Aktionstag „Kollege Hund“ bringt Vierbeiner in die Büros

Pressemitteilung des Deutschen Tierschutzbundes vom 25.Juni 2020

Am heutigen Aktionstag erobern wieder die Vierbeiner die deutschen Büros. In den teilnehmenden Unternehmen, darunter Rechtsanwaltskanzleien, Handwerksunternehmen, Buchhandlungen, Versicherungen und Verlagshäusern, dürfen Hunde an diesem Tag mit ins Büro – und die Mitarbeiter*innen können den Arbeitsalltag mit dem tierischen Kollegen einmal austesten. Ein Hund im Büro verbessert das Arbeitsklima, baut Stress ab und die Motivation im Team steigt.

„Auch im Arbeitsalltag bewährt sich der Hund als treuer und verlässlicher Freund des Menschen. Der Aktionstag bietet die Chance, ein mögliches Miteinander von menschlichen und tierischen Kollegen einfach einmal unverbindlich austesten“, erklärt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. Hintergrund der Aktion ist, dass sich viele Menschen aufgrund ihrer beruflichen Situation scheuen, einen Hund bei sich aufzunehmen. „Wir wollen insbesondere Arbeitgebern aber auch Arbeitnehmern zeigen, wie gut sich Hund und Beruf vereinbaren lassen und so im besten Fall auch Hunden aus dem Tierheim eine bessere Chance auf Vermittlung bieten“, so Schröder. Unterstützt wird die Aktion, die jedes Jahr am letzten Donnerstag im Juni stattfindet, von der Futtermarke Pedigree.

Firmen, bei denen Hunde bisher tabu waren, können den Aktionstag nutzen, um Berührungsängste zu überwinden; Hundehalter können den Vorgesetzten und Kollegen – deren Einverständnis vorausgesetzt – einmal ihren tierischen Freund vorstellen. Hunde fühlen sich nämlich am wohlsten, wenn sie Herrchen und Frauchen begleiten dürfen. Dann sollten sie aber auch einen festen Rückzugsort am Arbeitsplatz haben, etwa eine Box oder ein Körbchen, an dem sie zur Ruhe kommen können. Neben Hund und Halter profitiert auch das gesamte Team vom „Kollegen Hund“, da sich ein Hund positiv auf das Arbeitsklima auswirkt.

Alle Firmen, die sich am Aktionstag „Kollege Hund“ beteiligen, zeichnet der Deutsche Tierschutzbund im Anschluss mit einer Urkunde als tierfreundliches Unternehmen aus. Mehr Informationen zum Aktionstag unter: www.kollege-hund.de

Szenarien aus der Klimaforschung können Risikobewertung von Zentralbanken dienen

Pressemitteilung des PIK vom 24.Juni 2020

Stabilität ist das Kernziel von Zentralbanken. Um die Risiken aus der Destabilisierung des Klimas abzuschätzen, planen die großen Zentralbanken und Aufsichtsbehörden, Klimaszenarien zu verwenden, die von einem Forscherteam unter der Leitung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung entwickelt wurden. Diese Szenarien werden in die Klimastresstests einfließen, die Zentralbanken wie die Bundesbank, die Bank of England oder die Banque de France für die von ihnen regulierten Finanzinstitute durchführen wollen. Die Arbeit wurde vom “Network of Central Banks and Supervisors for Greening the Financial System” (NGFS) in Auftrag gegeben, einer Gruppe von 66 Zentralbanken und Aufsichtsbehörden rund um den Globus, die das Ziel hat, ein Klima-Risikomanagement im Finanzsektor zu entwickeln.

„Klimabedingte Risiken sind für die Weltwirtschaft sehr real“, erklärt Elmar Kriegler, leitender Koordinator des Projekts am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). „Einerseits werden die physischen Auswirkungen von Klima- und Wetterereignissen erheblich sein – wie etwa bei Überschwemmungen oder Dürren. Andererseits ergeben sich aus der erforderlichen Transformation zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft viele Chancen, aber auch Risiken für die Finanzmärkte, wenn sie den Klimaschutz nicht vorausschauend berücksichtigen. Wie genau und unter welchen Bedingungen solche Risiken auftreten können, das sollen unsere Szenarien veranschaulichen und erforschen helfen.“

Szenarien als wichtiges Instrument zur Risikoreduktion

Diese Informationen sind entscheidend für die Beurteilung wirtschaftlicher und finanzieller Risiken. „Als Zentralbanken und Aufsichtsbehörden ist es unsere Aufgabe, die Auswirkungen des Klimawandels auf die Wirtschaft und das Finanzsystem in einer Vielzahl möglicher Zukunftsszenarien zu verstehen“, erläutert Sarah Breeden, Exekutivdirektorin der UK Deposit Takers Supervision bei der Bank of England und Vorsitzende des Arbeitsstrangs des NGFS zum – so nennen es die Fachleute – ‘makro-finanziellen’ Einfluss des Klimawandels. „Deshalb freue ich mich sehr, dass der NGFS heute diese Szenarien veröffentlicht. Sie sind eine wichtige Ergänzung unseres analytischen Werkzeugkastens. Indem wir dabei helfen, die Maßnahmen zu identifizieren, die wir jetzt ergreifen können, um zukünftige Kosten und Risiken zu reduzieren, können wir wirklich etwas bewirken.“

In seinem ersten umfassenden Bericht vom April 2019 gab der NGFS sechs Empfehlungen dazu ab, wie Zentralbanken und politische Entscheidungsträger sicherstellen können, dass das Finanzsystem gegenüber klimabedingten Risiken widerstandsfähig ist. Eine dieser Empfehlungen bestand darin, Szenarien als gemeinsamen Ausgangspunkt für die Analyse von Klimarisiken für die Wirtschaft und das Finanzsystem zu entwickeln.

