Kleine Fliege ganz groß

Die Dänische Eintagsfliege ist „Insekt des Jahres 2021“

In Müncheberg wurde am Freitag das Insekt des Jahres 2021 gekürt. Das Kuratorium unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Thomas Schmitt vom Senckenberg Deutsches Entomologisches Institut in Müncheberg entschied sich für die Dänische Eintagsfliege. Das kleine Insekt trägt diesen Titel auch in Österreich und der Schweiz. Ebenfalls im Kuratorium saß Schirmherr Axel Vogel (Bündnis 90/Die Grünen), Brandenburgs Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz.

Für 365 Tage kann das kleine Insekt sich nun mit diesem Titel schmücken. Wer nun glaubt Unsinn, es erlebt ja nur einen Tag davon, liegt falsch. Tatsächlich beträgt der Lebenszyklus der Fliege im Durchschnitt zwei Jahre. Das ist immer noch nicht viel und ein Großteil dieser Zeit verbringt sie als im Wasser lebende Larve. Das erwachsene Insekt muss sich mit zwei bis vier Tagen Lebenszeit begnügen.

Etwa 140 Arten leben in Mitteleuropa und es gibt sie schon sehr, sehr lange auf der Erde, nämlich seit etwa 355 Millionen Jahre. Mit der Dänischen Eintagsfliege fiel die Wahl nicht auf ein seltenes oder gar vom Aussterben bedrohtes Insekt. Vielmehr steht es, mit seiner langen Lebenszeit im Wasser, für einen ganzen Lebensraum. „Für unser „Insekt des Jahres 2021“ existiert glücklicherweise keine akute Gefährdung. Die Dänische Eintagsfliege ist aber aufgrund ihres speziellen Entwicklungszyklus auf ökologisch intakte Gewässer mit ausreichenden Sauerstoffgehalt angewiesen“, sagt Minister Vogel und ergänzt: „Ein umfassender Gewässerschutz unter Förderung natürlicher Gewässerstrukturen gehört daher zu unseren Zielen. Nur so können wir die Dänische Eintagsfliege und viele weitere Organismen schützen!“

Das „Insekt des Jahres“ wird seit 1999 gekürt, die Idee geht auf Prof. Dr. Holger Dathe, ehemals Leiter des Senckenberg Deutschen Entomologischen Instituts in Müncheberg, zurück. Das Insekt des Jahres 2020 war übrigens der Schwarzblaue Ölkäfer. Aus seinem Köpergift Cantharidin wurden einst Heilmittel hergestellt und auch Giftmörder sollen die Wirkung gekannt und für Zwecke genutzt, haben.

Nach Wasserschaden und Corona

Tierheim ruft zum „Spenden-drive-in“ auf

Falkensee.   Im Hundehaus im Tierheim Falkensee im Havelland brennt noch Licht. Vor dem Haus steht Heimtierzubehör, Möbel werden hin und her getragen. Drinnen dröhnen die Motoren der Trocknungsmaschinen und der Geruch von Chlor beißt in Augen und Nase. Das Hundehaus ist derzeit in zwei Bauabschnitte unterteilt, die noch verbliebenen drei Hunde und die Mitarbeiter sind im ruhigen anderen Gebäudetrakt untergebracht. Notfall im Tierheim, ein Wasserschaden bringt die Tierfreunde in Bedrängnis.

An diesem Tag im November wird Richard Stecker noch eine Weile denken. Es klang wie ein heftiger Regenschauer. Er vergewisserte sich bei einer Kollegin: „Regnet es Draußen?“ Nein, es war trocken, Draußen zumindest. Richard Stecker ist Schriftführer im Tierheim Falkensee und ehrenamtlich im Hundehaus tätig. Da stand er auch an jenem Tag, als er dem Geräusch des rauschenden Wassers folgte und den Wassereinbruch entdeckte. Im dem vor fünf Jahren errichteten Hundehaus hatte das Ventil an einer Wasserleitung nachgegeben. Das Rauschen waren rund 150 000 Liter Frischwasser, die sich ihren Weg in den Fußboden suchten. Etwa 200 Liter fasst die handelsübliche Badewanne, also etwa 750 auslaufende Badewannen. Betroffen ist das komplette, 275 Quadratmeter große Hundehaus. Acht Hunde waren zum Zeitpunkt der Havarie dort untergebracht, allen Tieren geht es gut. Für vier der Hunde ging es bereits in neue Familien, ein Tierheim aus Sachsen bot spontan Hilfe an und übernahm einen Hund. Für einen Weiteren gibt es bereits Interessenten. Bleiben noch der durchsetzungsstarke Sonny und die schüchterne Bibi, die ein neues Zuhause suchen. Für sie und die vier Kaninchen und 48 Katzen, die im Katzenhaus leben, wird gut gesorgt, sagt Stecker. Das Katzenhaus steht ein Stück weiter weg und ist weder vom Wasserschaden noch von den Baumaßnahmen betroffen.

