Unterwegs mit der Blauen Holzbiene: Der Gutspark, für die kleine Runde zwischendurch

Der Gutspark Falkensee liegt zentral zwischen Bahnhofstraße und Schlaggraben. Die Wege sind eben und auch für dünne Kinderwagenräder geeignet. An der Bahnhofstraße befindet sich ein Restaurant, am Bahnhof gibt es Eis.

Die Wiese mit Wildblumen und Bäumen und im Gutspark
Foto: Silvia Passow

So richtig spektakulär ist der Gutspark in Falkensee nicht. Aber die kleine Grünanlage im Herzen der 45 000 Einwohner-Stadt hat ihre Momente. Die Stadt plant eine Schönheits-OP für die parkähnliche Anlage. Und mit etwas Kreativität und unter Berücksichtigung des schönen alten Baumbestandes, ließe sich hier auch einiges zaubern.

Zaubern mit Grüntönen
Foto: Silvia Passow

Hinter der alten Stadthalle geht es in die Grünanlage. Kleiner Spielplatz, ein paar Bänke. Das eigentlich High-Light liegt versteckt am Rande. Das Atelier von Sabine Ostermann ist einen Besuch wert, genauso wie die Restaurationswerkstatt nebenan für Freunde alter und schöner Holzmöbel als kleines Paradies erscheint. Wer nun lieber weiter im Grünen bleibt, sollte den Weg am Schlaggraben folgen. Hier zaubert die Sonne mit Grüntönen. Und manchmal kann im Graben sogar ein Reiher beobachtet werden. Oder Enten, am Tümpel, nahe der neuen Stadthalle. Hier endet dann auch schon das Spaziervergnügen.  

Nicht alle Jungvögel brauchen Hilfe

Pressemitteilung des Deutschen Tierschutzbundes vom 30.April 20

Wenn in den kommenden Wochen die Brutsaison der heimischen Vögel voranschreitet, sollten Tierfreunde nicht vorschnell eingreifen. Darauf weist der Deutsche Tierschutzbund hin. So können befiederte Jungvögel zwar hilflos wirken, sie stehen aber meist weiter mit den Elterntieren in Verbindung. Eine gut gemeinte „Rettung“ ist daher nicht nötig. Anders verhält es sich bei aus dem Nest gefallenen, noch federlosen Vogelküken. Diese sind auf menschliche Hilfe angewiesen. Ihre Versorgung und Aufzucht sollte man jedoch Fachleuten in Wildtierauffangstationen überlassen.

Junge Rauschwalben
Foto: Pixabay

„Wer ein Vogelküken ohne Federkleid hilflos am Boden liegen sieht, sollte eingreifen und das Tier – wenn möglich – ins elterliche Nest zurücksetzen“, rät James Brückner, Leiter des Referats für Natur- und Artenschutz beim Deutschen Tierschutzbund. „Dabei darf man die Jungvögel auch berühren: Die Altvögel stören sich nicht am menschlichen Geruch. Wenn das Küken verletzt oder es nicht möglich ist, es zurück ins Nest zu setzen, sollte man das Tier mitnehmen und zu einem Tierarzt bzw. einer Auffangstation bringen“, so der Experte. Für die vorübergehende Unterbringung des Vogels ist am besten ein ausgepolsterter Pappkarton geeignet, der – weil die Tiere häufig unterkühlt sind – am besten im Haus untergestellt wird. Da es gerade für Laien schwierig ist, die Vogelart zu bestimmen, sollte man besser keine Fütterungsversuche unternehmen. Auch Wasser sollte allenfalls älteren Jungvögeln angeboten und keinesfalls in den Schnabel geträufelt werden, da sonst Erstickungsgefahr besteht. „Wichtig ist, dass die Tiere so schnell wie möglich in sachkundige Hände übergeben werden“, so Brückner.

Amseljunge im Nest
Foto: Pixabay

Eingreifen bei Ästlingen und Nestflüchtern meist nicht notwendig

Anders als noch unbefiederte Küken warten ältere Jungvögel im Geäst oder an geschützten Orten auf die Rückkehr der Elterntiere, die sie weiterhin füttern. Die sogenannten „Ästlinge“ sind zwar schon befiedert, aber noch nicht voll flugfähig. Sie bewegen sich eher hopsend fort und wirken daher unbeholfen. Diese Tiere benötigen keine Hilfe, es sei denn, sie sind verletzt. Eine Ausnahme bilden Alpen- und Mauersegler: Erwachsene Tiere verbringen ihr gesamtes Leben in der Luft und suchen nur zum Brüten Unterschlupf in hoch gelegenen Mauerspalten. Da die Elterntiere nicht vom Boden starten können und daher dort auch nicht landen, bleiben aus dem Nest gefallene Jungtiere unversorgt. Sie sollten umgehend an Fachleute übermittelt werden. Kein Handlungsbedarf besteht dagegen bei Nestflüchtern, wie jungen Enten, Gänsen oder Rallen, die bereits mit einem dichten Dunengefieder zur Welt kommen. Sie sind in der Lage ihr Nest ein bis zwei Tage nach dem Schlüpfen zu verlassen.