Die erste Runde der Szenarien ist jetzt veröffentlicht worden. Eine zweite wird um den Jahreswechsel folgen. Die Forschung wird vom PIK in enger Zusammenarbeit mit dem NGFS koordiniert. Weitere Partner sind das International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA), Climate Analytics, die University of Maryland in den USA und die ETH Zürich.

Klimaforscher und Zentralbanker lernen voneinander

„Um den Finanzspezialisten die Arbeit mit den Szenarien zu erleichtern, verwenden wir den ‘Scenario Explorer’ des IIASA“, erklärte Bas van Ruijven, Senior Research Scholar bei IIASA. „Über diese Website können die Benutzer ihre eigenen Grafiken und Arbeitsbereiche zu allen Aspekten dieser Übergangsszenarien erstellen, etwa zur makroökonomischen Entwicklung, zu Veränderungen im Energieverbrauch oder zur Nutzung von Energieressourcen. Die Benutzer können auch den gesamten Datensatz oder nur die Teile der Daten herunterladen, mit denen sie arbeiten möchten.“

„Wissenschaftsbasierte Informationen sind essentiell für eine fundierte Entscheidungsfindung. Im Verlauf des Projekts haben Klimaforscher und Zentralbankern viel voneinander gelernt“, so Elmar Kriegler. „Es war spannend zu sehen, dass die Szenarien zum Klimawandel für die Finanzregulatoren genauso wertvoll waren wie zuvor für die Klimapolitiker.“

Mehr Information zu den NGFS Szenarien und dem dazugehörigen Guide findet sich hier: https://www.ngfs.net/en/liste-chronologique/ngfs-publications

Die Datenbank wird hier verfügbar sein: https://www.ngfs.net/ngfs-climate-scenarios

Der erste umfassende NGFS Report (2019) mit allen sechs Empfehlungen findet sich hier: https://www.banque-france.fr/sites/default/files/media/2019/04/17/ngfs_first_comprehensive_report_-_17042019_0.pdf

Auszeichnung für „Schwalbenfreundliches Haus“ in Pausin

Der NABU verlieh in Pausin die Plakette „Schwalbenfreundliches Haus“

Schönwalde-Glien/Pausin.  Am Freitag verlieh der NABU Osthavelland in Pausin die Plakette mit Urkunde „Schwalbenfreundliches Haus“ an die Familie Bannasch. Seit beinahe zwei Jahrzehnten lässt die Familie Rauschwalben bei sich am Haus und den Pferdestallungen nisten. Die für die Aufzucht ihrer Jungen notwendigen Insekten finden die Schwalben in der Umgebung der Pferde und halten diesen damit die surrenden Plagegeister vom Hals. Familie Bannasch unterstützt und fördert mit ihrem Engagement die Population der Rauchschwalben. Durch ihren Einsatz konnten viele der als Glücksboten geltenden Vögel das Licht der Welt erblicken.

Verleihung der Auszeichnung an Familie Bannasch
Foto: Konrad Bauer

Der Brutbestand der Rauchschwalben in Deutschland, hat sich laut Konrad Bauer vom NABU Osthavelland, in den letzten 50 Jahren halbiert. „Die Rauschschwalbe hat in den letzten Jahren unter dem Rückgang der Weidewirtschaft und dem Verlust von strukturellen Landschaftselementen Bestandseinbußen erlitten. Leider wird ihr auch häufig der Brutplatz an Gebäuden und Stallungen verwehrt“, sagt Konrad Bauer der gemeinsam mit Monika Weber, ebenfalls NABU Osthavelland, die Auszeichnung überreichte.

Als Gebäude-Innenbrüter sind die Schwalben auf die Toleranz des Menschen angewiesen. Neben dem Mangel an Brutplätzen leiden die Schwalben auch an den abnehmenden Insekten-Beständen. Eine Rauschwalbe verspeist täglich 11 Gramm Insekten. Das heißt in der Zeit von April bis September, während sie in unseren Breiten lebt, futtert sie rund 2000 ! Stechmücken und 600 Blattläuse weg. Das entspricht einer Menge von 1,8 Kilogramm Insekten. Den Rest des Jahres verbringen die etwa 19 Zentimeter großen Zugvögel südlich der Sahara, in Afrika. Ende April kommen die Rauschwalben, deren Bäuche weiß und deren Rücken glänzend blau in der Sonne leuchten, zum Brüten zurück. Sie legen 4-5 Eier, die sie in 15 Tagen ausbrüten. Nach 24 Tagen sind die Nestlinge flügge. Und manchmal brüten die Schwalben noch ein zweites Mal im gleichen Jahr. Etwa 8 Jahre alt kann eine Rauchschwalbe werden.

