Deutscher Tierschutzbund zeichnet engagierte Tierschützer aus

Pressemitteilung des Deutschen Tierschutzbundes vom 19.Oktober 2020

16. Verleihung des Deutschen Tierschutzpreises

Der Deutsche Tierschutzbund hat heute gemeinsam mit den Futtermarken Whiskas und Pedigree sowie den Zeitschriften FUNK UHR und Super TV Menschen und Projekte mit dem Deutschen Tierschutzpreis geehrt. Den 1. Platz belegte das Projekt „Düsseldorfer Streetdogs“ des Vereins Tierhilfe Streuner & Co. e.V. Auf den Plätzen 2 und 3 folgen Jaqueline Gräfe vom Verein Eichhörnchen Notruf e.V. aus Dresden und die Greifvogelauffangstation Fürth. Tierschützerin Andrea Rücker aus Altenburg (Thüringen) wurde für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. In der diesjährigen Sonderkategorie „Tiere mit Handicap“ ging der Preis an die Stiftung De Hun’nehoff aus Schneverdingen (Niedersachsen), die IG Blinde Pferde e.V. aus Bad Berleburg (NRW) und den Verein Hürdenwellies e.V.  mit Sitz in Gelsenkirchen. Merwel Otto-Link erhielt für ihre Igelpflege Rotenburg / Wümme (Niedersachsen) den Leserpreis der Zeitschriften FUNK UHR und Super TV. Bedingt durch die aktuelle Lage erfolgte die Ehrung der Preisträger in diesem Jahr auf digitalem Wege.

„Die Preisträgerinnen und Preisträger leisten herausragende, vorbildliche Tierschutzarbeit. Es macht jedes Jahr aufs Neue Mut und Hoffnung, zu sehen, wie sich Menschen voller Herzblut und mit Verstand für die Tiere einsetzen“, sagt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. „Wir hoffen, dass andere sich davon inspiriert fühlen – auch als Einzelner oder mit einem kleinen Team kann man so viel Gutes für unzählige Mitgeschöpfe bewirken.“

Hilfe für Hunde Obdachloser und Wildtiere auf den Plätzen 1 bis 3

Über ein Preisgeld von 3.000 Euro für den 1. Platz konnten sich Angela Schmidt und ihr Team des Vereins Tierhilfe Streuner & Co. e.V. freuen. Mit ihrem Projekt „Düsseldorfer Streetdogs“ unterstützen sie Obdachlose und ihre Hunde durch Futter- und Sachspenden. „Tiere brauchen Menschen, aber Menschen eben auch Tiere. Das gilt insbesondere für die Bedürftigen dieser Gesellschaft. Für sie ist das Tier oft die letzte Brücke hinein in die Gesellschaft – die letzte soziale Verbindung“, sagte Schröder in seiner Video-Botschaft, in der er das vorbildliche und wichtige Engagement der Tierschützer lobte. Seit vier Jahren besucht das Streetdogs-Team die Wohnungslosen an ihren Schlafplätzen und verteilt je nach Bedarf das Futter.

Den zweiten Platz, dotiert mit 2.000 Euro, erhielt Jaqueline Gräfe aus Dresden für ihren Einsatz im Verein Eichhörnchen Notruf e.V.. Mit einem deutschlandweiten Servicetelefon und dem bundesweiten Netzwerk von Ansprechpartnern und Auffangstationen kann der Verein überall dort Hilfe leisten, wo ein Eichhörnchen in Not ist. Gräfe und ihre Mitstreiter setzen sich außerdem aktiv gegen die Zucht und Haltung von Eichhörnchen ein, schützen die Wildtiere in ihrem natürlichen Lebensraum und leisten wichtige Aufklärungsarbeit in den Medien, an Infoständen, in Kindergärten und Schulen. Gräfes Engagement trage ein „großes Stück für die gesamte Arbeit zum Schutz der Eichhörnchen“ bei, betonte Schröder.

