Golfstrom-System schwächer als je zuvor im vergangenen Jahrtausend

Pressemitteilung des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung vom 25. Februar 2021

 

Noch nie in über 1000 Jahren war die Atlantische Meridionale Umwälzströmung (AMOC), auch als Golfstrom-System bekannt, so schwach wie in den letzten Jahrzehnten: Dies ist das Ergebnis einer neuen Studie von Wissenschaftlern aus Irland, Großbritannien und Deutschland. Die Forscher stellten sogenannte Proxydaten zusammen, die hauptsächlich aus natürlichen Archiven wie Ozeansedimenten oder Eisbohrkernen stammen und mehrere Hundert Jahre zurückreichen, um die Strömungsgeschichte der AMOC Strömung zu rekonstruieren. Sie fanden solide Belege dafür, dass die Abschwächung im 20. Jahrhundert im vergangenen Jahrtausend beispiellos war – sie ist wahrscheinlich eine Folge des vom Menschen verursachten Klimawandels. Die gigantische Ozeanzirkulation AMOC ist für Wetterlagen in Europa und den regionalen Meeresspiegel in den USA bedeutsam; ein wichtiger Hinweis auf ihre Verlangsamung ist eine in den letzten Jahrzehnten entstandene „Kälteblase“ im nördlichen Atlantik.

„Das Golfstrom-System funktioniert wie ein riesiges Förderband, das warmes Oberflächenwasser vom Äquator nach Norden transportiert und kaltes, salzarmes Tiefenwasser zurück in den Süden schickt. Es bewegt fast 20 Millionen Kubikmeter Wasser pro Sekunde, etwa das Hundertfache des Amazonasstroms “, erklärt Stefan Rahmstorf, Forscher am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung PIK und Initiator der Studie, die in Nature Geoscience veröffentlicht wurde. Frühere Studien von Rahmstorf und KollegInnen zeigten eine Verlangsamung der Meeresströmung um etwa 15 Prozent seit Mitte des 20. Jahrhunderts und brachten dies mit der vom Menschen verursachten globalen Erwärmung in Verbindung. Ein belastbares Bild über die langfristige Entwicklung fehlte jedoch bisher – das liefern die Forscher mit ihrer Übersichtsstudie, welche die Ergebnisse bisheriger Proxy-Daten-Studien vergleicht.

„Wir haben zum ersten Mal eine Reihe von früheren Studien kombiniert und festgestellt, dass sie ein konsistentes Bild der AMOC Entwicklung über die letzten 1600 Jahre liefern “, so Rahmstorf. „Die Studienergebnisse legen nahe, dass die AMOC Strömung bis zum späten 19. Jahrhundert relativ stabil war. Mit dem Ende der kleinen Eiszeit um 1850 begann die Meeresströmung schwächer zu werden, wobei seit Mitte des 20. Jahrhunderts ein zweiter, noch drastischerer Rückgang folgte. “ Bereits im Sonderbericht über den Ozean des Weltklimarats (IPCC) von 2019 wurde mit mittlerem Vertrauensniveau zudem geschlussfolgert, ‘dass die atlantische meridionale Umwälzströmung im Vergleich zu 1850-1900 schwächer geworden ist.’ „Die neue Studie liefert weitere unabhängige Belege für diese Schlussfolgerung und stellt sie in einen längerfristigen paläoklimatischen Kontext “, so Rahmstorf weiter.

Von Temperatur zu Strömungsgeschwindigkeit: Die Kunst, Klimaveränderungen in der Vergangenheit zu rekonstruieren

Da langfristige direkte AMOC-Messungen erst seit 2004 durchgeführt werden, wendeten die Forscher einen indirekten Ansatz an. Sogenannte Proxydaten halfen ihnen dabei, mehr über die langfristige Entwicklung der AMOC herauszufinden. Diese Zeugen der Vergangenheit werden aus natürlichen Umweltarchiven gewonnen, wie zum Beispiel Baumringen, Eisbohrkernen, Ozeansedimenten und Korallen sowie aus historischen Daten, z.B. Schiffslogbüchern.

„Wir haben eine Kombination aus drei verschiedenen Datentypen verwendet, um Informationen über die Ozeanströmungen zu erhalten: die Temperaturänderungen im Atlantik, die Verteilung der Wassermassen und die Korngrößen der Tiefsee-Sedimente, wobei die einzelnen Archive von 100 bis ca. 1600 Jahre zurückreichen. Während einzelne Proxydaten bei der Darstellung der AMOC-Entwicklung unvollkommen sind, ergab die Kombination aller drei ein robustes Bild der Umwälzzirkulation “, erklärt Levke Caesar, Teil des Irish Climate Analysis and Research Units an der Maynooth University und Gastwissenschaftlerin am PIK.

Proxy-Datensätze sind im Allgemeinen mit Unsicherheiten behaftet. Diese berücksichtigte die Statistikerin Niamh Cahill von der Maynooth University in Irland bei ihren Tests der Robustheit der Ergebnisse. Sie fand heraus, dass in 9 der 11 betrachteten Datensätze die moderne AMOC-Schwächung statistisch signifikant ist: „Wenn wir annehmen, dass die mit den Proxy-Datensätzen gemessenen Prozesse Änderungen in der Strömung widerspiegeln, liefern sie ein konsistentes Bild – und das trotz der Tatsache, dass die Daten an unterschiedlichen Orten aufgenommen wurden und verschiedene Zeitskalen repräsentieren. Die Abschwächung der Strömung ist seit mehr als 1000 Jahren beispiellos”, so Cahill.