Ein Nest voller Glück, kleine Rauchschwalben
Foto: Eppo Bannasch

Rund 350 000 Rauchschwalben brüten in Deutschland. Wenn die Tiere aus ihren Winterquartieren zurückkehren, suchen sie gern die bestehenden Nester auf. Es folgt eine Renovierung, sprich, die Vögel richten sich im alten Nest wieder ein. Rauchschwalben und ihre Nester sind ganzjährig geschützt. Das Zerstören von Schwalbennestern ist eine Ordnungswidrigkeit, die mit bis zu 50 000 Euro geahndet werden kann.

Für den wichtigen Beitrag zum Artenschutz werden in Brandenburg regelmäßig Hausbesitzer, die Schwalben einen sicheren Brutplatz bieten, vom NABU ausgezeichnet.

Kleine Leute im Einsatz für den Artenschutz

Die Sielmann-Natur-Ranger haben Nisthilfen für Meisen, Wiedehopf, Baumhummel und Marienkäfer gebastelt

Wustermark/Elstal.  Daniela Erler geht in die Knie und zeigt mit einem kleinen, dünnen Ast auf eine filigrane Pflanze mit weißen Blüten. „Weiß jemand, was das ist?“ Sie schaut in neun ratlose Augenpaare. „Schafsgarbe vielleicht?“ Die Unsicherheit klingt in der Kinderstimme deutlich mit. Erler schüttelt den Kopf. „Du hast Recht, sie sieht der Schafsgarbe ähnlich, ist aber Schierling. Und der ist sehr giftig. Ihr dürft den Schierling wirklich niemals anfassen“, erklärt Erler. Erler erläutert, wie man beide Pflanzen auseinanderhalten kann, was sie unterscheidet und die drei Mädchen und sechs Jungen im Alter von 6-12Jahren lauschen ihr aufmerksam. Die Kinder gehören zu den Sielmann Natur-Rangern, dem Team Döberitzer Heide. Einmal im Monat erobern sie mit Erler die Heide, gehen raus in die Natur und erleben noch echte kleine Abenteuer. Sie entdecken Käfer und Spinnen und können sie mit Namen benennen. Auch viele der Blumen, Sträucher und Bäume sind ihnen namentlich bekannt.

Daniela Erler erklärt den Schierling
Foto: Silvia Passow

Heute ist erst einmal Schnipseljagd angesagt. Die Kinder haben einen Fragebogen bekommen und damit strolchen sie durch die Heide. Sie suchen nach den versteckten Nummern, die hier in den Büschen hängen. Ist eine solche Nummer gefunden, sehen sich die jungen Naturschützer um. Was könnte hier so Besonderes sein? Wenn sie selbst nicht darauf kommen, hilft Erler und erklärt, um was es an dieser Stelle geht. Zwei Kilometer legt die Truppe auf diese Weise zurück, dann ist erst einmal Pause. Auch die fleißigsten Natur-Ranger brauchen eine Stärkung.

Groß für die Natur im Einsatz, die Sielmann-Natur- Ranger
Foto: Silvia Pasow

Für manche der Kinder ist es eine Herausforderung zwei Kilometer zu laufen, sagt Erler. Doch sie lernen schnell und wenn es überall am Wegesrand etwas Spannendes zu entdecken gibt, fühlt sich die Distanz gar nicht so weit an. Seit fünf Jahren führt Erler einmal im Monat die Kinder auf Entdeckungstour durch die Heide. Manchmal werden sie dabei von Naturexperten begleitet. Sie macht das ehrenamtlich. Sie möchte, sagt sie, dass die Kinder hier spielerisch lernen, toben, entdecken, riechen, kosten können. Es gibt ein bisschen Kräuterkunde und Erler erklärt die Landschaftsformen. Und es geht natürlich um den Naturschutz, um das Verstehen, dass sich die Natur nichts ohne Sinn ausdenkt. „Ich möchte, dass die Kinder, wenn sie eine Spinne sehen nicht igitt rufen,“ sagt sie. Die Kinder sollten ihren Namen kennen, ihren Nutzen, dann werden sie die Spinne unbeschadet zurück in die Natur setzen, sollte dies erforderlich sein. Zweiundzwanzig Kinder gehören zu den Sielmann Natur-Rangern Döberitzer Heide. Im Moment ziehen sie nicht gemeinsam los. Corona bedingt wurde die Gruppe getrennt, die eine Gruppe ist Vormittags in der Heide, die andere am Nachmittag.

Voller Stolz zeigen die Ranger was sie gebastelt haben
Foto: Silvia Passow

Als sich abzeichnete, dass Corona die Gruppenerlebnisse erst einmal auf Eis legen würde, gab Erler den Kindern eine Hausaufgabe mit. Sie verteilte Baumaterial und Bauanleitungen für Nistkästen und Insektenhotels. Viele der Kinder bastelten und nun bekommen die Nisthilfen den letzten Schliff und werden dann in die Bäume oder an die Hauswand des Ranger-Quartiers angebracht.