In der Futterküche rattern die Trocknungsgeräte. Die Küche, wie auch die verbliebenen Hunde zogen in den Bauabschnitt zwei
Foto: Silvia Passow

Ein Schaden von 30 000 Euro

Damit können Hunde derzeit nicht im Tierheim aufgenommen werden. Fundtiere können weiterhin abgegeben werden, sagt Stecker. „Die meisten Fundhunde sind nur wenige Stunden hier, dann holt ein erleichterter Besitzer sie wieder ab“, fügt er hinzu. Bis zum Frühjahr werden sich die Baumaßnahmen voraussichtlich hinziehen.

Auf rund 30 000 Euro wird sich der Schaden nach bisherigem Kenntnisstand belaufen, sagt Stecker. Einen Großteil der Summe wird die Gebäudeversicherung übernehmen, fügt er hinzu. Dennoch ist das Tierheim vom Wasserschaden hart getroffen, sagt Kassierer Peter Battige. Denn Corona und die Folgen haben bereits große Löcher in die Kasse gerissen. Vermittlungsgebühren, die Feste auf dem Gelände, bei denen die Besucher Spenden brachten, durch den Verkauf an Imbiss und Lose weitere Gelder eingenommen werden konnten. Die Einnahmen für die Urlaubsbetreuung, alles gar nicht ehr möglich oder sehr deutlich reduziert.

Das Behandlungszimmer hat gerade selbst behandlungsbedarf und ist bis auf weiteres nicht nutzbar
Foto: Silvia Passow

Spenden-drive-in im Tierheim

Da nun auch das Weihnachtsfest für Tiere ausfällt haben sich die Tierfreunde eine besondere Aktion einfallen lassen. Am Samstag, 5.Dezember können von 10-13Uhr kontaktlos Spenden im Tierheim abgegeben werden. Und das geht so: Im Auto vorfahren, drinnen sitzen bleiben, Sachspenden werden von den Mitarbeitern aus dem Kofferraum genommen. Geldspenden können in einem Umschlag aus dem Fenster gereicht werden. Wer einen Zettel mit Namen und Anschrift beilegt, bekommt per Post eine Spendenbescheinigung zugeschickt, erklärt Battige. Außerdem können der limitierte Tierheimkalender und die Tierheim-Tassen für 15 Euro erworben werden.

“Weihnachten für Tiere” fällt in diesem Jahr nicht aus, es heißt nur anders. Beim “Spenden-drive-in” können die Geschenke für Bello, Mietz & Co abgegeben werden.
Foto: Silvia Passow

Termin verpasst?

In den Heimtiergeschäften der Stadt sind wieder Weihnachtsbäume mit den Wünschen der Tiere aufgestellt. Spenden können auch nach telefonischer Vereinbarung direkt im Tierheim abgegeben werden. Gebraucht werden neben Futter auch Spezialnahrung, Tierzubehör, Handtücher, Reinigungsmittel aller Art, Desinfektionsmittel, Haushaltshandschuhe. Bitte keine Bettwäsche oder Matratzen, sagt Stecker.

Zu aber noch da!

Das Tierheim hat seine Türen nicht gänzlich für Besucher geschlossen. Führungen und einfache Besuche sind Pandemie bedingt nicht möglich. Wer Interesse an einem Tier hat, den raten Battige und Stecker zunächst einen Blick auf die Website. Infrage kommendes Tier auswählen, anrufen, Termin vereinbaren. Ab dem 16. Dezember werden keine Tiere vermittelt, der Vermittlungsstopp geht bis zum 2. Januar 2021. Auch wer ehrenamtlich im Tierheim helfen möchte, muss sich noch in Geduld üben. Ehrenamtliche werden zwar dringend gebraucht, können im Moment aber nicht eingearbeitet werden.

Penny fand einst im Tierheim Falkensee Aufnahme, jetzt wohnt sie bei Richard Stecker. Die Halskrause hat mit der nichts zu tun.
Foto: Silvia Passow

Große Spendenbereitschaft

Es gab bereits die eine oder andere Unterstützung, verraten die Tierschützer. Eine Friseurin aus Dallgow hat die 3 Prozent Mehrwertsteuer Senkung ans Tierheim weitergereicht und in Falkensee gibt es ein Wohltätigkeits-Yoga, ebenfalls zu Gunsten des Tierheimes. Tolle Ideen zum Wohle der Tiere und den Ehrenamtlichen gibt die Unterstützung auch Kraft, sagen Stecker und Battige. Nachahmer sind ausdrücklich willkommen.