Warum schwächelt AMOC?

Eine Verlangsamung der Zirkulation wird von Klimamodellen seit langem als Reaktion auf die durch Treibhausgase verursachte globale Erwärmung vorhergesagt – und einer Reihe von Studien zufolge ist dies wahrscheinlich der Grund für die beobachtete Abschwächung. Die atlantische Umwälzung wird durch die von Wissenschaftlern bezeichnete Tiefenkonvektion angetrieben, verursacht durch die Dichteunterschiede im Ozean: Warmes und salzhaltiges Oberflächenwasser bewegt sich von Süden nach Norden, wobei es abkühlt und dadurch dichter wird. Wenn es schwer genug ist, sinkt das Wasser in tiefere Ozeanschichten ab und fließt zurück in den Süden. Die globale Erwärmung stört diesen Mechanismus: Durch vermehrte Niederschläge und das verstärkte Abschmelzen des grönländischen Eisschildes wird dem nördlichen Atlantik Süßwasser zugeführt. Dadurch sinkt dort der Salzgehalt und damit die Dichte des Wassers, was das Absinken hemmt und so die Strömung der AMOC Zirkulation schwächt.

Die Abschwächung wird auch mit einer einzigartigen deutlichen Abkühlung des nördlichen Atlantiks in den letzten hundert Jahren in Verbindung gebracht. Diese sogenannte „Kälteblase” wurde von Klimamodellen als Folge einer sich abschwächenden AMOC vorhergesagt, welche weniger Wärme in diese Region transportiert.

Die Folgen der AMOC-Abschwächung könnten für die Menschen auf beiden Seiten des Atlantiks vielfältig sein, wie Levke Caesar erklärt: „Die nordwärts fließende Oberflächenströmung der AMOC führt zu einer Ablenkung von Wassermassen nach rechts, weg von der US-Ostküste. Dies ist auf die Erdrotation zurückzuführen, die bewegte Objekte wie Strömungen auf der Nordhalbkugel nach rechts und auf der Südhalbkugel nach links ablenkt. Wenn sich die Strömung verlangsamt, schwächt sich dieser Effekt ab und es kann sich mehr Wasser an der US-Ostküste aufstauen. Das kann zu einem verstärkten Meeresspiegelanstieg führen. “ In Europa könnte eine Verlangsamung der AMOC zu mehr extremen Wetterereignissen führen, z.B. durch eine Veränderung der Zugbahn sowie mögliche Verstärkung von Winterstürmen über dem Atlantik. Andere Studien nennen extreme Hitzewellen oder eine Abnahme der Sommerniederschläge als mögliche Folgen. Wie genau sich weitere Konsequenzen gestalten, ist Gegenstand der aktuellen Forschung; die Wissenschaftler wollen auch im Detail klären, welche Teile der AMOC sich wie und aus welchen Gründen verändert haben.

„Wenn wir die globale Erwärmung auch künftig vorantreiben, wird sich das Golfstrom-System weiter abschwächen – um 34 bis 45 Prozent bis 2100, gemäß der neuesten Generation von Klimamodellen “, folgert Rahmstorf. „Das könnte uns gefährlich nahe an den Kipppunkt bringen, an dem die Strömung instabil wird. “

 

Duett verliebter Waldkäuze

Pressemitteilung des NABU Brandenburg vom 23. Februar 2021


Besonderes Naturspektakel mit etwas Glück noch zu hören


Aktuell beginnen viele unserer Singvögel damit, ihre Brutreviere abzustecken. Sind sie erfolgreich, teilen sie dies auch lauthals der Konkurrenz mit. Mit ihrem Gesang versuchen sie zudem ein passendes Weibchen anzulocken. Der Waldkauz ist da schon etwas weiter, denn die Balz der mittelgroßen Eulenart beginnt bereits im Herbst und zieht sich den ganzen Winter bis Anfang des Frühjahrs hin. Die ruffreudigen Waldkäuze sind dabei besonders gut in trockenen und windstillen Nächten zu hören.

Wer Glück hat, kann früh am Morgen oder nach Einbruch der Dämmerung zurzeit noch die Balzrufe des Waldkauzes hören. Das hallende „Huu-hu-huhuhuuu“ des Männchens durchdringt die Dunkelheit und wird mit einem etwas schrilleren und schärfen „Ku-witt“ des Weibchens beantwortet.
Mit dem Gesang führen die Käuze ihre Herzensdamen zu geeigneten Bruthöhlen. Alte Bäume an naheliegenden Waldstücken oder großen Parks sind dabei besonders beliebt.

„Das Duett dient nicht nur des Werbens und der Verständigung unter den Paaren, auch Reviernachbarn werden so auf Abstand gehalten.“, berichtet Manuela Brecht, Naturschutzreferentin des NABU Brandenburg.
War das Liebesduett schließlich erfolgreich, liegen schon bald zwei bis vier Eier im Nest, welche das Weibchen allein ausbrütet. „Das Männchen hält nur kurze Besuche während der Brutpausen und zur Nahrungsübergabe ab. Es verteidigt seine Familie und sein Revier jedoch mit all seinen Kräften“, erklärt Brecht weiter, „so werden ungebetene Gäste schon aus dem Flug angegriffen und vergrämt.“

Nach vier Wochen schlüpft dann der Nachwuchs, welcher bereits nach drei Monaten so gut wie selbstständig ist. Mit Beginn des Herbstes vertreibt das Elternpaar ihre eigenen Schlüpflinge aus dem Revier. Schon im darauffolgenden Jahr gründen die Nachkommen im Nachbarrevier ihre eigene Familie.
Als sogenannter Standvogel bleibt der Waldkauz ganzjährig in seinem Revier und gilt als die  häufigste Eulenarten in Brandenburg. Unterstützt werden kann der Waldkauz mit speziellen Nistkästen, die in Waldrandgebieten oder in angrenzende Dörfer möglichst geschützt angebracht werden können.