Eine zu Hause? Eine verlassene Spechthöhle
Foto: Silvia Passow

Schöne Nistkästen für Vögel und besonders schick, auch für Schmetterlinge, bekommen noch einen farbigen Anstrich. Die Kinder überlegen, welche Farbe verwendet werden soll und einigen sich schnell und demokratisch. Erler hat bereits Halterungen an der Hauswand angebracht. Die kleinen Dosenkäfer, Insektenhotels aus Blechdosen, mit Pfeifenreiniger verziert, können direkt in die Bäume gehängt werden. Es wird eifrig gesägt, abgemessen und gepinselt. Und am Ende haben viele Insekten und Vögel ein neues Zuhause bekommen.  

Ein Mini-Insektenhotel
Foto: Silvia Passow

Die Sielmann Natur Ranger sind die Jugendorganisation der Heinz-Sielmann-Stiftung. Die 1998 gegründete Organisation ist bundeweit aktiv und möchte Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit bieten, Natur allen Sinnen zu entdecken, um einen verantwortungsvollen Umgang mit ihr zu entwickeln.

Daniela Erler hängt die kleinen Dosenkäfer in die Bäume
Foto: Silvia Passow

Mehr zu den Sielmann-Natur-Ranger unter: www.natur-ranger.de

Die Vier von der Fahrradwerkstatt

Wenn der Sattel wackelt, der Reifen eine Acht hat, die Kette klemmt, in der Fahrradwerkstatt gibt es unkompliziert und kostengünstig Hilfe

Wustermark.  Wustermark hat wieder eine offene Fahrradwerkstatt. Die Idee, dem Drahtesel bei Wehwehchen selbst, unter Anleitung bastelfreudiger Handwerker, zu helfen ist für Wustermark nicht neu. Sie ruhte, nachdem die Initiatoren an einen anderen Ort gezogen waren. Nun ist sie wieder da, neu besetzt, vier Fahrrad-affine und handwerklich begabte Männer aus den verschiedenen Ortsteilen der Gemeinde, warten auf Spannende und knifflige Fahrradreparaturen.

Jeden ersten Samstag im Monat können in Wustermark unter Anleitung Fahrräder repariert werden
Foto: Silvia Passow

Thomas Türk sitzt vor dem rotem Backsteinhaus in der Sonne, das Vorderrad eines Fahrrades auf den Schoss. Er dreht sacht an dem Rad, das charakteristische Surren ist zu hören. Ein Problem mit den Speichen, diagnostiziert der 61jährige. Nichts was sich nicht lösen ließe. Türk hat das erste Fahrrad vor sich, dass in der neuen offenen Fahrradwerkstatt repariert wird. Der Besitzer hat es zur Reparatur abgegeben, was nicht unbedingt dem entspricht, was Türk und seine drei Mitstreiter in der Werkstatt erreichen wollen. Fahrräder reparieren, ja, doch sollte der Besitzer oder die Besitzerin nach Möglichkeit dem Vorgang beiwohnen, besser noch, selbst am Patienten Fahrrad operieren. Wenigstens als Assistenzarzt, so die Idee. Denn hier geht es um ein gemeinsames Projekt, der Besitzer hat die Chance, seinen Drahtesel unter die Pedale zu schauen und damit besser kennen zu lernen. Türk, den hier viele auch als den Fraktionsvorsitzenden der Bündnisgrünen kennen, lebt mit der Werkstatt den Nachhaltigkeitsgedanken aus, sagt er.

Peter Mendl, Christoph Wewel und Thomas Türk beim Frei-Luft-Werkeln
Foto: Silvia Passow

Peter Mendl gesellt sich zu Türk, schaut auf das Rad und bestätigt den von Türk gestellten Befund. Mendl, der in seinem Leben diversen beruflichen Tätigkeiten nachging, hat sich schon immer gern handwerklich beschäftigt, sagt er. Als junger Mann fuhr der heute 67jährige Rentner zur See. „Und da hatte man gar nicht die Möglichkeit, alles neu zu kaufen. Hier musste man reparieren und improvisieren“, sagt er. Beides hat er offenbar nicht vergessen und wendet es nun hier in der Werkstatt an. Christoph Wewel ist eigentlich Vermessungsingenieur, gern ehrenamtlich aktiv, so auch bei der Freiwilligen Feuerwehr. Fahrräder reparieren liegt bei Wewel in der Familie, bereits der Vater hauchte den kaputten Drahteseln wieder Leben ein und Wewel hält es genauso. Dinge reparieren, statt wegwerfen, finde er weitaus besser, sagt der Hoppenrader Wewel. Der Jüngste im Bunde ist Edgar Kalischer aus Elstal. Der 19jährige reparierte sein eigenes Fahrrad bei den Vorgängern der Fahrrad-Werkstatt und als er hörte, dass dieses Projekt wiederbelebt werden soll, war er sofort dabei, erzählt er. Handwerklich aktiv sein, sagt er, das ist ohnehin seine Leidenschaft, sagt er. Sein eigenes Fahrrad hat er liebevoll hergerichtet und einen echten Blickfang geschaffen.

