auch niemand verpasst, macht es das laut und deutlich hörbar.

Die Beobachtungstürme und Häuschen erlauben weite Blicke in die Natur
Foto: Silvia Passow

Beim NABU kann man Touren zu den Kranichen buchen. Wer das Naturschauspiel des Kranicheinfluges erleben möchte, sollte so eine Tour buchen. Nicht nur weil man hier die besten Beobachtungsplätze kennt. Kraniche sind scheu und suchen schnell ihr Heil in der Flucht. Sie fliegen davon und das kostet den stattlichen Tieren Kraft. Professionelle Führungen schonen die Tiere und schaffen schöne Erlebnisse für die Menschen.

Die Sonne zaubert glitzerndes Funkeln auf der Wasseroberfläche
Foto: Silvia Passow

Auf eigene Faust lassen sich die Linumer Teiche erkunden, auch wenn nicht alle der 36 Teiche für Besucher zugänglich sind.  Die Teiche gehören zum Vogelschutzgebiet Rhin-Havelluch. Hier können verschiedene Entenarten, Grau- und Silberreiher, Eisvogel, Rohrweihe, Flussseeschwalben, Fisch- und Seeadler beobachtet werden. Und im Moment Störche und in einigen Wochen wird aus dem einen oder anderen Horst, das erste neugierige Storchenjunge auf die Besucher herabblicken.

Foto: Silvia Passow

Unterwegs mit der Blauen Holzbiene, Abflug nach Friesack

Heute gibt es einen duften Stadtspaziergang mit etwas Park und ganz viel Legendenbildung. Besondere Vorbereitung braucht es dazu nicht.

Foto: Silvia Passow

Die Sonne senkt sich über dem Havelland und mit der frühen Abendstunde legt sich ein verlockend süßer Duft über die Zufahrtsstraße nach Friesack. Die Fliederstadt trägt ihren Namen zu Recht und das kann der Besucher bereits von weitem erschnüffeln. Friesack ist nicht unbedingt touristische Hochburg. Wer von Berlin ins Havelland reist, der Bundesstraße 5 folgend, der kommt zunächst nach Falkensee, weiter nach Dallgow-Döberitz, Wustermark, Nauen und dann eine ganze Weile gar nichts, oder nicht wirklich viel. Plattes Land, hier und da ein Hügelchen, Wiesen, Felder, Wälder auf der Fahrt nach Rathenow und zwischendrin, so irgendwo im nirgendwo, liegt Friesack. Reizvoll ist die kleine Stadt im Frühling, wenn nicht nur der weiße, sondern auch der lilafarbene bis ins Blaublütige Flieder blüht. Besonders schön zu sehen in und am Hohenzollern Park.

Foto: Silvia Passow

Gefeiert wird der Flieder auch, beim Fliederfest. Weinkönigin, Erntekönigin, Pah, in Friesack gibt es eine Fliederkönigin. Und der örtliche Tennisverein heißt: Flieder Blau-Weiß-Friesack.

Foto: Silvia Passow

Mit dem Feiern ist ja dieses Jahr nicht so dolle. Dem Flieder ist das herzlich egal, er blüht und duftet unbeeindruckt. Und weil dem so ist, lohnt Friesack einen Besuch. Und wer schon mal da ist, schlendert noch über den Marktplatz, der durch so manch mittelalterlich anmutendes Fachwerkhaus und das aufwendig restaurierte Rathaus lieblichen Charme bewahrt hat. Wenn noch der Weißstorch im Tiefflug über eine der Gassen segelt, dann ist die Idylle durchaus perfekt.

Das Rathaus am Marktplatz
Foto: Silvia Passow

Dabei ist Friesack das Resultat einer teuflischen Nachlässigkeit. Zumindest der Sage nach. Und die geht so:

Vor langer Zeit hatte sich der Teufel auf der Erde umgesehen und alle Edelleute, die seiner Meinung nach nicht so recht viel taten, in einen großen Sack gestopft und ist mit ihnen munter und frohgemut über seinen guten Fang Richtung Hölle geflogen. Offenbar war er dabei etwas unachtsam. Heute würde man mutmaßen, er habe vielleicht eine WhatsApp bekommen. Wie auch immer, er schrammte mit dem Sack an der Kirchturmspitze entlang, worauf dieser ein Stück aufriss. Einige Edelleute purzelten hinaus und sie hatten Glück. Der Teufel bemerkte den Verlust nicht. Es waren jene von Bredow, denen die mangelnde Aufmerksam des Teufels zu Gute kam. Als der erste von ihnen aufschlug, befand er die Gegend als schön und beschloss zu bleiben. Um dem Ort entsprechend zu würdigen, nannte er ihn Frie-sack. Direkt neben ihm landete sein Bruder und er gab ihm den guten Rat: „Gä bes hin“ Denn er wollte Friesack nicht mit ihm teilen. Der Bruder tat wie gewünscht und gründete Besshin, das heute Pessin heißt. Ein weiterer Bruder landete in Friesack und der erste der Bredows schickte ihm den Bruder hinterher. „gä den selben Weg lang hin.“ Das tat er und gründete Selbelang. Das liegt allerdings hinter Pessin, weil von dort scheuchte ihn Bruder zwei noch ein Stück weiter. Ein weiterer Bruder landete, der hielt sich rechts beim Wandern „rechts-to“ und gründete damit Retzow.

Foto: Silvia Passow

Neben Friesack lohnt auch ein Besuch in die umliegenden Dörfer, deren Namen man noch heute auf der Landkarte findet. Lohnenswert sind die kleinen Dorfkirchen in Pessin und Selbelang, die naturnahe Gärtnerei Sandglöckchen in Retzow oder die zauberhaften Schlösser in Görne und Kleßen. Tatsächlich leiten sich die Ortsnamen überwiegend aus dem Slawischen ab. So soll der Name Selbelang übersetzt Schildkrötensumpf heißen. Von Sümpfen und Schildkröten ist hier nicht mehr viel zu sehen, vom Teufel übrigens auch nicht. Aber der Kirchturm, der ist noch da und davor steht…..? Aber sicher, ein Fliederbusch.

Kastenstand, lass die Sau raus

Pressemitteilung des Deutschen Tierschutzbundes vom 6.Mai

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner und Bundesminister a.D. Jochen Borchert berichten auf der heutigen Sitzung des Ernährungsausschusses des Deutschen Bundestages über die Empfehlungen des Kompetenznetzwerks Nutztierhaltung, der sogenannten „Borchert-Kommission“. Das Kompetenznetzwerk hält eine Erhöhung des Tierwohlniveaus für unumgänglich und schlägt einen Maßnahmenplan bis 2040 vor. Die parallel stattfindende Debatte um die Zukunft des Kastenstandes in der Sauenhaltung wird zum entscheidenden Gradmesser für die Glaubwürdigkeit politischen Handelns. Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, kommentiert:

„Wir sehen in den Vorschlägen des Kompetenznetzwerks gute Ansätze, auch wenn uns die Zielmarke 2040 zu weit entfernt ist. Es braucht jetzt sofort Tatendrang, damit die Tierhaltung in der Landwirtschaft tiergerechter umgebaut wird und auch gesellschaftliche Akzeptanz findet. Der Fokus liegt dabei aktuell auf der tierschutzwidrigen Sauenhaltung im Kastenstand, an der Frau Klöckner – laut dem von ihr vorgelegten Verordnungsentwurf – weitere 15 Jahre festhalten will. In der Folge ließe sich in der Schweinehaltung bis 2035 kaum noch etwas bewegen. Ein eklatanter Widerspruch zu den Empfehlungen des Kompetenznetzwerks, Schritt für Schritt das Tierwohlniveau zu erhöhen. Frau Klöckner erweckt durch ihr Vorgehen, tierschutzwidrige Zustände wie den Kastenstand lange Zeit zu zementieren, den Eindruck, als interessierten sie die Ratschläge der von ihr einberufenen Expertenrunde nur mäßig. Offenbar muss der Bundesministerin verdeutlicht werden, dass sie per Amt auch als Tierschutzministerin handeln sollte. Nach dem heutigen Termin im Bundestag beraten morgen Vertreter der Landesministerien und des BMEL konkret über die Neuregelung in der Sauenhaltung. Wir erwarten von der Runde ein klares Signal, die rechtswidrige und tierquälerische Kastenstandhaltung schnellstmöglich zu beenden. Die Positionierung zum Kastenstand ist ein Lackmustest für die Glaubwürdigkeit im Tierschutz. Wenn der Kastenstand bleibt, werden auch die konstruktiven Vorschläge des Kompetenznetzwerks ausgebremst. Und der Wille des Bundesverwaltungsgerichts und das Staatsziel Tierschutz im Grundgesetz würden mit Füßen getreten. Der Kastenstand ist ein Symbol dafür, wie ernst die politischen Bekenntnisse gemeint sind, mehr Tierwohl in die Ställe zu bringen. Frau Klöckner, bekennen Sie sich!“