5 Mio. Euro Hilfe für Tierheime: Tierschutzbund begrüßt Einigung des Haushaltsausschusses

Pressemitteilung des Deutschen Tierschutzbundes vom 27.November 2020

Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) wird den deutschen Tierheimen 2021 mit fünf Millionen Euro unter die Arme zu greifen. Der Deutsche Tierschutzbund, der auf die Bereitstellung der Gelder im Bundeshaushalt hingearbeitet hatte, freut sich über das wichtige Signal.  Die ohnehin schwierige finanzielle Situation der Tierheime war zuletzt durch die Corona-Krise noch dramatischer geworden.

„Wir sind sehr dankbar, dass die Vertreter der SPD-Fraktion unseren Hilferuf im Namen der Tierheime erhört haben“, erklärt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. „Fünf Millionen Euro werden natürlich bei Weitem nicht alles auffangen können, was seit Jahrzehnten fehlt. Die akute Not bleibt. Aber dass die SPD-Haushälter dieses Paket im Haushalt des Bundesumweltministeriums erkämpfen konnte und damit nun erstmals dringend nötige Gelder für die Tierheime aus dem Bundeshaushalt bereitgestellt werden, ist ein wichtiger Schritt, der uns unglaublich freut. Gerade in Corona-Zeiten verstehen wir das auch als Signal und Würdigung für die außerordentlichen Leistungen des praktischen Tierschutzes.“

Die finanzielle Situation der Tierheime ist derzeit insgesamt massiv problematisch. Schon vor der Corona-Krise kämpfte etwa die Hälfte der Tierheime in Deutschland um ihre Existenz. Die privaten Vereine als Träger der Tierheime und tierheimähnliche Einrichtungen stützen sich in erster Linie auf Spendengelder – obwohl sie durch die Betreuung und Versorgung von Fundtieren eigentlich öffentliche Aufgaben der Kommunen übernehmen. Diese erstatten den Vereinen allerdings in den seltensten Fällen die aufkommenden Kosten deckend zurück. Dringend notwendige Instandhaltungsarbeiten konnten deshalb über Jahre hinweg nicht durchgeführt werden. Schon lange fordert der Deutsche Tierschutzbund deshalb einen Sonderinvestitionstopf für dringende Maßnahmen in den Tierheimen, an dem sich Bund und Kommunen beteiligen sollten. In diesem Jahr fielen zusätzlich wichtige Spendengelder und Einnahmen aus Veranstaltungen weg.

Tierheime helfen. Helft Tierheimen!

Dem Deutschen Tierschutzbund sind über 740 Tierschutzvereine mit rund 550 vereinseigenen Tierheimen angeschlossen. Mit der Kampagne „Tierheime helfen. Helft Tierheimen!“ macht der Dachverband der deutschen Tierheime auf die wertvolle Leistung und wichtige öffentliche Aufgabe der Tierheimmitarbeiter*innen und –helfer*innen aufmerksam. Mehr Informationen über die Arbeit und Lage der Tierheime sowie ihre Situation in Corona-Zeiten können unter www.tierheime-helfen.de abgerufen werden.

NABU: Vollständige Neufassung des Jagdgesetzes erforderlich

Pressemittelung des NABU Brandenburg vom 27.November 2020


Vorgelegter Entwurf vom Forum Natur wird Anforderungen veränderter Landschaftsnutzung und dem Klimawandel nicht gerecht

Das Landesjagdgesetz ist fast 30 Jahre alt. Inzwischen hat sich die Landschaftsnutzung, insbesondere durch die intensive Landwirtschaft massiv verändert und der Klimawandel ist auch für unsere Wälder eine große Herausforderung geworden. Auf dem Weg zu artenreichen klimastabileren Wälder ist eine umfangreiche Neufassung des Landesjagdgesetzes dringend notwendig.
Die Wildbestände in Brandenburg sind in den letzten 30 Jahren stark gestiegen. Insbesondere Rehe, Dam- und Rotwild fressen bevorzugt junge Triebe und erschweren somit die natürliche Umwandlung unserer Kiefernmonokulturen hin zu vielfältigen Laubmischwäldern. 

Der heute vorgelegte Entwurf der Landnutzervereinigung Forum Natur ist nicht ausreichend zukunftsorientiert. Zu den zentralen Fragen fehlen die notwendigen konkreten Aussagen. Inhaltlich ist der Entwurf noch immer dem traditionellen Bild des Jagdwesens verhaftet.