Ein echter Hingucker, das Fahrrade von Edgar Kalischer
Foto: Silvia Passow

Die Vier reparieren nun einmal im Monat kostenlos Fahrräder. Und sie nehmen auch gern Fahrräder, die nicht mehr genutzt werden, an. Sie bauen sie auf und geben sie an Menschen, die sich kein Fahrrad kaufen können, weiter. Der Service an sich ist kostenlos, die Ersatzteile müssen selbst besorgt werden und in der Werkstatt steht ein Sparschwein, dass sich gern mit Bargeld füttern lässt.

Hier sind Christoph Wewel, Peter Mendl und Edgar Kalischer am Werk
Foto: Silvia Passow

Zum vierköpfigen Team gehört noch ein Mann, ohne dem die Werkstatt nicht möglich geworden wäre. Alexis Schwarz stellt auf dem ehemaligen Vierseitenhof den Platz zur Verfügung. Der Hof gehört zum ökologisch-sozialen Wohnprojekt, dass hier an der Friedrich-Rumpf-Straße entstanden ist. In der kleinen Werkstatt wird das Material und das Werkzeug gelagert. Gearbeitet wird im Freien, vor der Werkstatt. Zurzeit gelten die üblichen Corona-Schutzmaßnahmen.

Edgar Kalischer, Peter Mendl, Christopher Wewel, Thomas Türk, Wustermarks Bürgermeister und Fan der bekennender Fan der Werkstatt Holger Schreiber und Alexis Schwarz
Foto: Silvia Passow

Die ehrenamtliche Fahrradreparatur kann jeden 1. Samstag im Monat von 10-14 Uhr aufgesucht werden. Zu finden ist sie in der Friedrich-Rumpf-Straße 18, in Wustermark.

Gute Laune und Drahtesel, in der Fahrradwerkstatt Wustermark
Foto: Silvia Passow

Mitmischen:

Mit dem schicken neuen/alten Fahrrad unterwegs und Anregungen für eine fahrradfreundliche Umgebung aufgespürt? Noch bis zum 28.Juni können sich die Wustermarker am Radverkehrskonzept beteiligen. Die Onlinebeteiligung zum Radverkehrskonzept findet sich unter: mpt.link/wustermark-radverkehr. Der Fragebogen kann auch ausgedruckt und in Papierform eingereicht werden.

Tiere brauchen Schutz vor großer Sommerhitze

Pressemitteilung des Deutschen Tierschutzbundes vom 23.Juni 2020

Die anstehende Sommerhitze bedeutet für Haustiere eine Gefahr. Im schlimmsten Fall droht der Tod durch einen Hitzschlag. Der Deutsche Tierschutzbund empfiehlt Tierhaltern, stets für Schatten und frisches Trinkwasser zu sorgen und Haustiere nicht körperlich anzustrengen. Hunde oder auch andere Tiere dürfen keinesfalls allein im Auto bleiben, denn hier besteht akute Lebensgefahr.

„Tierhalter sollten ihre Haustiere bei den steigenden Temperaturen stets im Blick behalten, um mögliche Anzeichen von Überhitzung schnell zu erkennen“, sagt Dr. Moira Gerlach, Fachreferentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund. „Dies können starkes Hecheln und Unruhe sein.“ Spätestens dann muss das Tier aus der Hitze gebracht werden. Nasse Handtücher um die Gliedmaßen helfen dabei, das Tier langsam runterzukühlen. Lebensgefährliche Kreislaufprobleme können sich durch stark gerötete oder sehr blasse Schleimhäute, flache Atmung, verlangsamte Reaktionen und apathisches Verhalten äußern. Dringende Warnsignale sind außerdem Gleichgewichtsstörungen. „Bei diesen Symptomen muss unmittelbar ein Tierarzt aufgesucht werden“, so Gerlach.

Schatten und Wasser sorgen für Abkühlung

Anders als der Mensch können viele Tierarten nicht schwitzen. Die meisten Haustiere regulieren ihren Wärmehaushalt über Trinken oder Hecheln. Deshalb ist jederzeit verfügbares frisches Trinkwasser wichtig. Außerdem braucht das Tier einen kühlen Schattenplatz, an den es sich stets zurückziehen kann. Große Anstrengungen sollten dringend vermieden werden. Mit Hunden sollte man deshalb in den kühleren Morgen- und Abendstunden Gassi gehen. Ein Hundepool kann für die Vierbeiner die nötige Abkühlung bringen; Katzen bevorzugen dagegen ein schattiges Plätzchen im Garten oder ziehen sich gern ins kühlere Badezimmer oder den Keller zurück. Wer Kaninchen oder Meerschweinchen im Außengehege hält, sollte immer prüfen, ob sich ein großer Teil des Geheges den ganzen Tag über im Schatten befindet. Schattenspendende Häuschen, kühle Steinplatten oder feuchte aufgehängte Tücher können zusätzlich für Kühlung sorgen.