Eine Gemeinde blüht auf

Priort blüht auf, Einwohner haben farbenfrohe Bienenweiden vor ihren Grundstücken gepflanzt

Wustermark/OT Priort.  Letzten Freitag verteilte Sylvia Gehrke die Bienenfreundlichen Stauden an interessierte Einwohner in Priort. Im Rahmen der Aktion „Priort blüht auf“ hatte Gehrke fünf Blumenpakete verlost. Die Stauden sollen als buntes Statement zum Artenschutz vor den Grundstücken gepflanzt werden. Bewerber waren aufgefordert ein Foto, eines für die Pflanzung vorbereiteten Streifens vor ihrem Grundstück, einreichen.

Neue Studie belegt Insektensterben

Ebenfalls am Freitag veröffentlichte das Deutsche Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena- Leipzig neue Daten zum Insektenschwund. Die hierbei ermittelten Daten stammen aus 166 Langzeitstudien an weltweit 1676 Orten. Diese Analyse zeigt, dass es bei den landlebenden Insekten einen Rückgang von 0,92 Prozent pro Jahr gibt, was einem Rückgang von 24 Prozent in rund 30 Jahren entspricht. Bei den an Gewässer gebundenen Insekten liegt die Zahl bei 1,08 Prozent pro Jahr. Allerdings weist die Studie auch auf regionale Unterschiede hin.

Die Stauden werden verteilt
Foto: Silvia Passow

Aus Liebe zur Natur in die Politik

Der alte Kirchbaum war Schuld. Der wollte nicht mehr so recht tragen, erzählt Harald Ackermann, Gehrkes Ehemann. Also schaffte das Paar Bienen an und siehe da, der Baum blühte auf, der Einsatz wurde mit einer reichen Ernte belohnt. „Die Bienen zeigten mir, was für sie wichtig ist“, sagt Gehrke. Deren Garten ist naturnah gestaltet, Hühner picken gemächlich umher, Frösche quaken im Teich, ein großer Gemüsegarten versorgt das Paar. Und: Vor der Tür blüht und grünt es ungezähmt, auf dem Blühstreifen. Gehrke sagt, sie hat das tiefe Bedürfnis etwas gegen das Artensterben zu tun. Und sie will die Verantwortung für ihre Umgebung nicht einfach abgeben. „Nicht nur fordern oder meckern, sondern selber machen“, sagt sie, ist ihre Devise. Um gestalten zu können, ist Mitsprache nicht schlecht und so ließen sich Gehrke und Ackermann als Parteilose in den Ortsbeirat von Priort wählen. Hier möchten sie für die Artenvielfalt eintreten. „Und rennen damit bei der Gemeinde offene Türen ein“, sagt Gehrke. So zahlte die Gemeinde Wustermark die fünf Pflanzpakete. Gehrke schlug das Projekt vor und erhielt Zustimmung, unter der Voraussetzung, dass sie sich um die Umsetzung kümmere, sagt sie.

Foto: Silvia Passow

Nicht der erste Blühstreifen

Das Duo Gehrke/Ackermann geht jetzt ins dritte Jahr ihrer begrünenden Aktivitäten. Zusammen mit anderen Dorfbewohnern hatten sie Krokusse an zentraler Stelle im Ort gepflanzt. Vor dem Gemeindehaus haben sie einen Blühstreifen angelegt. Diese Aktionen kommen nicht bei allen gut an, das weiß Gehrke. „Manchmal werde ich belächelt oder höre, wie Leute sagen: Schau, da gießt sie wieder ihr Unkraut“, erzählt sie. Und dann die andere Seite, wenn Kinder vor einer gemeinschaftlichen Pflanzaktion zur Mutter sagen. „Mami, heute gehen wir die Bienen retten, stimmts?“ Da wird ihr warm uns Herz sagt Gehrke. Es gibt Einwohner, die besuchen sie, um ihr zu sagen, wie schön sie das „wilde Priort“ finden. Der Rückhalt beflügelt das Paar und er wird mehr, zeigt sich öfter, gibt Rückenwind.

Sylvia Gehrke lässt Priort aufblühen
Foto: Silvia Passow

Die Restaurantstraße für Bienen

Die neue Top-Adresse für Bienen findet sich an der Haarlake, denn hier gab es gleich drei Familien, die sich für einen Blühstreifen vor der Tür beworben haben. Sie pflanzen nun großblumige Glockenblume, rotblühende Königskerze und den Oregano Faltertreff, um nur einige der Bienenweiden zu nennen. Dazu bekommen sie ein Schild, der vorbeispazierende Besucher soll wissen, warum hier mehr zu sehen ist, als der übliche Rasen. Denn, nicht jede Blüte ist für Bienen und Co zugänglich oder nützlich. So gelangen Insekten in gefüllte Blüten, wie mancher Gärtner sie schätzt, gar nicht erst hinein und andere Blumen bieten den Insekten keine Energie, werden entweder gar nicht erst aufgesucht oder sind nicht nahrhaft. In etwa das, was für den Menschen ein labberiges Toast wäre, statt knackiges Vollkornbrot.

Die Nachbarn haben bereits ein schönes Schild zum Projekt entworfen
Foto: Silvia Passow

Gemeinde positioniert sich gegen Artensterben

„Die Blühstreifen vor den Grundstücken werden von der Gemeinde Wustermark nicht nur befürwortet. Sie werden gewünscht“, sagt Gehrke und verweist dabei auf einen Beschluss der Gemeinde Wustermark. „Wir wollen aktiv gegen das Artensterben antreten“, sagt sie und setzt hinzu: „Preußisch kurz war gestern“ und meint damit den Rasenstreifen vor dem Grundstück.