Ein modernes Jagdgesetz muss vor allem klare Regelungen treffen, die
•    bleifreie Munition festschreiben,
•    waldverträgliche Wildbestände zum Ziel haben,
•    Eigentümern mehr Einfluss auf die Bejagung ihrer Flächen ermöglichen,
•    regional verwurzelte Jäger fördern,
•    den Umgang mit geschützten Arten vollständig dem Naturschutzrecht überlassen.

Wild ist ein fester Bestandteil unseres Ökosystems. Aufgrund des aktuellen Jagdgesetzes und der Jagdpraxis in Verbindung mit dem Landschaftswandel sind die Wildbestände derzeit so hoch, dass unsere Wälder massiv unter dem starken Wildverbiss leiden. Friedhelm Schmitz-Jersch, Landesvorsitzender des NABU stellt zusammenfassend fest: „Das vom Forum Natur vorgelegte Papier ist aus unserer Sicht ein sehr konservativer Beitrag zu der notwendigen Diskussion einer vollständige Neufassung des Landesjagdgesetzes.“

Es muss gemeinsam und zügig an einer zukunftsweisenden Neufassung des Landesjagdgesetzes gearbeitet werden, bei der auch die naturschutzfachlichen Notwendigkeiten Berücksichtigung finden. Nur mit einem breit aufgestellten Dialog und einer tiefgründigen Modernisierung der Jagd kann auch deren gesellschaftliche Akzeptanz verbessert werden.

Jagdgesetz muss die tatsächlichen Defizite lösen

Wildbestände unbürokratisch reduzieren, damit der Wald eine Zukunft hat

Pressemitteilung des Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz vom 27.November 2020

Potsdam – Land- und Forstwirtschaft leiden unter zu hohen Wildbeständen. Auf Grundlage der durch Rehe, Hirsche und Wildschweine verursachten Waldschäden müssen die zuständigen Jagdbehörden verbindliche Abschussquoten und -pläne unbürokratisch festlegen und kontrollieren können. Der vom „Forum Natur“ vorgestellte Entwurf eines Jagdgesetzes bietet vor diesem Hintergrund zwar erste Ansätze, zeigt aber noch nicht ausreichende und nicht zielgerichtete Lösungen auf, um den dramatischen Zuständen in den Wäldern Brandenburgs durch zu hohe Wildtierpopulationen und dem Verbiss der Naturverjüngung zu begegnen. 

Forstminister Axel Vogel:

Ich begrüße ausdrücklich das Engagement aller Verbände aus Landnutzung, Umwelt- und Naturschutz, sich mit eigenen Vorschlägen in die öffentlichen Diskussionen für eine nachhaltige Entwicklung unseres Landes einzubringen. Dazu zählt auch das Themenfeld Jagd und Forst, für das mehrere Vorhaben im Koalitionsvertrag vereinbart sind.

Mit der Neu-Berufung des Landesjagdbeirats im Sommer hat die Arbeit an der im Koalitionsvertrag festgelegten Novellierung des Jagdgesetzes gemeinsam mit den Verbänden begonnen. Nach der Klausurtagung des Agrarministeriums im September mit dem Landesjagdbeirat erarbeitet das Umweltagrarministerium bis Jahresende einen Referentenentwurf, in den selbstverständlich auch sinnvolle Vorschläge des Forums Natur übernommen werden.

Dem Landesjagdgesetz kommt erhebliche Bedeutung zu, da aktuell 99 Prozent der Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer keine Möglichkeit haben, auf ihren eigenen Flächen zu jagen – und damit die Zahl der Rehe und Hirsche so anzupassen, dass sich ihr Wald von alleine verjüngen kann. Die Eigentümer benötigen dringend durch die Jägerschaft anpasste Wildbestände, aber nicht alle Jagdpächter teilen diese Auffassung. Dieser Interessengegensatz muss aufgelöst werden. Dazu müssen bestehende bürokratische Hürden abgebaut und keine neuen Hürden aufgebaut alte oder zementiert werden.

Mir ist wichtig, das unmittelbare Jagdausübungsrecht beim Eigentümer zu stärken. Wir müssen Mindestpachtzeiten reduzieren und mehr Flächeneigentümerinnen und -eigentümern die Eigenbejagung ermöglichen. Mit Blick auf die angespannte Situation in den Wäldern brauchen wir ein Jagdgesetz, das die Verantwortung der Jäger als Dienstleister und Partner für die Flächeneigentümer aufgreift. Es muss tierschutzgerechte Jagd ermöglichen. Dazu gehören regelmäßige verpflichtende Schießübungen und klare Regelungen beim Einsatz von Jagdhunden. Ein modernes Jagdgesetz bezieht alle jagdbaren Tiere in seine Verantwortung ein, nicht nur trophäentragende Hirsche und Rehböcke. Wildarten wie das Rebhuhn stehen bereits auf der Roten Liste der gefährdeten Arten, sie müssen ganz aus der Bejagung herausgenommen werden,“ so Axel Vogel.