Nähere Infos dazu gibt es im NABU-Shop oder in dieser Bauanleitung: https://www.nabu.de/imperia/md/content/nabude/vogelschutz/bauanleitung_waldkauzkasten.pdf

Kritik an BMEL für Verschleppung der Machbarkeitsstudie

Pressemitteilung des Deutschen Tierschutzbundes vom 23. Februar 2021

Der Deutsche Tierschutzbund kritisiert, dass die schon lange angekündigte Machbarkeitsstudie zu den Vorschlägen der „Borchert-Kommission“ zum Umbau der Nutztierhaltung in Deutschland noch nicht vorliegt und sich weiter verzögert. Die Studie wurde im Sommer durch den Deutschen Bundestag beschlossen. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) teilte am Wochenende mit, man sei „zuversichtlich“, dass die Studie in zehn Tagen vorliege. Der Deutsche Tierschutzbund befürchtet, dass hinter der Verzögerung die Absicht steckt, den mit den Vorschlägen verbundenen, notwendigen Systemumbau bis nach der Bundestagswahl zu schieben.

„Frau Klöckner scheut offenbar Veränderungen. Vielleicht handelt sie sogar im Auftrag derer, die einen Systemumbau verhindern wollen? Wir hatten zumindest erwartet, dass das BMEL es ernst meint, wenn es darum geht, die Empfehlungen der Borchert-Kommission vom 11. Februar 2020 umzusetzen. Das war wohl ein Irrtum“, erklärt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. „Nicht nur, dass die Bundesministerin erst durch den Bundestag im Sommer 2020 aufgefordert werden musste, sich endlich ernsthaft um die seit mehreren Monaten vorliegenden „Borchert-Pläne“ zu kümmern: Jetzt wird der Umsetzungsprozess weiter verzögert – mit der Ausrede, die Machbarkeitsstudie käme später als geplant. Für diese Verzögerung muss es Gründe geben, die offengelegt gehören. Dafür trägt jemand die politische Verantwortung.“

Die Koalitions-Fraktionen aus CDU/CSU und SPD hatten in einem Antrag die Bundesregierung aufgefordert, bis zum Ende der Legislaturperiode Vorschläge zu entwickeln, wie die Empfehlungen der Borchert-Kommission – und damit eine Transformation der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung – kurz-, mittel- und langfristig umgesetzt werden können. Mit einer Machbarkeitsstudie zu den Empfehlungen der Kommission sollte die Regierung zudem klären, inwieweit eine Abgabe für höhere Tierwohlstandards in Deutschland mit dem EU-Recht vereinbar ist und inwieweit ausländische Herkünfte in die Abgabe einbezogen werden können. Der Deutsche Bundestag stimmte dem Entschließungsantrag im Anfang Juli 2020 mit großer Mehrheit zu. Die Machbarkeitsstudie wurde jedoch erst Monate später – im Spätherbst – vom BMEL in Auftrag gegeben. Dass das BMEL nun eine erneute Verzögerung ankündigte, ist deshalb kritisch, weil die Zeit, um ein parlamentarisches Verfahren abzuwickeln, bis zur letzten Sitzungswoche des Bundestags Ende Juni extrem kurz ist.

Rasant einsetzender Vorfrühling bringt die innere Uhr durcheinander und Kröten auf Trab

Pressemitteilung des Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz vom 22. Februar 2021  

Potsdam / Linum – Das aktuelle Frühlingswetter könnte zu einer sehr frühen Wanderung der Frösche, Molche und Kröten führen. Sobald die Nachttemperaturen über 5 Grad Celsius steigen, erwachen die Amphibien aus ihrer Winterruhe und treten die Wanderung zu den Fortpflanzungsgewässern an. Ihre innere Uhr, die sie vor einem zu frühen Start bewahrt, könnte durch die angekündigten frühlingshaften Temperaturen ordentlich durcheinandergebracht werden. 

Der Wetterumschwung mit Frühlingstemperaturen bis zu 18 Grad Celsius könnte zu einem frühzeitigen Start der Amphibienwanderung führen. Im zeitigen Frühjahr wandern vor allem Erdkröten, Teich- und Kammmolche sowie Gras- und Moorfrösche zu ihren Laichgewässern und werden dabei von ihren Hormonen angetrieben. So richtig in Schwung kommt die Wanderung vor allem bei milder und regnerischer Witterung, vorzugsweise in den Abend- und frühen Nachtstunden ab Temperaturen über 5 Grad Celsius. In den Bundesländern Hessen und Rheinland-Pfalz wurden schon die ersten Amphibien an den Krötenzäunen gesichtet.