Das Auto wird schnell zur tödlichen Falle

Unter keinen Umständen dürfen Tiere alleine im Auto gelassen werden. Auch bei bedecktem Himmel oder geöffneten Fenstern steigt die Temperatur im Inneren rasch auf 50 Grad und mehr an und das Fahrzeug kann so schon innerhalb weniger Minuten zur tödlichen Falle werden. Passanten, die ein Tier in Not bemerken, sollten umgehend die Polizei oder auch die Feuerwehr informieren, um das Fahrzeug öffnen zu lassen, falls der Fahrzeughalter oder Fahrer nicht schnell genug gefunden werden kann.

Weitere Tipps auf: www.jugendtierschutz.de/hitze

Berliner Konferenz zu Klima und Sicherheit gibt Startschuss für neue Risikoanalyse

Pressemitteilung des PIK vom 23.Juni 2020

Die Destabilisierung des Klimas erhöht die Risiken für Frieden und Sicherheit. Um diesen Risiken zu begegnen, suchen Wissenschaftler und politische Entscheidungsträger gemeinsam nach Lösungen. Die Berliner Konferenz zu Klima und Sicherheit (BCSC) ist der globale Treffpunkt für führende Persönlichkeiten aus Regierungen, internationalen Organisationen, der Wissenschaft, der Privatwirtschaft und der Zivilgesellschaft, um zu untersuchen, wie sich der Klimawandel auf Frieden und Sicherheit auswirkt – und welche Maßnahmen die internationale Gemeinschaft ergreifen kann, um den Risiken zu begegnen. Die hochrangig besetzte Veranstaltung, die Statements von mehr als 14 Außenministern, Staatschefs und UN-Chefs beinhaltet, untersucht in diesem Jahr die nötigen Schritte, um die Welt nach der Corona-Pandemie für Klima- und Sicherheitsfragen zu sensibilisieren. Organisiert wird sie vom Auswärtigen Amt in Zusammenarbeit mit adelphi und dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK).

“Für die meisten von uns war exponentielles Wachstum ein abstraktes Konzept – bis uns die Corona-Pandemie traf”, so der deutsche Außenminister Heiko Maas. “In den vergangenen Wochen haben wir alle lernen müssen, wie katastrophal die Auswirkungen der Pandemie sein können. Beim Klimawandel ist das Muster das gleiche, auch wenn er sich in Zeitlupe vollzieht. Und die Folgen sind ebenso schwerwiegend – für Menschenleben und als Quelle künftiger Konflikte. Die Außen- und Sicherheitspolitik muss dem Rechnung tragen und sich endlich ein neues Sicherheitskonzept zu eigen machen. Heute wissen wir: Es braucht keinen einzigen Schuss, um ganze Regionen in Aufruhr zu stürzen. Eine lange Dürre kann eine ebenso zerstörerische Wirkung haben.”

Die BCSC 2020 findet in zwei Teilen statt. Der erste Teil, vom 23. – 24. Juni 2020, untersucht die wachsenden Risiken, die die Auswirkungen des Klimawandels für den internationalen Frieden und die internationale Sicherheit darstellen, mit dem Ziel, klare Schritte nach vorn zu finden, um auf klimabedingte Sicherheitsrisiken reagieren zu können. Er beinhaltet einen hochrangigen politischen Teil mit dem deutschen Außenminister Heiko Maas. Der zweite Teil folgt vom 7. September bis 2. Oktober 2020 und widmet sich der Frage, wie umfassendere Risikobewertungen eine vorausschauende und präventive Außen- und Sicherheitspolitik unterstützen könnten.


“Sicherheit und Wohlstand im 21. Jahrhundert hängen davon ab, wie wir die globalen Gemeinschaftsgüter managen”

“Das Überschreiten planetarer Grenzen wird zu Situationen führen, in denen es häufiger zu Auseinandersetzungen um Ressourcen kommt. Wir sehen diese Auswirkungen bereits jetzt, zum Beispiel in gefährdeten Regionen in der Sahelzone, wo Dürren zu Ernährungskrisen beitragen, die wiederum Unruhen auslösen können”, sagt der Erdsystemwissenschaftler Johan Rockström, der zusammen mit dem Ökonomen Ottmar Edenhofer das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung leitet. Edenhofer fügt hinzu: “Sicherheit und Wohlstand im 21. Jahrhundert werden zu einem großen Teil davon abhängen, wie wir die globalen Gemeinschaftsgüter managen, einschließlich der Klimastabilität. Wie Kartographen versuchen Wissenschaftler, eine Reihe von Wegen zu identifizieren, um die von der internationalen Gemeinschaft gesetzten Ziele zu erreichen – und ermöglichen es damit den Verantwortlichen, fundierte Entscheidungen darüber zu treffen, welchen Kurs sie einschlagen wollen.“

Alexander Carius, Geschäftsführer von adelphi, betont, dass “wir eine sichere post-Corona-Welt nur dann wieder aufbauen können, wenn wir dem Klimawandel Rechnung tragen. Aber was nützt es, wenn es keinen Frieden gibt? Wir wollen nicht zum ‚business as usual‘ zurückkehren. Wir brauchen ein besseres Verständnis der verschiedenen miteinander verbundenen Risiken, um sicherzustellen, dass eine risikobewusste Politik heute zu einer gesünderen, klimasicheren und friedlichen Zukunft führt.“

Das übergeordnete Ziel der BCSC 2020 ist es, aufzuzeigen, wie umfassendere Risikobewertungen in eine vorausschauende, vorbeugende Außenpolitik umgesetzt werden können. Tatsächlich fehlt uns immer noch eine verbindliche Risikobewertung auf globaler Ebene, die eine ganzheitliche Analyse der klimabedingten Sicherheitsrisiken bietet und klare Botschaften an die politischen Entscheidungsträger liefert.