Wildes Dahmeland – das JahreBuch 2021 ab jetzt im regionalen Handel und auch zum Lauschen

Pressemitteilung des Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz vom 27.November 2020

Prieros – Seit 22 Jahren gehört das JahreBuch fest zum Naturpark Dahme-Heideseen. Zahlreiche Autorinnen und Autoren aus der Region schreiben über Natur, Kultur und Artenvielfalt des Dahmelandes. Erstmalig gibt es dieses Jahr an den Adventssonntagen einige Hörproben.

Der NABU Dahmeland e. V. gibt jährlich das in enger Zusammenarbeit mit dem Naturpark Dahme-Heideseen entstandene JahreBuch heraus. Das diesjährige JahreBuch präsentiert auf 128 Seiten Geschichten und Berichte rund um das Dahmeland. Auch wenn eine öffentliche JahreBuch-Vorstellung nicht möglich ist, sollen auch dieses Jahr einige Autoren zu Wort kommen. An den Adventssonntagen finden Leser auf der Internetseite des NABU Dahmeland e. V. Audiodateien mit Geschichten rund um das Dahmeland. Vorgelesen von den Autoren selbst. Interessierte können hier Geschichten über das Zusammenleben von Wölfen und Raben, das Beringen von Greifvögeln und weiteren Beiträgen lauschen.

Die Hörproben finden Sie auf http://www.nabu-dahmeland.de.

Gedruckte Exemplare sind für sieben Euro in der NABU-Geschäftsstelle in Prieros, im regionalen Buchhandel und weiteren regionalen Verkaufsstellen erhältlich.

Dieses Jahr erscheint pünktlich zum Jahresende die neue, inzwischen 22. Ausgabe für das Jahr 2021. Es sind 128 Seiten Geschichten und Berichte rund um die Natur im Dahmeland mit vielen Fotos entstanden. Die Bilder des Naturfotografen Klaus Weber zieren den Kalenderteil und entführen in ein wildes Dahmeland. Viele ehrenamtliche Autoren sorgen wie in jedem Jahr dafür, dass das JahreBuch 2021 eine abwechslungsreiche Lektüre für alle Naturliebenden ist.

Corona-Pandemie: Tierschutzbund fordert konsequente Regulierung des Wildtierhandels

Pressemitteilung des Deutschen Tierschutzbundes vom 26. November 2020

Der Bundestag berät ab heute über den zukünftigen Handel mit und die private Haltung von exotischen Wildtieren. Um Wildtiere endlich konsequent zu schützen und gleichzeitig das Risiko von Zoonosen und Pandemien einzudämmen, fordert der Deutsche Tierschutzbund eine deutlich schärfere Regulierung. Neben einem bundesweit einheitlichen Sachkundenachweis für Halter hält der Verband unter anderem eine Positivliste für wesentlich, die diejenigen Tierarten definiert, gegen deren Haltung in Privathand aus Tier-, Natur- und Artenschutzgründen sowie Gesundheits- und Sicherheitsaspekten keine Bedenken bestehen.

„Corona zeigt, welche Konsequenzen der rücksichtslose Umgang mit Wildtieren auch für uns Menschen haben kann. Eine konsequente Regulierung des Wildtierhandels wurde bereits im Koalitionsvertrag angekündigt und ist schon lange überfällig. Es ist bedauerlich, dass es offenbar eine Pandemie braucht, um dem Staatsziel Tierschutz in dieser Hinsicht gerecht zu werden und Mensch, Tier und Natur gleichermaßen zu schützen“, sagt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. In den Anträgen der Parteien seien nun glücklicherweise bereits viele gute Forderungen enthalten. „Nun müssen daraus auch Taten folgen“, so Schröder.

Bisher sind Handel und private Haltung von exotischen Wildtieren in Deutschland weitestgehend noch immer nicht reguliert – und das, obwohl viele Arten nachweislich Träger von Krankheitserregern sind, die auch dem Menschen gefährlich werden können. Auf Tierbörsen und im Internet können Schildkröten, Schlangen, Papageien oder Äffchen problemlos anonym gehandelt und erworben werden – oftmals unüberlegt und ohne, dass die Käufer ihre Sachkunde nachweisen müssten. Für die Tiere bedeutet das meist lebenslanges Leid, da ihre hohen Ansprüche in der Privathaltung kaum erfüllt werden können. Überforderte Käufer, die die spätere Größe oder Lebensdauer der Exoten unterschätzt haben, setzen sie jedes Jahr zu Hunderten aus und gefährden damit nicht nur heimische Ökosysteme, sondern überlassen die Tiere damit dem meist sicheren Tod durch die hiesigen Witterungsbedingungen. Mit einem verpflichtenden Sachkundenachweis für Verkaufspersonal und private Halter, einer Positivliste unbedenklicher Arten sowie einem Verbot für gewerbliche Züchter auf Tierbörsen und für den Onlinehandel mit Tieren könnte diesen Missständen ein Riegel vorgeschoben werden.