Uwe Jesussek hat ein Pflanzpaket bekommen und nimmt nun, wie seine Nachbarinnen, die Pflänzchen entgegen. Gehrke gibt noch ein paar Tipps zu den leckeren Bienenhappen. Jesussek hat bereits Stockrosen und Lavendel vor seiner Tür gepflanzt, dazu die neuen Stauden, fertig ist ein hübsches, buntes Bienen-Buffett. Auf den bunten Anblick freut er sich bereits, sagt er. Auch Gehrke freut sich, sagt sie und hofft auf Nachahmer, vielleicht wenn die farbige Pracht nicht nur die Bienen, sondern der Anblick auch die Menschen, erfreut.

Unterwegs mit der Blauen Holzbiene Safari im Havelland

Auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz in der Döberitzer Heide kann man wilden und weniger wilden Tiere begegnen

Heute geht es in die Sielmann Naturlandschaft Döberitzer Heide. Wandern kann man hier auf vielen Wegen, auch Radfahren und Reiten sind möglich. Aber Achtung, für schmale Reifen, das gilt auch ganz besonders für Kinderwagen, braucht es die Geländeausstattung oder echte Muckis, denn viele der Wege bestehen aus reinem, feinem Sand. Bei Sonnenschein unbedingt an Sonnenschutz denken. Bei Wind kann es Sinn haben den Rundgang anhand der Windrichtung auszulegen. Der Sand kann sich zu regelrechten kleinen Sandstürmen aufbauen, Gegenwind trübt dann die Freude.

Im Naturschutzgebiet gibt es keine Möglichkeit Speisen oder Getränke zu kaufen. Es gibt sehr schöne Picknickplätze, sie liegen idyllisch und die Brotzeit schmeckt hier mit Sicherheit. Bitte auch hier die Corona-Regeln beachten und alles was mitgebracht wurde, auch wieder mitnehmen.

Foto: Silvia Passow

Eintritt ist nicht zu entrichten, Parkplätze gibt es an den meisten Zugängen reichlich und kostenlos. Also auf und viel Spaß bei der Wanderung durch die Döberitzer Heide.

Auf gehts
Foto: Silvia Passow

Er liegt in der Luft, dieser Mai, der Wonnemonat, der der alles neu macht. Und schön und grün und duftend. In der Döberitzer Heide auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz blüht strahlend der Ginster. Die Luft ist klar und ist die Bundesstraße 5 erst einmal zurückgelassen, wird es still und friedlich in der Heide. Und, mit etwas Glück, auch ganz schön wild.

Immer der Nase nach und dabei genießen
Foto: Silvia Passow

Auf dem 3600 Hektar großen Gebiet im Havelland hat die Sielmann-Stiftung eine Naturlandschaft entstehen lassen. 980 geschützte Tierartenleben auf dem Gebiet, dass etwa die 17fache Größe des Berliner Tiergartens hat. In der sogenannten Kernzone, die für den Besucher nicht zugänglich ist, haben rund neunzig Wisente und 24 Przewalski-Pferde eine Heimat. Beide Tierarten galten außerhalb von Zoos bereits als ausgestorben. Auch außerhalb der wilden, den Tieren vorbehaltenen Zone, gibt es viel zu entdecken. Da kreist der Mäusebussard über den Baumwipfeln, ein großer Fuchs, so heißt eine der hier heimischen Schmetterlingsarten, sitzt am Wegesrand und sein rotfelliger Namensvetter kreuzt bald darauf zielstrebig den Weg. Rehe verschwinden wie Schatten im Unterholz und kleine Echsen rascheln im trockenen Gras. Eine Wanderung durch die Döberitzer Heide ist ein besonderes Erlebnis, für das man sich durchaus einen ganzen Tag einplanen sollte.

Am Wegesrand stehen oft noch die Zeugen der früheren Nutzung
Foto: Silvia Passow

Durch das trockene Brandenburg

55 Kilometer Wanderwege führen durch das Gelände, eine abwechslungsreiche Landschaft. Sanfte Hügel, Wiesen, Wald, die Heide, mal saftig grün, mal trocken und karg. Die Döberitzer Heide ist Naturschutzgebiet. Es empfiehlt sich gleich doppelt auf den Wegen zu bleiben, der Natur zuliebe und weil hier und da noch Munition im Boden liegt. Besagte Wege sind sehr trocken, oft breitet sich vor dem Wanderer eine breite Spur Zuckersand aus. Feinster Sand, wie am Strand, Handtuch raus und wer sich nahe der Bundesstraße hier in den Sand legt, könnte aus dem Motorensummen, unter Zugabe einer Portion Fantasie, Wellenrauschen werden lassen. Wer kein Handtuch dabei hat, den zieht es weiter. Aber Achtung, größere Wanderungen sollten vorbereitet sein. Kein Lokal weit und breit, dafür schöne Picknick-Plätze. Wer jetzt ein Tischdeckchen, kühlen Tee und was es sonst noch zur Stärkung braucht dabeihat, bekommt zur Brotzeit einen herrlichen Ausblick geboten.

Foto: Silvia Passow

Einmal um die Kernzone herum

Die Wanderwege sind alle schön und empfehlenswert. Der sicherlich schönste aber auch recht anstrengende Weg, ist der 22 Kilometer lange Rundweg. Einmal um die Kernzone herum, wird der Wanderer nicht nur mit schönen Ausblicken versorgt. Die Chance, am Rand der Kernzone auf Wisent oder Przewalski-Pferd zu treffen, ist so am Höchsten. Karten stehen an jedem Eingang, die Wege sind gut ausgeschildert.