Auf ihrem Weg zu den Fortpflanzungsgewässern sind die Tiere vielen Gefahren ausgeliefert. Dabei stellt der Straßenverkehr eine besondere Gefahr dar. Bei ihrer teils Kilometer weiten Wanderung müssen sie Straßen oder Siedlungsgebiete queren. Statt vor einem herannahenden Fahrzeug zu fliehen, plustern sie sich geradezu auf, strecken zusätzlich ihre Arme durch, um sich größer zu machen und den Feind abzuschrecken. Gegen Kraftfahrzeuge hilft dies Abwehrverhalten nicht – ihrem Fortpflanzungstrieb folgend finden so alljährlich tausende Amphibien ein frühzeitiges Ende auf den Straßen.

Autofahrer sollten deshalb besonders aufmerksam sein – vor allem in Gebieten mit vielen Kleingewässern. Nur zum Teil sind Amphibienwechsel mit speziellen Krötenwarnschildern versehen. Eine umsichtige Fahrweise mit einer verminderten Geschwindigkeit von 30 Kilometer pro Stunde und das Umfahren von Strecken mit Krötenwechseln kann vielen Amphibien das Leben retten.

In Brandenburg gibt es 221 stationäre Kleintierbarrieren und sogenannte Krötentunnel. Darüber hinaus werden jedes Jahr bis zu 110 temporäre Krötenzaune aufgebaut und von freiwilligen Helferinnen und Helfern betreut. An den Zäunen sind auf der straßenabgewandten Seite Eimer eingegraben, in die die Tiere auf ihrer Wanderung entlang des Zaunes hineinfallen. Die Akteure bestimmen und zählen die Kröten, Frösche sowie Molche und tragen über die Straße. Von dort setzen die Tiere nach einer kurzen Orientierungspause ihre Wanderung zum Laichgewässer fort. Zusätzliche Unterstützung ist stets willkommen – es ist ein Erlebnis, einen großen Kammmolch mit seinem leuchtend orange-schwarz gefleckten Bauch oder blaue Moorfroschmännchen zu sehen.

Hin und wieder überdauern Amphibien den Winter in einem privaten Keller oder einem anderen frostsicheren Versteck, beispielsweise im Garten. Sofern die Tiere aus ihrem Versteck nicht wieder herausfinden, sollte man ihnen hierbei helfen. Auch Gartenteiche stellen eine Bereicherung für Frösche und Kröten dar, allerdings nur, wenn diese auch frei von Goldfisch und Co sind.

Nach der Wanderung sind die Gefahren noch nicht gebannt. Ein erneuter Umschwung zu winterlichen Temperaturen gefährdet die Eier und die Entwicklung der neuen Generation, da diese erfrieren könnten. Auch die Dürre der vergangenen Jahre und der niedrige Grundwasserspiegel in vielen Regionen haben die Laichgewässer nicht wieder auffüllen können. Die vergangenen sehr trockenen Sommer brachten weniger Amphibiennachwuchs. Umso wichtiger ist es, ihnen zumindest bei der Anreise an ihre Laichgewässer behilflich zu sein.

Hintergrund:

Amphibien gehören zu den weltweit am stärksten gefährdeten Wirbeltierarten, stellen ein wichtiges Bindeglied im Ökosystem dar und sind ein bedeutender Ökosystemdienstleister. Kaulquappen filtern Nahrungspartikel aus dem Wasser und vertilgen Unmengen an Mückenlarven, wobei sie gleichzeitig eine wichtige Nahrungsquelle für Libellen und Schwimmkäferlarven darstellen. Auch die erwachsenen Tiere verspeisen sehr viele Insekten und sind ein wichtiger Bestandteil des Nahrungsangebots für Vögel und Reptilien, womit sie zum Gleichgewicht unserer Umwelt beitragen, das die Grundlage für die Artenvielfalt bildet. 

Die Naturschutzstation Rhinluch im Landesamt für Umwelt organisiert in Brandenburg ein landesweites Erfassungsprogramm zum Vorkommen von Amphibien und Reptilien. Hierfür ist jede Einzelbeobachtung interessant. Das Artenkataster ist die Grundlage für landesweite und regionale Schutzprogramme für gefährdete Amphibienarten. Auch Freiwillige, die den praktischen Amphibienschutz, zum Beispiel an den Krötenzäunen, unterstützen möchten, können sich in der Naturschutzstation melden: Naturschutzstation Rhinluch, 16833 Linum, Nauener Str. 68, E-Mail: norbert.schneeweiss@lfu.brandenburg.de

Kommentar des Deutschen Tierschutzbundes zu Lebendtiertransporten

Vom 22. Februar 2021

obwohl viele Bundesländer in Erlassen Verbote für Tiertransporte in bestimmte Drittstaaten formuliert haben und sich immer mehr Veterinärämter weigern, diese Transporte abzufertigen, gehen die Langstreckentransporte weiter. So entschied vergangene Woche der Verwaltungsgerichtshof Mannheim im Eilverfahren, dass Kälbertransporte aus Baden-Württemberg trotz des Ende 2020 vom Ministerium für Ländlichen Raum erlassenen Verbots abgefertigt werden dürfen. Zur bundesweiten Lage kommentiert Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes:

„Dass immer mehr Bundesländer im vergangenen Jahr Tiertransporte in bestimmte Drittstaaten per Erlass untersagt haben, war dringend notwendig und ein wichtiger, Mut machender Schritt.