EU-Lösung gegen globalen Artenschwund und Pandemien

Der Deutsche Tierschutzbund fordert die deutsche Politik außerdem auf, sich auf EU-Ebene für ein Importverbot von Wildfängen nach dem Vorbild des US-amerikanischen „Lacey Acts“ stark zu machen. Naturentnahmen schwächen die ohnehin schrumpfenden Wildbestände. Besonders bedenklich ist der Import von im jeweiligen Land geschützten, illegal gefangenen Arten, die hierzulande aber legal verkauft werden können. Der Import von jährlich hunderttausenden Wildtieren birgt damit nicht nur das Risiko, dass gefährliche Krankheitserreger eingeschleppt werden, sondern trägt auch zum globalen Artenschwund bei.

Großer Einsatz für Winzlinge

Pressemitteilung der Heinz Sielmann Stiftung vom 26.November 2020

ein Zivilpanzer wird an den ersten Dezembertagen in Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide einen besonderen Auftrag im Dienst des Naturschutzes erfüllen. Das schwere Kettenfahrzeug verdichtet so genannte Urkrebstrassen durch Befahrung. Das große Gewicht des Fahrzeugs und die Fortbewegung über Ketten schaffen die idealen Lebensbedingungen für die Kiemenfußkrebse Triops cancriformis und Branchipus schaefferi, auch Urzeitkrebse genannt.

Für die beiden in der Döberitzer Heide vorkommenden Urzeitkrebsarten, die ihre Erscheinungsform seit mehr als 200 Millionen Jahren kaum verändert haben, ergeben sich durch den Einsatz des schweren Kettenfahrzeugs positive Effekte. Die Ketten des Zivilpanzers vertiefen Geländemulden und verdichten durch ihr hohes Gewicht den Boden, so dass sich nach Regenfällen die für die Krebse überlebensnotwendigen Pfützen bilden und halten.

In solch temporären Stillgewässern leben und vermehren sich die Urzeitkrebsarten Triops cancriformis und Branchipus schaefferi. Aber auch die Rotbauch-Unke nutzt die temporären Tümpel, ebenso zahlreiche konkurrenzschwache Pflanzenarten wie Schlammling (Limosellla aquatica), Sumpf-Quendel (Peplis portula) und Armleuchteralgen. In der Kernzone nutzen die großen Pflanzenfresser wie der Wisent solche Biotope. Die Wildschweine lieben sie als Suhle.

Urzeitkrebseier überdauern Jahrzehnte im Boden

Die beiden genannten Urzeitkrebsarten sind in Deutschland je nach Region vom Aussterben bedroht oder stark gefährdet. Dabei existieren die Arten bereits seit der Zeit der Dinosaurier, sie haben also schon einige unruhige Zeiten überstanden. Die weiblichen Tiere bilden nach Erreichen der Geschlechtsreife so genannte Dauereier oder Dauerstadien aus, die viele Jahre, teils sogar Jahrzehnte im Boden unbeschadet überstehen können.

Unter passenden Bedingungen erwachen die Urzeitkrebse von April bis November zum Leben. Liegen die Dauereier in einer Mulde und diese füllt sich in der wärmeren Jahreszeit mit Regenwasser, schlüpfen die Krebse innerhalb von 48 Stunden. Dafür sollte das stehende Gewässer besonnt sein und sich schnell erwärmen. Die Lebensspanne der Krebse ist allerdings recht kurz und sie bleiben klein. Branchipus schaefferi erreicht eine Länge von zwei bis vier Zentimetern, Triops cancriformis wird im Durchschnitt sechs bis acht, auch mal zehn Zentimeter groß. Zur Ausbildung neuer Eier reichen ihnen meist wenige Wochen.

Truppenmanöver sicherten Urzeitkrebsen das Überleben

Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide ist eine der wenigen Flächen in Deutschland, wo diese „lebenden Fossilien“ noch vorkommen. Das ist das Paradox der ehemaligen Truppenübungsplätze: Hier wurde für Krieg und Zerstörung geprobt und gerade dadurch konnte sich vielfach eine besondere Tier- und Pflanzenwelt erhalten.