Den mit 1.000 Euro dotierten dritten Platz belegte die Greifvogelauffangstation Fürth von Hans Kurt Hussong und Tierarzt Dr. Rainer Hussong in Fürth. Vater und Sohn nahmen in den vergangenen 20 Jahren mit steigender Tendenz über 700 Greifvögel und Eulen auf und wilderten diese nach erfolgreicher Behandlung wieder aus. „Das ist gelebter praktischer Tierschutz“, betonte Schröder in seinem digitalen Gruß. Durch Vorträge und Führungen macht die Station außerdem auf die Probleme, die Greifvögel heute in der Natur haben, aufmerksam und leistet so wichtige Aufklärungsarbeit.

Andrea Rücker für tierschützerisches Lebenswerk ausgezeichnet

Den Tierschutzpreis für das Lebenswerk, ebenfalls dotiert mit 1.000 Euro, erhielt Andrea Rücker aus Altenburg in Thüringen für ihren über 30-jährigen Einsatz im Tierschutz. Rücker machte sich direkt nach der Wende als Aktivistin der ersten Stunde im Tierschutz verdient und legte als Gründerin des Tierschutzvereins Altenburg und des ersten dazugehörigen Tierheims den Grundstein für die organisierte Tierschutzarbeit im Bereich Altenburg. Dank ihres 2010 gegründeten Vereins „Hoffnung für Wildenten, Schwäne und Co.“, dem sie noch immer vorsitzt, konnte außerdem vor allem den Wasservögeln im und um den Altenburger Teich geholfen werden. „Dank Andrea Rücker können die Tiere dort artgerecht gefüttert werden, sich über einen sauberen See, eine aufgeklärte Bevölkerung und eine immer wachsame Beschützerin freuen“, so Laudatorin Stefanie Hertel. Die Sängerin und Tierschutzbotschafterin des Tierschutzbundes konnte sich von Rückers Engagement bereits während mehrerer TV-Shows in Altenburg selbst überzeugen. „Der Altenburger Tierschutz wäre ohne sie nicht derselbe.“

Sonderkategorie „Tiere mit Handicap“

In der diesjährigen Sonderkategorie ehrte die Jury drei Vereine, die sich Tieren mit Handicaps widmen: Die IG Blinde Pferde e.V. gibt Pferden eine zweite Chance, die durch eine Augenerkrankung teilweise oder ganz erblindet sind. Die Stiftung De Hun’nenhoff schenkt gelähmten Hunden ein neues Zuhause und der Verein Hürdenwellies e.V. kümmert sich in seinen Pflegestellen um erkrankte und behinderte Wellensittiche mit besonderen Bedürfnissen. Schröder bedankte sich für das besondere Engagement: „Sie sorgen sich um Tiere, die sonst möglicherweise keine Chancen auf ein gutes Leben hätten.“ Jeder der Vereine erhält 250 Euro aus dem Feuerwehrfonds des Deutschen Tierschutzbundes. Die Wellensittiche als auch die Hunde dürfen sich zudem über eine Futterspende, organisiert von den Marken Whiskas / Pedigree, freuen.

Leserpreis würdigt Igelrettung

Die Programmzeitschriften FUNK UHR und Super TV haben zum zweiten Mal auch ihre Leserschaft über einen Gewinner abstimmen lassen, der ebenfalls 1.000 Euro erhielt. Der Großteil der Leser wählte aus fünf Projekten Merwel Otto-Link und ihren Verein Igelpflege Rotenburg / Wümme e.V.. Ihr Verein konzentriert sich auf die Pflege verletzter Igel und leistet zusätzlich wichtige Aufklärungsarbeit. Denn gefährlich werden den kleinen Tieren vor allem Mähroboter, die insbesondere nachts unbedacht zum Einsatz kommen. Die Laudatorinnen der Mediengruppe Klambt, Britta Wolff und Stefanie Heidrich, lobten und gratulierten ebenfalls mit einem Videogruß. Das Projekt habe sofort ihr Herz berührt.