Ziel: Ein “Global Risk and Foresight Assessment” entwickeln

Um diese Lücke zu schließen, hat das Auswärtige Amt ein Konsortium führender Forschungsinstitute aus Wissenschaft und Politik beauftragt, einen umfassenden Bericht zu Klima-Sicherheits-Risiken zu entwickeln, ein “Global Risk and Foresight Assessment”. Die Initiative, die gemeinsam von adelphi und dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) geleitet wird, bringt Klima-, Sozial- und Konfliktwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler zusammenbringen, um kontextspezifische Dimensionen von Risiko und Resilienz zu identifizieren. Ziel ist, zeitnahe, relevante und effektive Antworten auf klimabedingte Sicherheitsherausforderungen zu gewährleisten.

Auf der diesjährigen BCSC wird auch ein neuer Bericht von PIK und adelphi veröffentlicht, der die Grundlage für die Risikobewertung bildet. Er fasst die vorhandenen wissenschaftlichen Erkenntnisse zusammen und kontextualisiert sie, um politischen Entscheidungsträgern zehn Erkenntnisse über Klima und Frieden zu liefern. Diese Schritte Deutschlands, das sich unter seiner UN-Sicherheitsratspräsidentschaft sehr stark für Maßnahmen im Bereich Klima und Sicherheit eingesetzt hat, zeugen von einem anhaltenden Engagement in dieser Frage und setzen die Empfehlungen des Berliner Aufrufs zum Handeln 2019 direkt um.

Nicht nur Fragen des Arbeitsschutzes, sondern auch Tierschutzfragen auf.

Pressemitteilung des Deutschen Tierschutzbundes vom 22.Juni 2020

Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, kommentiert:

„Der Fall Tönnies zeigt, wie anfällig dieses System auch in Tierschutzfragen ist. Die zunehmende Zentralisierung, die über Jahrzehnte durch die EU und die deutsche Agrarpolitik angetrieben wurde, zeigt nun das wahre Gesicht. Wir sehen die Tierschutzprobleme, die jetzt aktuell zu lösen sind: Wohin kommen die Schweine, die nicht mehr bei Tönnies geschlachtet werden? Wie werden die Transportwege gestaltet? Welcher Stau und damit elende Wartezeiten entstehen in den Schlachthöfen? Wie sind die Zustände in den Ställen, wo die Tiere jetzt warten? Diese drängenden Tierschutzfragen müssen jetzt beantwortet werden. Die Antworten darf Bundesministerin Julia Klöckner nicht Herrn Tönnies und NRW-Ministerin Heinen-Esser alleine überlassen. Da braucht es ein Gesamtkonzept, mit dem ein maximaler Schutz für die Tiere gewährleistet wird. Das sind kurzfristige Maßnahmen. Mittelfristig braucht es eine radikale Wende der deutschen und europäischen Agrarpolitik, weg von Zentralisierung, hin zur Regionalisierung. Die wichtige Frage des Arbeitsschutzes und des dringenden Verbots des Sub-Unternehmertums ist nur die eine Seite. Aus Tierschutzsicht gibt es ebenso wichtige Fragen zu lösen, auch unabhängig von Tönnies. Es ist eine Systemfrage, keine Tönnies-Frage.“

Endlich die Sau rauslassen

Pressemitteilung des Deutschen Tierschutzbundes vom 22.Juni 2020

Zwölf Tierschutzorganisationen legen Konzept für sofortiges Ende der Kastenstandhaltung vor

Gemeinsam mit elf weiteren Tierschutzorganisationen hat der Deutsche Tierschutzbund einen Vorschlag erarbeitet, wie Kastenstände für Sauen in Deutschland innerhalb weniger Jahre komplett abgeschafft werden können. Unter dem Titel »Sauenhaltung in Deutschland – Handlungsmöglichkeiten aus Sicht des Tierschutzes« zeigen die Organisationen Schritte für einen sofortigen Umbau des Systems Kastenstand auf, hin zu einer für die Sauen weniger leidvollen Gruppenhaltung. Mit dem Papier wollen die Tierschutzorganisationen einen konstruktiven Beitrag zur aktuellen Debatte um die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung leisten. Ihre Position ist dabei klar: Kastenstände sind tierschutz- und verfassungswidrig und müssen abgeschafft werden. Es kann aus Sicht des Tierschutzes keinen akzeptablen Kompromiss zwischen den Bundesländern geben, der lediglich Fixierungszeiten verkürzt und Kastenstandsbreiten anpasst.