Die Trassenbefahrung durch einen heute zivilen Panzer imitiert die Bedingungen, unter denen die Urzeitkrebse überlebt haben. Sie ist Teil der Landschaftspflegemaßnahmen, die in den Wintermonaten in der Döberitzer Heide stattfinden. Die einzelnen Trassenabschnitte werden sechs Mal hintereinander befahren, um den gewünschten Erfolg zu erreichen. Die Befahrung wird möglichst bei feuchter Witterung vorgenommen, um die Verdichtung und Abschlämmung der feinen Bodenteilchen zu erleichtern.

Landschaftspflegemaßnahmen für den Naturschutz

Die Landschaftspflegemaßnahmen wirken ähnlich wie die Störung der Vegetation durch Militärfahrzeuge. Damit schaffen die Maschinen Verhältnisse, die vergleichbar mit dem Ende der letzten Eiszeit sind, als die Endmoränenlandschaft entstand. Selten gewordene Pflanzenarten, die wegen des Voranschreitens der Vegetation im Laufe der Zeit mehr und mehr verschwanden, können zurückkehren.

Deshalb sind Erosion und andere dynamische Prozesse, die auf landwirtschaftlichen Flächen unerwünscht sind, in der Döberitzer Heide in Teilbereichen gewollt. Wind und Wasser sollen den Boden angreifen und auf diese Weise passenden Lebensraum für seltene Insekten, Gräser und Vögel herstellen. Die hohe biologische Vielfalt vor Ort wird auf diese Weise erhalten und weiter gefördert. Andernorts bedrohte Arten wie Kreiselwespe, Sandbienen oder die farbenprächtige Röhrenspinne bevorzugen die schütter bewachsenen Sandflächen und verschwinden, wenn Nährstoffe und Vegetation zunehmen.

Naturschutzfachliche Pflege für Biodiversität

Die maschinelle Pflege im Herbst und Winter ergänzt andere Maßnahmen zur Offenhaltung wie die Landschaftsgestaltung durch Wisente, Przewalskipferde und Rotwild in der Kernzone (ca. 1.860 Hektar) und in der Naturerlebniszone (ca. 1.800 Hektar) mit Heidschnucken, Ziegen sowie robusten Rinder- und Pferderassen. Die Landschaftspflegemaßnahmen finden in fachlicher Abstimmung mit dem Landesamt für Umwelt statt.

Mindestabflüsse an Spree und Schwarzer Elster erreicht – Bewirtschaftungsprozesse normalisieren sich

Pressemitteilung des Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt, Klimaschutz vom 25.November 2020

Cottbus – In ihrer vorerst letzten Sitzung stellten die Experten der Ad-hoc-AG „Extremsituation“ zu Wochenbeginn fest, dass seit Mitte Oktober die Mindestabflüsse in der Spree eingehalten werden und die Talsperren in Sachsen und Brandenburg aufgrund der seitdem gefallenen Niederschläge über 50 Prozent gefüllt sind. In der Schwarzen Elster führt der trockengefallene Abschnitt zwischen Kleinkoschen und der Mündung der Rainitza wieder Wasser. Der Stauraum des Speicherbeckens Niemtsch konnte ebenfalls zu fast 50 Prozent wieder aufgefüllt werden. Im Ergebnis der Beratung der Ad-hoc-AG wurde festgelegt, dass die reguläre Wasserbewirtschaftung in den Einzugsgebieten von Spree und Schwarzer Elster prinzipiell wieder aufgenommen werden kann.

Spree

Im Oktober lagen die Niederschläge sowohl im sächsischen als auch im brandenburgischen Einzugsgebiet der Spree deutlich über den durchschnittlichen, mittleren Monatsniederschlägen. Die Zuflüsse zu den Talsperren Bautzen und Quitzdorf stiegen entsprechend. Die Talsperre Bautzen ist aktuell zu knapp 60 Prozent gefüllt (Stand 18.11.2020). Der Betriebsraum der Talsperre Quitzdorf steht zurzeit mit rund 31 Prozent zur Verfügung.

Der Wasserstand der Talsperre Spremberg stieg aufgrund der weiterhin relativ hohen Zuflüsse von bis zu 11,5 Kubikmeter pro Sekunde auf aktuell 91,28 Meter Normalhöhennull (NHN, Stand 23.11.2020). Die Talsperre Spremberg ist damit zu knapp 60 Prozent gefüllt. Die Abgabe der Talsperre Spremberg verbleibt weiterhin auf 7,2 Kubikmeter pro Sekunde, da aufgrund von Baumaßnahmen an der Talsperre Spremberg bis Ende Dezember ein Stauziel von 91,50 Meter NHN nicht überschritten werden soll. Des Weiteren wurde im November begonnen im Spreewald den Winterstau anzusteuern.