Foto: Silvia Passow

Wir starten vom Eingang Dallgow-Döberitz und folgen dem Weg. Schon bald umspielt uns ein Trauermantel. Er zählt zu den größten der heimischen Schmetterlinge und ist mit seinen dunklen Flügeln, umgeben von einem hellen Rand, gut erkennbar. Obacht an Waldrändern die an der Heidelandschaft angrenzen. Hier stehen die Chancen gut, diesen sehr schönen Schmetterling zu begegnen. Schmetterlinge in vielen Farben sind die typischen Wegbeleiter in der Döberitzer Heide.

Wow und große Ameisenhaufen
Foto: Silvia Passow

Das Mähen und Blöken hört man bereits von weitem. Die ersten Schafe und Ziegen brachte Schäfer Johann Nesges aus Liedekahle bereits Anfang April in die Heide. Gegen Ende des Monats brachte der Schäfer Verstärkung für diese Vorhut. 900 Schafe und 150 Ziegen, darunter viele Jungtiere, übernehmen in der Heide den Job der Landschaftspflege. So ein Schaf ist die perfekte biologische Mäh-Maschine. Es frisst das Gras ab, verteilt mit den Hufen die Samen und Pollen, lockert den Boden und was hinten aus dem Schaf plumpst, ist Dünger. In der Heide sind Schwarzköpfige Fleischschafe, Heidschnucken und Bentheimer Landschaft am Werk. Dazu schwarze, weiße und braune Edelziegen. Pro Saison halten die Schafe und Ziegen so etwa 300 Hektar Grasland kurz. In der Döberitzer Heide, mit ihren halboffenen Landschaften, leben Tiere, die man in den heutigen Agrarlandschaften kaum noch vorfindet. Wiedehopf und Wendehals, Steinschmätzer und Heidelerche sind hier zu Hause.

Foto: Silvia Passow

Gedenken an ein ehemaliges Dorf

Das Dorf Ferbitz geht wahrscheinlich auf eine frühgeschichtliche Siedlung zurück. Ende des 16. Jahrhundert findet es Erwähnung. 1936/37 wurden die Dorfbesitzer enteignet, das Dorf eingeebnet und Teil des Truppenübungsplatzes. Heute erinnert eine Gedenktafel an einem sehr schönen Picknickplatz an das einstige Dorf.

Foto: Silvia Passow

So riesig, so kräftig, so friedlich

Da steht der Wisent, direkt am Zaun, Europas größtes Landsäugetier könnte beinahe übersehen werden. Das Tier wirkt jung und ist mit dem Abzupfen der Äste viel zu sehr beschäftigt, als dass es groß von uns Notiz nehmen würde. Weiter hinten im Wald steht die Verwandtschaft. Acht wedelnde Schwänze zählen wir. Die hier ausgewilderten Wisente sind ebenfalls Landschaftspfleger und sie vermehren sich, so die Sielmann-Stiftung, prächtig.

Foto: Silvia Passow

Gar nicht so weit von hier steht der Aussichtsturm. Der gewährt einen grandiosen Blick bis weit nach Berlin und über die Nauener Platte mit ihren vielen Windrädern.

Der Aussichtsturm
Foto: Silvia Passow

Die Füße werden langsam schwer, täuschen bereits die Sinne? Nein, tatsächlich, bereits auf der Zielgeraden bekommen wir noch eine Gruppe Przewalski-Pferde zu Gesicht. Sie stehen im Licht der tiefstehenden Sonne und grasen.

Foto: Silvia Passow

Nicht weit entfernt steht der Obelisk, bald ist es geschafft, die 22 Kilometer liegen dann hinter uns. Das Laufen durch den lockeren Sand ermüdet, doch der Anblick entschädigt. Die Sonne lässt die Blüten des Ginsters wie Tropfen aus Gold aufblitzen. Schöner kann ein ehemaliger Truppenübungsplatz nicht glänzen.

Zum Tag des Wolfes

Pressemitteilung des NABU vom 29. April 2020

Präventionsmaßnahmen dauerhaft und qualifiziert umsetzen

Bundes-Richtlinie mit Spannung erwartet – wird auch der Unterhalt gefördert?

Potsdam. Mit 53 bestätigten Territorien zum Jahresende 2019 nimmt die Zahl der Wölfe in Brandenburg weiter zu. Erfreulicher Weise greifen die Präventionsmaßnahmen und die Übergriffe auf Nutztiere steigen nicht in gleichem Umfang. Das darf aber kein Grund sein, sich entspannt zurückzulehnen, denn ein Miteinander von Nutztierhaltung und Wolfsansiedlungen ist nur durch dauerhaften Erhalt von praktikablen Schutzmaßnahmen möglich.

Foto: Pixabay

„Nutztierhalter brauchen nicht nur Geld und Wissen für den Schutz ihrer Tiere, sondern auch die Sicherheit, dass es kein Wettrüsten gibt. Dafür hat sich der NABU Brandenburg intensiv und konstruktiv bei der Weiterentwicklung des Wolfsmanagementplanes eingesetzt, der im vergangenen September verabschiedet wurde“, so Christiane Schröder, Geschäftsführerin des NABU Brandenburg.  Was dieser wert ist, wird sich in den kommenden Jahren an der Umsetzung der dort verankerten 29 Thesen zeigen, denn jede Präventionsmaßnahme ist nur so gut, wie ihre dauerhafte qualifizierte Umsetzung. Erfreulich sei, so die Biologin, dass in der Präventionsrichtlinie, die Bestandteil des Managementplans ist, die Beschränkung entfällt, dass pro Betrieb maximal 15.000 Euro innerhalb von drei Jahren gefördert werden können.