Manche der hart erkämpften Erlasse, die tierquälerische Transporte verhindern sollen, haben vor Gericht allerdings keinen Bestand. Nicht deshalb, weil die Transporte gesetzeskonform wären, sondern etwa aufgrund von Formfehlern oder weil den jeweiligen Veterinärämtern die Zuständigkeit abgesprochen wird. Bundesländer wie Veterinärämter stoßen in ihren Begründungen, um Transporte abzulehnen, an juristische Hürden. Transportunternehmen und Zuchtverbände hingegen nutzen Gesetzeslücken, um ihr vermeintliches Recht auf Transporte durchzufechten. In der Folge müssen Veterinärämter Langstreckentransporte abfertigen, obwohl klar ist, dass diese in der Regel weder mit dem Tierschutzgesetz noch mit EU-Recht vereinbar sind.

Darin zeigt sich das Dilemma einer fehlenden bundesweiten Regelung! Der Bundesrat hat erfreulicherweise in seiner Sitzung vom 12. Februar die Bundesregierung aufgefordert, ein grundsätzliches Verbot von Tiertransporten in bestimmte Drittstaaten zu prüfen. Die Bundesregierung ist nun an der Reihe, schnellstmöglich Gesetzeslücken zu schließen und rechtskonforme Verhältnisse bei den Lebendtiertransporten herzustellen.“

Schau mal was da summt

Pressemitteilung der Heinz-Sielmann Stiftung vom 22. Februar 2021

Hundert heimische Wildbienenarten stellt Dr. Hannes Petrischak von der Heinz Sielmann Stiftung in seinem neuen Buch „Welche Wildbiene ist das?“ vor. Einzigartige Nahaufnahmen und individuelle Informationen zu jeder vorgestellten Wildbienenart machen den neuen Naturführer, erschienen im KOSMOS-Verlag, zu einem hilfreichen Begleiter in der Natur oder im eigenen Garten. Dazu gibt er praktische Tipps, wie wir Wildbienen beobachten und schützen können.

Mehr als 570 Wildbienen-Arten gibt es in Deutschland. Die kleinen sympathischen Insekten leisten wichtige Arbeit bei der Bestäubung von Bäumen, Blumen und Nutzpflanzen. „Aber gut die Hälfte aller heimischen Wildbienen-Arten steht mindestens als gefährdet auf der Roten Liste Deutschlands, teils sind sie sogar vom Aussterben bedroht. Mit meinem Buch möchte ich das Interesse für die Vielfalt der Wildbienen und ihre faszinierenden Lebensweisen wecken“, sagt der Bienenkenner Petrischak.

Wildbienen ganz nah

Ein großes Plus des Buches sind die einzigartigen Makrofotografien der Bienen, die viele Einzelheiten der portraitierten Arten sichtbar machen. Der erfahrene Fotograf hat sie alle selbst aufgenommen, jede Wildbiene ist mit einem Portrait bildlich vertreten. Das erleichtert das Wiedererkennen im Freien.

Für seltene Arten bis auf die Orkney-Inseln

Die meisten der im Buch vorgestellten Arten sind häufig zu finden und in der freien Natur oder im eigenen Garten auch für Laien gut erkennbar und bestimmbar. Zum Beispiel die Wiesenhummel (Bombus pratorum): Im Garten ist sie eine der häufigsten Arten. Mitte März erscheinen die Jungköniginnen, Anfang April bereits die ersten Arbeiterinnen. Schon ab Ende Mai kann man den auffälligen Männchen begegnen – damit ist diese Hummel die erste im Jahr, die ihre Entwicklung vollendet.

Aber auch die seltene Deichhummel (Bombus distinguendus) hat der Biologe in sein Buch aufgenommen. Sie lebt auf rotkleereichen Wiesen und küstennahen Marschen. Durch den Rückgang des Blütenreichtums auf den Wiesen sind Funde in Deutschland inzwischen große Glücksfälle. Der Autor musste für ein gezieltes Foto bis auf die Orkney-Inseln im Norden Schottlands reisen.

Wildbienen bestäuben auch bei kaltem Wetter

Die meisten Wildbienen leben solitär und graben ihre Nester in sandigen oder lehmigen Boden oder nisten in hohlen Pflanzenstängeln, Mauern oder Totholz. Rund ein Viertel aller Wildbienen baut keine eigenen Nester, sondern nutzt als Kuckucksbiene die Quartiere und den Proviant anderer fleißiger Wildbienen.

Im Unterschied zu Honigbienen fliegen manche Wildbienen auch bei niedrigen Temperaturen und bedecktem Himmel aus, um Pollen und Nektar zu sammeln. Deshalb sind sie für die Bestäubung von Blütenpflanzen außerordentlich bedeutsam.

Südwohnungen für Wildbienen

Nisthilfen wie Holzblöcke mit Bohrlöchern, zurecht geschnittene Bambusröhrchen und Schilfhalme sowie Fächer mit einem nicht zu harten Sand-Lehm-Gemisch fördern die Ansiedlung von Wildbienen im eigenen Garten. Die Wohnungen für Wildbienen sollten stets nach Südosten oder Süden ausgerichtet sein, denn Bienen sind für ihre Entwicklung auf Sonnenwärme angewiesen.

Informationen zum Autor

Dr. Hannes Petrischak, Jahrgang 1973, begeistert sich seit frühester Kindheit für alle Zusammenhänge in der Natur, insbesondere für Insekten. Nach seinem Biologie-Studium in Kiel spürte er Schmetterlingen im Regenwald Costa Ricas nach. Er engagiert sich seit vielen Jahren für eine nachhaltige Entwicklung. Neben dem Klimaschutz zählt für ihn der Erhalt der Artenvielfalt zu den wichtigsten Voraussetzungen dafür, dass wir unsere eigenen Lebensgrundlagen auf der Erde bewahren können.