„Mit dem Konzept wollen wir den zuständigen Länderministern im Agrarausschuss des Bundesrates sowie den Regierungschef*innen in den Bundesländern aufzeigen, wie es gehen kann. Wir können nur an die Länder appellieren, bei der finalen Entscheidung keinen faulen Kompromiss zu akzeptieren. Denn der Kastenstand ist tierschutzwidrig und in seiner jetzigen Form gesetzeswidrig – das wurde höchstrichterlich bestätigt. Rechtssicherheit besteht, es muss jetzt darum gehen, geltendes Recht auch umzusetzen und das sobald möglich. Dass lange Übergangsfristen nicht vertretbar sind, hat gerade auch erst der Deutsche Ethikrat deutlich gemacht“, sagt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes.

Die Kernpunkte der Handlungsmöglichkeiten

Nach Vorstellung der Tierschutzverbände sollen zunächst alle Betriebe im Deckbereich nach Abschluss von zwei Jahren auf die Gruppenhaltung – ohne jeglichen Kastenstand – umgestellt haben. Dabei sollen die Sauenhalter*innen innerhalb der ersten sechs Monate ein Umbaukonzept und innerhalb des ersten Jahres einen Bauantrag vorlegen. Die maximale Fördermöglichkeit sollten diejenigen Betriebe erhalten, die noch vor Ablauf der Frist von einem Jahr einen Bauantrag einreichen.

Nach spätestens fünf Jahren müssen alle Betriebe auch auf freie Abferkelsysteme umgestellt haben. Hier ist nach zwei Jahren ein Umbaukonzept und nach einem weiteren Jahr ein Bauantrag vorzulegen. Die maximale Fördermöglichkeit sollten diejenigen Betriebe erhalten, die noch vor Ablauf der Frist von drei Jahren einen Bauantrag eingereicht haben.

Bis der Umbau wie beschrieben vollzogen wurde, müssen die seit 1992 geltenden Mindestanforderungen umgesetzt werden, die bis heute systematisch ignoriert werden. Die Sauenhalter*innen sollen, um die Mindeststandards zu erfüllen, die Kastenstände im Deckbereich öffnen und den Bereich hinter den Kastenständen für die Tiere nutzbar machen oder einen anderen Umstallungsrhythmus wählen.

Um den raschen Systemwechsel zu ermöglichen sollten die Sauenhalter*innen entsprechende finanzielle Unterstützung erhalten. Neben bereits existierenden Fördermöglichkeiten schlagen die Tierschutzorganisationen drei weitere Finanzierungsinstrumente vor: Sonderabgaben auf Produkte tierischen Ursprungs, eine Neuregelung der Mehrwertsteuer auf pflanzliche und tierische Produkte sowie eine Umschichtung der Fördergelder aus dem Budget der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) von der ersten in die zweite Säule. Fördergelder darf es allerdings nur für tierschutzfachlich einwandfreie Um- und Neubauten ohne jeglichen Kastenstand geben und nicht zum Beispiel für die Verbreiterung von Kastenständen.

Neben der Finanzierung bedarf es dringender Anpassungen im Baurecht. Darüber hinaus müssen Genehmigungsverfahren stark vereinfacht und beschleunigt werden, wenn die Baumaßnahmen nicht mit einer Bestandsaufstockung einhergehen.

Ebenfalls braucht es ein zuverlässiges Kontrollkonzept, um die Einhaltung der Vorgaben zu überwachen und gegebenenfalls Sanktionen zu verhängen. Im Tierschutz ist das Kontrollsystem extrem mangelhaft, so dass hier großer Nachholbedarf besteht.

Bettina Hörstrup zur Verwaltungsdirektorin ernannt

Pressemitteilung des PIK vom 17.Juni 2020

Die neue Position der Verwaltungsdirektorin am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung wird mit Bettina Hörstrup besetzt. Die Juristin ist derzeit Leiterin der Personalabteilung und stellvertretende Verwaltungsrätin des Deutschen GeoForschungsZentrums, einem Helmholtz-Zentrum. Ihre Ernennung vervollständigt die neue Leitung des Potsdam-Instituts, die mit Johan Rockström und Ottmar Edenhofer als Direktoren 2018/19 gestartet ist.

„Dies ist eine wichtige Unterstützung für unser wachsendes Institut “, sagt Johan Rockström. „Wir können uns hiermit noch besser auf unsere strategische Entwicklung konzentrieren. Dies ist um so wichtiger, weil wir uns einer Evaluierung nähern. “ Ottmar Edenhofer ergänzt: „Bettina Hörstrup ist nicht nur eine erfahrene Verwaltungsexpertin, sondern auch ein großartiger Mensch. Wir freuen uns sehr darauf, sie als Teil unseres Direktoren-Teams und als Leiterin vieler wichtiger Prozesse zu haben.“

Bettina Hörstrup erklärt: „Ich freue mich sehr, sichtbar zum Erfolg des PIK beitragen zu – können und natürlich freue ich mich darauf, die Menschen zu treffen, mit denen ich in Zukunft zusammenarbeiten werde.“