Der heute vom NABU Deutschland herausgegebene Ländervergleich der Herdenschutzmaßnahmen stuft Brandenburg, neben Sachen und Thüringen, als vorbildlich ein. Andere Bundesländer, in die der Wolf erst später einwanderte, müssen da noch nachziehen. Aber überall wird mit Spannung erwartet, ob in einer von der Bundesregierung geplanten Richtlinie nicht nur die Anschaffung, sondern auch der Unterhalt von Präventionsmaßnahmen förderfähig ist.

Foto: Silvia Passow

„Ohne dauerhafte Prävention ist keine Weidetierhaltung im Lebensraum des Wolfes möglich. Der Abschuss kann nur das letzte Mittel sein, wenn Wölfe Schutzmaßnahmen überwinden. Das bedeutet aber einen zusätzlichen personellen und finanziellen Aufwand, der mit der Anschaffung von Herdenschutzzäunen und -hunden keineswegs endet. Daher müssen schnellstmöglich Fördermöglichkeiten für den Mehraufwand gefunden und die Arbeit insbesondere von Schäfern angemessen entlohnt werden. Denn für den Erhalt artenreicher Wiesen, die ein Baustein gegen das Insektensterben sind, brauchen wir extensive Nutztierhaltung“, so Schröder. 

Unterwegs mit der Blauen Holzbiene Zwei alte Bekannte, Falkenhagener und Neuer See

Die beiden Seen am nordöstlichen Stadtrand dürften wohl die bekanntesten Ausflugsziele in Falkensee sein. Der in der letzten Eiszeit entstandene Falkenhagener See ist das größte Gewässer in Falkensee, der kleine „neue“ Bruder daneben künstliches Ergebnis des Bahntrassen-Baus von 1934. Aus der Sandgrube wurde ein See, der mit dem größeren Gewässer verbunden ist. Eines haben beide Seen gemeinsam, keinen natürlichen Zulauf. Der immer wieder abnehmende Wasserstand wird immer wieder mit Wasser aus dem Havelkanal aufgefüllt. Ein schmaler Damm trennt die beiden Seen und ermöglicht ein „zwischen den Seen laufen“.

Der Falkenhagener See kann auch anders
Foto: Silvia Passow

Der neue See kann bequem umlaufen werden. Was am Wochenende nur bedingt reizvoll ist. Weil ziemlich voll und überlaufen. Ein Restaurant liegt direkt am Falkenhagener See, eine Eisdiele am neuen See. Schwimmen ist hier übrigens nicht wirklich erlaubt. Der kleine Sandstrand am Neuen See ist jedoch recht verlockend und im Sommer finden hier auch die sogenannten „Papp-Boot-Rennen“ mit selbstgebastelten Nussschalen statt. So eine Art Seifenkistenrennen, nur zu Wasser. Auch diese Seite des Falkenhagener Sees ist, zumindest an den Wochenenden ziemlich gut besucht. Was verständlich ist, Liegewiese, Spielplatz, Wasser und zwei Eisdielen, das ist schon perfekt für den Familienausflug.

Bei den Papp-Boot-Rennen gehen die Teilnehmer regelmäßig baden
Foto: Silvia Passow

Der Falkenhagener See ist aber auch Teil des Landschaftsschutzgebiet Nauen-Brieselang-Krämer. Im Breiten Schilfgürtel finden allerhand Vögel Unterkunft. Es gibt Seerosen, Ringelnattern, Graureiher und Eisvogel zu sehen, zumindest mit etwas Glück und wenn man sich dem See von der anderen Seite, dem sogenannten Musiker-Viertel, nähert. Ein kleiner, aber feiner Weg führt hier am Ufer entlang und hier und da gibt es kleine Flecken direkt am Wasser, die zum Verweilen einladen. Hier ist es dann auch sehr viel ruhiger. Wer mit dem Fahrrad da ist, kann von hier aus in den Spandauer Forst weiterfahren.

Seeblick mit Fliederduft am Falkenhagener See
Foto: Silvia Passow

Unterwegs mit der Holzbiene Heute stellen wir den Flugplatz Bienenfarm vor. Dort gibt es nämlich eine neues Picknick-Angebot

Fly Inn und Fahrrad-Drive Inn am Flugplatz Bienenfarm

Die Veranstaltungen fallen in diesem Jahr, dafür haben Picknicker im Havelland eine neue Top-Adresse

Einen der schönsten Sonnenuntergänge im Havelland kann man auf dem Flugplatz Bienenfarm im Havelland erleben. Wenn der knallgelbe Doppeldecker im Licht der untergehenden Sonne golden leuchtet, bei der Landung etwas trockenen, brandenburgischen Sand aufwirbelt und dann in der Ferne auf der Wiese ausrollt. Nur die Bäume am nahen Waldrand sind Zeuge und der Gast im Biergarten, wenn es dann wieder geöffnet ist. Dann erwartet den Gast nicht nur das märchenhafte Panorama, gepaart aus Landidyll und Fliegerromantik, sondern auch eine nagelneue Stätte der Brandenburger Gastlichkeit. Denn der Biergarten am Flugplatz Bienenfarm wurde gerade neu hergerichtet.