Zurzeit werden am Unterpegel Leibsch 10,4 Kubikmeter pro Sekunde und am Pegel Große Tränke (Berlin) 11,7 Kubikmeter pro Sekunde gemessen, damit werden die erforderlichen Mindestabflüsse in der Spree überschritten. Sollten sich die Abflüsse in der Spree weiterhin stabil verhalten, wird voraussichtlich auch bald wieder die Flutung des Cottbusser Ostsees fortgesetzt werden können. Die einleitbaren Mengen legt das Landesamt für Umwelt fest und passt diese je nach Wetter und Abfluss an die Situation täglich an.

Schwarze Elster

Im Schwarze-Elster-Gebiet bewirkten die Niederschläge im Oktober, dass zum einen der gesamte Verlauf der Schwarzen Elster wieder Wasser führt und dass zum anderen in das Speicherbecken Niemtsch (Senftenberger See) Wasser eingeleitet werden konnte. Der Wasserstand des Speicherbeckens Niemtsch stieg auf 98,69 Meter NHN, das entspricht einem Füllstand von 48 Prozent.

Durch die geringen Niederschläge im November sind die Abflüsse in der Schwarzen Elster wieder gesunken. Zur Schonung des Wasserdargebotes im Speicherbecken Niemtsch stützt zurzeit die Grubenwasserreinigungsanlage Rainitza die Schwarze Elster.

Aufgrund der Entspannung der Niedrigwassersituation in den Einzugsgebieten der Spree und Schwarzen Elster beendete die Ad-hoc-AG „Extremsituation“ nun die Extrembewirtschaftung und formulierte weitere Empfehlungen zur Wasserbewirtschaftung der Winterperiode. Vorsorglich ist bereits eine Sitzung der Ad-hoc AG für Ende März 2021 zur abschließenden Bewertung der Entwicklungen im Spree- und Schwarze Elstergebiet anberaumt. Alle Akteure der Wasserbewirtschaftung Sachsens, Berlins, Brandenburgs sowie der Flutungszentrale Lausitz arbeiten weiterhin gemäß den länderübergreifend abgestimmten Bewirtschaftungsgrundsätzen eng zusammen. Diese Grundsätze geben Rang- und Reihenfolge der Wasserbevorteilung im Spree- und Schwarze-Elster-Gebiet vor. Die Mindestabflüsse und die Wiederauffüllung der Speicher zu sichern, hat dabei die höchste Priorität.

Neuer Bericht zum Tierschutz von Masthühnern

Pressemitteilung des Deutschen Tierschutzbundes vom 25.November 2020

Tierschutzbund fordert höhere Standards

Ein neuer wissenschaftlicher Bericht zum Tierschutz von Masthühnern in der EU macht deutlich, dass Verbesserungen notwendig und machbar sind und in der künftigen EU-Gesetzgebung berücksichtigt werden sollten. Der Bericht wurde vergangene Woche von der Eurogroup for Animals vorgestellt – der europäischen Tierschutz-Dachorganisation, der auch der Deutsche Tierschutzbund angehört.

„Die konventionelle Haltung von Masthühnern – mit zu wenig Platz in strukturlosen Haltungssystemen – ist nicht tiergerecht. Die Tiere sind überzüchtet und auch Transport und Schlachtung bringen tierschutzrelevante Probleme mit sich. Es braucht daher dringend höhere Standards von der Zucht bis zur Schlachtung – in Deutschland und der EU“, sagt Inke Drossé, Leiterin des Referats für Tiere in der Landwirtschaft beim Deutschen Tierschutzbund. Die EU-Kommission sollte im Rahmen der Farm to Fork-Strategie auch die EU-Masthuhn-Richtlinie überarbeiten. Erkenntnisse aus dem neuen Bericht sollten hier unbedingt mit einfließen.“

In dem von der Eurogroup for Animals veröffentlichten Bericht „The welfare of broiler chickens in the EU: from science to action“ zeigen sechs unabhängige Forscher die Tierschutzprobleme in der Hühnermast und –zucht sowie die Defizite der Gesetzgebung auf. Gleichzeitig machen sie deutlich, durch welche Maßnahmen – etwa den Einsatz langsam wachsender Zuchtlinien, mehr Platz oder Beschäftigungsmaterialien und Strukturen wie Strohballen, Pickgegenstände oder Sandbäder – das Wohlbefinden der Tiere, gesundheitliche Beeinträchtigungen und Mortalitätsraten beeinflusst werden können. Auch Probleme und notwendige Verbesserungen bei Transport und Schlachtung kommen zur Sprache. So müssten etwa klimatisierte Transporter eingesetzt werden, um Hitze- und Kältestress bei den Hühnern zu verhindern.