Seit 2016 leitet Hannes Petrischak den Geschäftsbereich Naturschutz der Heinz Sielmann Stiftung, setzt sich vor allem auf den großen stiftungseigenen Flächen in Brandenburg für den Schutz von Lebensräumen und Arten ein und nutzt die außergewöhnlichen Sand- und Heidelandschaften für immer neue Entdeckungen. Die Kamera legt er dabei selten aus der Hand, denn jederzeit kann auf der nächsten Blüte das nächste Highlight warten …

Neuer EU-Bericht zum SARS-CoV-2-Risiko auf Nerzfarmen

Tierschutzbund fordert Ende der Pelztierzucht

Pressemitteilung des Deutschen Tierschutzbundes vom 19. Februar 2021

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA hat in einem gestern veröffentlichten Bericht klargestellt, dass alle Nerzfarmen ein Risiko für SARS-CoV-2-Ausbrüche darstellen. Der Deutsche Tierschutzbund erneuert anlässlich der Veröffentlichung seine Forderung nach einem Ende der Pelztierzucht.  Für die Tiere und die menschliche Gesundheit sei es enorm wichtig, dass die Länder endlich mit einem konsequenten Verbot reagieren. 

„Pelzfarmen sind tickende Zeitbomben, denn neben dem immensen Tierleid, das sie verursachen, gelten sie als Risikofaktoren für die Ausbreitung von Krankheiten und Pandemien. Es ist an der Zeit, mit Pelzfarmen endgültig Schluss zu machen. Noch vor Beginn der sich nahenden Fortpflanzungssaison sollte die Wiederaufnahme des Betriebs untersagt werden“, sagt Dr. Henriette Mackensen, Referentin für Artenschutz beim Deutschen Tierschutzbund. 

Die EFSA empfiehlt in ihrem Bericht, Personen, die mit Nerzen in Kontakt kommen, häufig zu testen. Gesunde sowie tote oder kranke Pelztiere sowie in der Nähe von Pelzfarmen wild lebende Marderartige sollten ebenfalls engmaschig getestet werden. Durch eine genetische Sequenzierung erhofft man sich, Mutationen aufzudecken und den Ursprung von Ausbrüchen identifizieren zu können. Die entstehenden immensen Kosten für diese Maßnahmen jedoch trägt meist der Steuerzahler. „Die Pelztierzucht mit aufwändigen und teuren Maßnahmen trotz allen Risikos zukünftig weiter betreiben zu wollen, ist absurd – vor allem angesichts der Tatsache, dass ein Großteil der EU-Bürger die tierquälerische Pelztierhaltung ablehnt“, kommentiert Mackensen.

Europäische Wissenschaftler fordern in einer aktuellen Stellungnahme als Notfallmaßnahme ein Aussetzen der Pelztierzucht. Einige Länder gehen bereits mit gutem Beispiel voran: So dürfen bei den großen Nerzfell-Produzenten Dänemark und Schweden zumindest in 2021 keine neuen Nerze nachgezüchtet werden. Ob die Farmer lediglich abwarten, bis sie wieder produzieren dürfen, oder die Pelzfarmen letztendlich schließen, weil sie nicht mehr profitabel sind, bleibt abzuwarten.

Unkontrollierte Ausbreitung auf Nerzfarmen

In den vergangenen Monaten hatte sich gezeigt, dass das SARS-CoV-2 Virus sich unkontrolliert zwischen Nerzpopulationen verschiedener Farmen ausbreitet – trotz aller bisherigen Überwachungs- und Sicherheitsmaßnahmen. Bis jetzt wurden allein in Europa auf 400 Nerzfarmen SARS-CoV-2-Ausbrüche bekannt. In Schweden fanden sich trotz Sicherheitsvorkehrungen bei 23 von 33 Farmen unter den verbliebenen Zuchtnerzen Antikörper auf SARS-CoV-2. Im Januar erst wurde der Nachweis der dänischen Nerz-Mutation bei sechs Patienten in Bayern und Baden-Württemberg bekannt – obwohl Dänemark unfassbare 17 Millionen Nerze töten ließ, um die Ausbreitung des mutierten Virus zu verhindern.

Afrikanische Schweinepest: Besondere Vorsicht an Wildschutzzäunen

Gemeinsame Pressemitteilung der Ministerien für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz & Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz vom 19. Februar 2021

Die von der Afrikanischen Schweinepest (ASP) betroffenen Gebiete entlang der Oder und Neiße sowie in den östlichen Landkreisen Märkisch-Oderland, Oder-Spree, Spree-Neiße und Dahme-Spreewald sind von Schutzzäunen durchzogen. An den Zäunen kann es, immer wieder zu Begegnungen zwischen Mensch und Tier kommen. So kam es bereits zu Zwischenfällen im Straßenverkehr sowie mit Erholungssuchenden.

Die Zäune sollen eine weitere Zuwanderung von Wildschweinen aus dem Osten und eine Ausdehnung der Schweinepest nach Westen verhindern. „Die Schutzzäune sind so konstruiert, dass sie Wildschweine weitestgehend aufhalten. Anderes Wild wie Rehe und Hirsche können die in der Regel 1,20 Meter hohen Zäune überspringen, kleine Tiere wie Marder und Kriechtiere können hindurchschlüpfen“, so die Leiterin des ASP-Krisenstabs, Verbraucherschutzstaatssekretärin Anna Heyer-Stuffer.