Alles neu, Blick auf Biergarten und Restaurant
Foto: Alexander Stendel

Hämmern statt Feiern

„Wir haben für 2020 alle Veranstaltungen abgesagt“, sagt Alexander Stendel vom Verein Quax. Der Verein, der sich der Oldtimer-Fliegerei verschrieben hat, ist seit 2017 auf der Bienenfarm ansässig. Stendel hat viel vor mit dem ehemaligen Agrarflugplatz. Er möchte hier den schönsten und bedeutendsten Flugplatz für historische Flugzeuge aufbauen. „Hier sind vor allem Flugzeuge aus den 1930- 1950er Jahren, am Boden und in der Luft, zu bewundern“, sagt Stendel. Letzteres ist ihm sehr wichtig, denn Flugzeuge gehören für ihn in die Luft. „Wir planen die Bienenfarm als ein fliegendes Museum“, sagt er. Und tatsächlich ist mitfliegen gar nicht so schwer. Zumindest war es das, vor Corona-Zeiten. Denn man traf im zum Flugplatz gehörigen Restaurant auch immer den einen oder anderen Piloten, denn man ansprechen und einen Flug vereinbaren konnte. Ein Flugerlebnis im Doppeldecker konnte man auch auf eine der vielen Veranstaltungen, die der Verein am Standort Bienenfarm etabliert hat, buchen. Zu den Motto-Treffen der Oldtimer kamen nicht nur Flugzeuge. Auch automobile Veteranen, Motorräder und sogar historische Fahrräder folgten der Einladung zur Bienenfarm. Und nicht zu vergessen die vielen Schaulustigen, die sich hier auf die bereit gestellten Strohballen legten und begeistert die Flugkünste der Piloten hoch oben am Havelländer Himmel, bestaunten. 2021 finden die Veranstaltungen wieder statt, verspricht Stendel. Und bis dahin wird die Zeit für andere Projekte genutzt.

Alte Schönheit
Foto: Silvia Passow

Zum Beispiel für den Aufbau einer neuen Flugzeughalle. Ab Mai soll die Holzstrukturhalle aufgebaut werden und im September fertig sein. Die Halle soll als Ausstellungsfläche für rund zwanzig historische Flugzeuge dienen. „Was über die nächsten Jahre an Baumaßnahmen geplant war, ziehen wir nun einfach vor“, sagt Stendel.

Foto: Silvia Passow

Anflugpunkt für Picknicker

Derweil hat man sich im Restaurant am Flugplatz auf die neue Situation eingestellt und bietet nun den Ausflüglern und alle die sonst noch vorbeischauen möchten, eine kleine Auswahl an kalten und warmen Speisen „auf die Hand“ an. Das Angebot zum Mitnehmen wird am Freitag, 1. Mai eröffnet und dann immer von Freitag bis Sonntag von 11-21 Uhr den Gästen zur Verfügung stehen.

Foto: Alexander Stendel

Der Flugplatz Bienenfarm liegt am Havelland-Radweg. Sehr schön ist die Radtour von Paulinenaue via Bienenfarm nach Ribbeck und von hier aus weiter Richtung Nauen, wo der erschöpfte Radler auch wieder, wie auch in Paulinenaue, einen Bahnanschluss findet. Eine genaue Wegbeschreibung und eine Radwanderkarte bietet der Tourismusverband Havelland unter: www.havelland-tourismus.de>radfahren>havelland-radweg.  Wer lieber zu Fuß unterwegs ist, rund um Paulinenaue bieten herrliche Wälder wunderbare Wandererlebnisse.

Das große Futtern

Sie futtern und tun dabei etwas für die Artenvielfalt, die Ziegen und Schafe in der Döberitzer Heide

Wustermark/OT Elstal.   Letzten Dienstag brachte Schäfer Johann Nesges rund 900 Schafe und 150 Ziegen zur Landschaftspflege in Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide. Die knappe Hälfte davon sind Lämmer, die in den Monaten Februar und März zur Welt gekommen sind. Demnächst bringt der Schäfer aus Liedekahle im Kreis Teltow-Fläming weitere 800-1000 Schafe und Ziegen. Ab Mitte Mai fressen dann zwei große Herden mit insgesamt etwa 4000 Schafen und Ziegen auf der Fläche am westlichen Rand von Berlin für den Naturschutz und die Artenvielfalt.

Ziegen in der Döberitzer Heide
Foto: Silvia Passow

Bereits am 1. April hatte Schäfer Johann Nesges eine kleine Gruppe Ziegen und Schafe in die Döberitzer Heide gefahren. Dort sollen die Bio-Mäher zur Landschaftspflege auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz beitragen. Nun gab es Verstärkung für den Arbeitstrupp. Für die Anfahrt stehen die Tiere in mehreren Ebenen in einem Transporter. Mit einem Fahrstuhl gelingen Be- und Entladung, frei von Gedrängel.