Da die Zäune den Wildwechsel behindern, kann es leider zu Zwischenfällen und Begegnungen insbesondere auch auf den Deichen kommen, wenn Wildschweine aufgehalten werden oder andere Tiere nicht sofort den Zaun überspringen. „Wir bitten deshalb Verkehrsteilnehmende und Erholungssuchende, besonders vorsichtig zu sein und ausreichend Abstand zu halten, wenn Wildtiere am Zaun entlanglaufen“, sagt Agrarstaatssekretärin Silvia Bender.

Es sollte nicht laut gerufen, gestikuliert oder gehupt und aufgeblendet werden, da die Wildtiere sonst in Panik versuchen, den Zaun zu überwinden oder zu durchbrechen. Radfahrende und Spaziergänger sollten sich langsam zurückziehen oder notfalls den Zaun übersteigen, um sich nicht in Gefahr zu bringen. Wildtiere reagieren mit blinder Flucht und achten dabei nicht auf Menschen. Hunde sind unbedingt an der Leine zu führen. „Sollte es doch zu Zwischenfällen kommen und Wildtiere verletzt werden, rufen Sie bitte die Polizei, die die zuständigen Jäger verständigt“, so Bender.

Schäden am Zaun bitte den Behörden melden

Weil die ASP-Schutzzäune eine Verbreitung der Afrikanischen Schweinepest verhindern und Schwarzwild in den infizierten Zonen halten sollen, ist ihre Funktionstüchtigkeit außerordentlich wichtig. Leider kommt es regelmäßig zu Zerstörungen oder Diebstählen. Beschädigungen oder Löcher im Zaun sollten umgehend bei den zuständigen Landkreisen gemeldet werden, damit die Zäune rasch wieder geschlossen werden.

Die Afrikanische Schweinepest ist eine ansteckende Allgemeinerkrankung der Schweine (Haus- und Wildschweine), die fast immer tödlich verläuft und unheilbar ist. Es gibt keine Möglichkeit, die Schweine durch eine vorbeugende Impfung zu schützen. Die Erkrankung kann direkt von Tier zu Tier oder indirekt über kontaminierte Gegenstände (Kleidung, Schuhe, Fahrzeuge) und Futter in andere Gebiete durch den Menschen übertragen werden. Für den Menschen und andere Tierarten ist die ASP nicht ansteckend oder gefährlich.

NABU klagt gegen Landkreis Oberhavel wegen Folienspargel

Pressemitteilung des NABU Brandenburg vom 17. Februar 2021

Großflächiger Spargelanbau gefährdet Vögel

Der NABU Brandenburg hat heute Klage gegen den Landkreis Oberhavel eingelegt. Aus Sicht des NABU duldet der Landkreis seit Jahren widerrechtlich den Anbau von Spargel unter Folie auf rund 460 Hektar im Vogelschutzgebiet „Obere Havelniederung“ bei Rauschendorf. Die Naturschützer sehen durch den Spargelanbau die Bestände mehrerer bedrohter Vogelarten im Gebiet beeinträchtigt. Mit der Klage will der NABU die Untersagung des Spargelanbaus im Schutzgebiet und eine rechtmäßige Berücksichtigung von Naturschutzbelangen bei zukünftigen Zulassungsentscheidungen durch den Landkreis erwirken.

Brandenburg zählt neben Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen zu den wichtigsten Anbauregionen von Spargel in Deutschland. Doch der großflächige Spargelanbau ist für die Natur hoch problematisch, insbesondere die eingesetzten Plastikfolien, die für einen früheren Erntezeitpunkt eingesetzt werden. Der Lebensraum von Vögeln und anderen Tieren geht damit umfassend verloren.
Innerhalb von Vogelschutzgebieten ist Spargelanbau nur zulässig, wenn zuvor geprüft wurde, ob er sich mit den Schutzgebietszielen verträgt. Der Landkreis Oberhavel versäumte jedoch für den Spargelanbau im Vogelschutzgebiet „Obere Havelniederung“ eine solche Prüfung durchzuführen, obwohl die Problemlage auch den Behörden bekannt war.

„Seit dem Beginn des Spargelanbaus im Schutzgebiet 2013 hat der NABU die Missstände gegenüber dem Landkreis benannt und auf eine Einhaltung von Naturschutzrecht gedrungen. Wir haben lange auf Dialog mit allen Beteiligten gesetzt, aber leider wurde bis heute nichts an dem, unserer Meinung nach, widerrechtlichen Zustand geändert“, erläutert Friedhelm Schmitz-Jersch, Vorsitzender des NABU Brandenburg. „Jetzt läuft uns die Zeit davon. Mittlerweile belegen Kartierungen und Gutachten des Landesamts für Umwelt Brandenburg eindeutig, dass sich im Schutzgebiet Bruterfolg und Bestandszahlen von geschützten Vogelarten wie Rotmilan oder Weißstorch in den letzten Jahren erheblich verschlechtert haben. Der Landkreis hat zwar angedeutet, dass er eine Verträglichkeitsprüfung durchführen möchte, frühestens aber wohl 2022. Bis dahin soll der Spargelanbau unverändert weitergehen. So lange können die Vögel aber nicht mehr warten – manche sind schon jetzt akut vom Aussterben bedroht.“

Mit der nun eingereichten Klage kritisiert der NABU nicht nur die jahrelange Untätigkeit des Landreises Oberhavel. Um den Erhalt der nach EU-Recht geschützten Vogelarten im Gebiet zu sichern, muss der weitere Anbau sofort untersagt und eine Verträglichkeitsprüfung nachgeholt werden. Es gelte auch, weitere massiven Schäden im SPA „Obere Havelniederung“ durch die Fortführung des Spargelanbaus unter Folie zu verhindern.
„Die mit Folien bespannten Felder fallen im Frühjahr, der wichtigsten Zeit von Vogelbrut und Jungenaufzucht, als Nahrungsflächen weg. Gerade Großvögel finden auf diesen Folienwüsten keine Nahrung, da Mäuse, Amphibien oder Großinsekten dort nicht leben können“, erläutert Christiane Schröder, Geschäftsführerin des NABU Brandenburg. „Hinzu kommen die fortlaufenden Störungen durch die Erntehelfer zur Brutsaison und der Einsatz von Herbiziden zur Beseitigung der Vegetation zwischen den Dämmen. Insgesamt gehen den Vögeln so hunderte von Hektar Lebensraum im Schutzgebiet verloren. Die Greifvögel beispielsweise geben im Umfeld von Spargelfeldern ihre Brutplätze auf oder müssen in weiter entfernten Gebieten jagen. Damit wächst auch das Sterblichkeitsrisiko für den Nachwuchs, wenn die Horste länger unbesetzt sind.“

Ein Gutachten im Auftrag des Landes Brandenburg über die Auswirkungen auf die Vogelwelt durch den großflächigen Anbau von Spargel unter Folie im SPA-Gebiet „Obere Havelniederung“ von 2019 bestätigt die Brutaufgaben und abnehmenden Bestände verschiedener Vogelarten seit Beginn des Anbaus. Insbesondere wird der Einsatz der Folien als Grund der Verschlechterungen genannt. Ihren Einsatz darf der Landkreis nach Auffassung des NABU nicht weiter billigen.

„Wir sehen dringenden Handlungsbedarf, um den Sinn und Zweck des Vogelschutzgebietes aufrecht zu erhalten“, führt Rechtsanwalt Tim Stähle aus. „Der großflächige Spargelanbau im Vogelschutzgebiet verstößt gegen europäisches Naturschutzrecht. Der Landkreis muss dem Bewirtschafter den weiteren Anbau umgehend untersagen. Vor einer Zulassung solcher Sonderkulturen muss unbedingt eine Verträglichkeitsprüfung durchgeführt werden, um sicherzustellen, dass das Gebiet durch den Spargelanbau keinen Schaden nimmt“.

Erstes Fachbuch für Tierpfleger in Tierheimen und -pensionen

Pressemitteilung des deutschen Tierschutzbundes vom 17. Februar 2021

Mit dem Lehr- und Unterrichtsbuch „Tierpfleger/in Fachrichtung Tierheim und Tierpension“ gibt der Deutsche Tierschutzbund ein Werk heraus, das als Grundlage für die Tierpfleger-Ausbildung in Tierheimen und Tierpensionen dienen soll. Es ist das erste seiner Art. Die Fachexperten des Dachverbands der Tierschutzvereine und Tierheime waren auch als Autoren maßgeblich beteiligt. Das 552 Seiten umfassende Fachbuch ist im Erling Verlag erschienen und zum Preis von 59,90 Euro ab sofort über den örtlichen Buchhandel oder direkt beim Verlag erhältlich.

„Ein ähnliches Fachbuch mit diesem Schwerpunkt gab es bislang nicht. Es soll als Wissensgrundlage für Azubis dienen, ist aber auch ein hervorragendes Nachschlagewerk für alle anderen in Tierheimen und Tierpensionen tätigen Personen – egal ob Führungskräfte oder freiwillige Helfer. Wir hoffen, dass das Buch dazu beitragen wird, die Tierpfleger-Ausbildung zu verbessern und zu erleichtern und dass es am Ende auch einen wichtigen Beitrag zum Tierschutz leisten kann“, erklärt Dr. Moira Gerlach, Fachreferentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund, die mit ihren Fachkolleginnen und –kollegen maßgeblich am Inhalt des Buches beteiligt war. Unterstützt wurden sie von einem kompetenten Team aus Berufsschullehrern, Ausbildern in Tierheimen, Biologen und Tierärzten mit jahrelanger Erfahrung in Ausbildung und Praxis.

Das Buch thematisiert unter anderem den fachgerechten Umgang mit Tieren und ihre Haltung, um die hohen Qualitätsstandards in der Tierschutzarbeit und das Wohlergehen der betreuten Tiere Tag für Tag sicherzustellen. Sämtliche Abläufe in der Tierpflege werden anschaulich erläutert, von der Aufnahme und Unterbringung über die Versorgung und medizinische Betreuung der jeweiligen Tierarten mit allen ihren Bedürfnissen bis zur Vermittlung. Eine übersichtliche Gliederung nach Tätigkeiten und ein ausführliches Register ermöglichen ein zügiges Auffinden der Themen. Lernsituationen und Praxisbeispiele, eine Wissensüberprüfung sowie zahlreiche Abbildungen und Tabellen erleichtern nicht nur das Lesen, sondern fördern auch das Verständnis.

552 Seiten, ERLING Verlag, Clenze, 1. Auflage 2020, ISBN 978-3-86263-163-6, 59,90 Euro. Weitere Infos: www.erling-verlag.com/ERLING-Medien