Ziegen in der Döberitzer Heide
Foto: Silvia Passow

300 Hektar bis zum Spätherbst

Die Tiere bleiben je nach Futterlage voraussichtlich bis zum Spätherbst. Insgesamt halten die beiden Herden mit je rund 1000 Tieren pro Saison 300 Hektar kurz. Die beiden Herden in der Döberitzer Heide werden von je zwei Schäfern betreut. Die erfahrenen Männer sorgen dafür, dass es den Tieren gut geht. Sie kontrollieren täglich, ob die Schafe und Ziegen gesund sind und sorgen dafür, dass sie immer genug Futter und Wasser haben. Insbesondere die Mutterschafe und Lämmer brauchen viel Aufmerksamkeit.

Tagsüber ziehen sie mit ihnen zu den Weideflächen, abends zäunen sie sie mit einem mobilen Schafzaun ein. Der Zaun steht unter Strom, damit sich kein Tier über Nacht davon macht oder andere Tiere in den Schafpferch eindringen können. In der Döberitzer Heide arbeiten die Schäfer mit Hütehunden, aber ohne die großen Herdenschutzhunde, damit es keine Konflikte mit Wanderern und deren Hunden gibt. Begegnungen mit einem Wolf hat es in der Döberitzer Heide bisher nicht gegeben.

Kuschelnde Ziegen in der Döberitzer Heide
Foto: Silvia Passow

Ideale Landschaftspfleger

Mit ihren Futtervorlieben und ihrer Genügsamkeit sind Schafe und Ziegen ideale Landschaftspfleger für die Trockenrasen und Magerwiesen in der Döberitzer Heide. Der Schäfer hat in seiner Herde Schwarzköpfige Fleischschafe, Heidschnucken und Bentheimer Landschafe sowie schwarze, weiße und braune Edelziegen.

Schäfchen in der Döberitzer Heide
Foto: Silvia Passow

Topfschnitt für Bäume

Die Schafe bevorzugen magere Gräser, die Ziegen knabbern am liebsten an Blättern, kleinen Ästen und dünnen Stämmen. Was man bei sich im Garten nicht so gern hätte, ist in dem weitläufigen Naturschutzgebiet gerade erwünscht. Der Aufwuchs von Bäumen und Sträuchern soll an vielen Stellen verhindert werden, damit die Offenlandschaft für die wärmeliebenden Arten erhalten bleibt. Dort, wo Ziegen gefressen haben, sehen die Bäume wie frisiert aus. Die Äste enden wie beim Topfschnitt alle etwa auf der gleichen Höhe – soweit die Ziegen eben kommen. Um die köstlichen frischen grünen Triebe zu erreichen, stellen die Ziegen sich gern auch mal auf die Hinterbeine. 

Ziegen und Schafe in der Döberitzer Heide
Foto: Silvia Passow

Wertvolle Mäh-Arbeit

Viele seltene Insekten und Vögel bevorzugen die offene und halboffene Landschaft der Döberitzer Heide mit ihren lichten Eichenwäldern und offenen sandigen oder feuchten Flächen. Im Sandboden finden seltene Wildbienen Brutplätze, große und kleine Falter finden passende Nahrung an den Waldrändern. Vögel wie Wiedehopf und Wendehals, Steinschmätzer und Heidelerche, die man in der Agrarlandschaft sonst kaum mehr findet, leben auf der 3650 Hektar großen Fläche in zunehmender Zahl. In den feuchten Bereichen fühlen sich Kranich, Fischotter und die bundesweit stark gefährdete Rotbauchunke wohl. Deshalb genießt Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide als Flora-Fauna-Habitat (FFH) den höchsten europäischen Schutz und ist zu großen Teilen als Vogelschutzgebiet ausgewiesen.

Alle Vögel sind schon da

Zum Nachzählen, ob das stimmt, lädt der NABU bei seiner großen Vogel-Zähl-Aktion „Die Stunde der Gartenvögel“

Brandenburg.  Von Freitag dem 8. Mai bis Sonntag, dem 10 Mai ruft der NABU wieder zur „Stunde der Gartenvögel“ auf. Zum 16 Mal heißt es, eine Stunde Vögel zählen und die Ergebnisse notieren. In diesem Jahr schauen die Ornithologen voller Spannung und Sorge den so gewonnen Daten entgegen. Die Vogelexperten fürchten um dramatische Einbrüche bei den Blaumeisen-Beständen.

Die Blaumeisen werden gerade von einem Bakterium heimgesucht.
Foto: Pixabay

Je mehr Menschen sich beteiligen, desto aussagekräftiger sind die Ergebnisse, lässt der NABU wissen. Im letzten Jahr wurden in 2353 Gärten in Brandenburg 83 970 Vögel gezählt. 3781 Brandenburger hatten teilgenommen. Insgesamt erhöhten sich die Teilnehmerzahlen in den vergangenen Jahren. Der NABU hofft, dass durch die Situation der letzten Wochen noch mehr Menschen an der Aktion teilnehmen. Denn gerade während der Ausgangsbeschränkungen der letzten Wochen haben viele Menschen den Wert der Natur neu erkannt, heißt es in einer Pressemeldung des NABU.  

Eine Stunde für Wissenschaft & Naturschutz bei der Stunde der Gartenvögel
Foto: Pixabay

Mit Sorge blickt der NABU nun den Zahlen zu den Blaumeisen entgegen. Seit einigen Wochen führt ein Lungenentzündungen auslösendes Bakterium, zu einem Massensterben bei den kleineren Meisenarten, zu denen auch die Blaumeise gehört.

Der Haussperling war der meistgemeldete Vogel Brandenburgs im letzten Jahr

Informationen zum Mitmachen und zum Erkennen der Gartenvögel bietet der NABU unter: www.nabu.de

Vogel, Beobachten, Ferngläser, Berg

Stopp für Tiertransporte in und durch die russische Föderation

Pressemitteilung vom 23.April des Ministeriums für Verbraucherschutz des Landes Brandenburg

Da auf dem Gebiet der Russischen Föderation entlang der Transportwege derzeit keine Versorgungsstellen für Tiere im Betrieb sind – nach Auskunft des russischen Dienstes für veterinärrechtliche Überwachung, dürfen von Brandenburg aus keine Tiertransporte starten, die Russland als Ziel- oder Transitland haben. Darüber hat das Verbraucherschutzministerium die kommunalen Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsämter informiert.

Verbraucherstaatssekretärin Anna Heyer-Stuffer sagte heute in Potsdam: „Tiertransporte können für die Tiere mit Leiden verbunden sein. Besonders die langen Strecken in Drittländer außerhalb der EU bedeuten für Tiere große Strapazen. Deshalb muss immer sichergestellt werden, dass Tiere auf dem Weg regelmäßig entladen werden können, so dass sie getränkt und gefüttert werden und sich ausreichend erholen können. Eine tierschutzgerechte Versorgung der Tiere muss bis zum Zielort gewährleistet werden, auch wenn dieser nicht in der EU liegt. So müssen Transportunternehmer und Organisatoren der Transporte bei jeder Anmeldung eines Tiertransports zwingend Ruheorte und Versorgungsstellen im Drittland nachvollziehbar und sicher belegen. Das ist für die Russische Föderation bis auf weiteres nicht möglich.“

Der Europäische Gerichtshof hat bereits im April 2015 deutlich gemacht: Tierschutz endet nicht an der EU-Grenze. Ohne entsprechende Versorgungsstellen ist eine tierschutzgerechte Abfertigung von Tiertransporten rechtlich ausgeschlossen. „Weil aus Brandenburg viele Transporte über Russland abgefertigt werden, hat sich das Verbraucherschutzministerium bereits im letzten Jahr gegenüber dem Bund dafür eingesetzt, genaue Informationen über die Existenz und den Zustand der Versorgungsstationen in Russland zu erhalten“, so Heyer-Stuffer.

Das Verbraucherschutzministerium hat zudem Mitte März einen Erlass zur „Plausibilitätsprüfung im Zusammenhang mit der Abfertigung von langen, grenzüberschreitenden Beförderungen“ an die Landkreise und kreisfreien Städte versendet und mit einem Rundschreiben über Grenzüberschreitende Transporte lebender Tiere während der Corona-Pandemie informiert.

Staatssekretärin Heyer-Stuffer: „Wir haben die Prüfung von Tiertransporten durch die Veterinärämter verschärft. Anmeldungen zu Transporten auf Routen, bei denen Zweifel bestehen, ob die gemachten Angaben etwa zu Versorgungsstellen von den Transporteuren einzuhalten sind, sind nicht abzufertigen. Wenn Fakten und Daten, die für die Zertifizierung und Rückverfolgung erforderlich sind, nicht plausibel erscheinen, dann gibt es keine Erlaubnis. Außerdem sollen angesichts der Corona-Pandemie Transporte insbesondere von lebenden Tieren auf das unbedingt notwendige Maß beschränkt werden.“

Darüber hinaus enthält das „Handbuch Tiertransporte“, eine bundesweite abgestimmte Handlungsgrundlage der kommunalen Veterinärämter, bereits detaillierte Hinweise zur Abfertigung von langen Beförderungen von Tieren. Jeder lange Transport von Tieren wird, bevor er eine Genehmigung erhält, durch einen amtlichen Tierarzt bzw. eine amtliche Tierärztin umfangreich und sorgfältig geprüft. Nur wenn die Einhaltung aller Rechtsvorgaben nachvollziehbar dargelegt wird, darf der Transport abgefertigt werden.

Der Erlass, der das Handbuch ergänzt, enthält beispielsweise Punkte zur Plausibilitätsprüfung der Transportplanung und zur Berichterstattung, die die Veterinärämter bei der Abfertigung von Tiertransporten beachten müssen. Unter anderem gilt:

  • Nur soweit anhand der vorgelegten Belege am angegebenen Ort die notwendige Infrastruktur besteht, um Tiere abzuladen und bedarfsgerecht versorgen zu können, ist davon auszugehen, dass das Fahrtenbuch wirklichkeitsnahe Angaben enthält und auf die Einhaltung der Rechtsvorgaben schließen lässt.
  • Es muss zudem nachgewiesen werden, dass für den geplanten Zeitraum ausreichende Kapazitäten zur Verfügung stehen (tierart- und tierkategoriebezogene Kapazitäten hinsichtlich Unterbringung, Fütterung, Tränken, Melken, etc.).
  • Für im Transportplan angegebene Ruheorte müssen die genauen Adressen und Bescheinigungen der örtlichen Behörden vorgelegt werden, dass dort Abladen und eine angemessene Versorgung der transportierten Tiere zulässig und möglich ist. Diese Anforderungen sind durch amtliche Zertifikate oder amtliche Dokumente nachzuweisen.
  • Die mit Hilfe des Fahrtenbuchs und des Navigationssystems bei langen Beförderungen erstellten Aufzeichnungen sind von der abfertigenden Behörde im Nachgang stets mit den Angaben im Transportplan abzugleichen.