Hier hört man nicht nur die Nachtigall trapsen

Zu Besuch in der Vogelschutzwarte Buckow

Nennhausen/Buckow.  Etwas außerhalb der Ortschaft Buckow stehen die Gebäude der staatlichen Vogelschutzwarte, ein Besucherparkplatz, gesäumt von Apfelbäumen, deren Früchte rot in der Sonne leuchten. An der Hauswand begrüßt das übergroße Bildnis eines Kiebitzes. Der Agrarvogel steht für eine ganze Gruppe von Vögeln, deren Bestände sich im Rückgang befinden, sagt Dr. Torsten Langgemach, Leiter der Einrichtung. Das Motiv hat er sich für die sonst etwas kahl wirkende Hauswand ausgedacht.

Die Vogelschutzwarte Nennhausen Foto: Silvia Passow

Torsten Langgemach ist Tierarzt, hat Umweltschutz studiert und wenn man den 58jähriogen fragt, was genau denn nun in einer Vogelschutzwarte täglich passiert, sagt er einfach nur „Oh, vieles.“ Und ein Blick auf den Internetauftritt bestätigt die Aussage, die Aufgaben sind vielfältig. Gemeinsam mit seinen Mitarbeitern sammelt er Daten, „eine wertfreie Sammlung“, sagt er. „Wir stellen Zahlen zur Verfügung, koordinieren das Vogel-Monitoring“, erklärt er weiter. Die Grundlagen für die gerade erst neu überarbeitete „Rote Liste“, die Auskunft über den Gefährdungsstatus einzelner Brandenburger Vogelarten gibt, wurden hier erarbeitet. Dabei ist der Standort im Westhavelland perfekt, der Gülper See, Teil des größten zusammenhängenden Binnenfeuchtgebietes in Mitteleuropa, zieht unzählige Vögel an, ist bekannter Rastplatz und beliebtes Brutgebiet und liegt nicht weit entfernt.  Im Sommer sind die Störche da, im Herbst kommen die Kraniche, verschiedene Gänsearten besuchen die Landschaft. Und dann sind da die Großtrappen, geschützt und ein Extra-Beitrag wert. Über den Äckern kreisen die Greifvögel, für Ornithologen, also Vogelkundler, hat das westliche Havelland einiges zu bieten.

Die Kraniche kommen Foto: Silvia Passow

Das schafft aber auch Konflikte zwischen den unterschiedlichen Akteuren und Landnutzern. So freuen sich Gänse über die jungen Triebe auf den Feldern, willkommene Futterquelle für die Vögel. Auch hier sind Langgemach und sein Team gefragt, Naturschützer und Landwirte an einen Tisch bringen, Lösungen finden, mit denen alle gut leben können, gehört ebenfalls zu seinen Aufgaben, sagt er. Und fügt hinzu, dass dies sehr viel leichter ginge, wenn er mehr Personal hätte. Um einen regelmäßigen Kontakt zu den Landwirten, Förstern und Fischern zu halten, braucht es eine entsprechenden Personaldecke, sagt er. Aber an Mitarbeitern fehlt es, am liebsten wären ihm Leute aus der Umgebung, die um die regionalen Herausforderungen wissen, die sich mit Land- und oder Forstwirtschaft auskennen. Zusammenarbeiten, um Lösungen zu finden, das ist die Mission, forschen, Daten und Erkenntnisse sammeln und daraus Maßnahmen ableiten. Und das geht, wenn alle es wollen.

Windkraftanlagen sind für Fledermäuse und bestimmte Vogelarten ein tödliches Problem Foto: Pixabay

Zu den großen Todesfallen für Vögel zählten einmal die Strommasten, erzählt Langgemach. Stromunfälle sind inzwischen seltener geworden, die Betreiber müssen die Leitungen isolieren, die sogenannten Mastköpfe vogelsicher machen. Dadurch haben die Todesfälle bei Weißstorch und Seeadler deutlich abgenommen. So 600 tote Seeadler wurden in den letzten dreißig Jahren gesammelt und die Daten ausgewertet.

So sehen wir den Seeadler lieber, gesund und eindrucksvoll, wie hier an der Ostsee. Foto: Pixabay

Und so weiß man in Buckow jetzt so einiges um deren Todesumstände. Stromopfer spielen inzwischen kaum noch eine Rolle, sagt Langgemach. Windkraftanlagen, Straßenverkehr und illegale Tötungen sind die menschengemachten Todesursachen, die den Vögeln zum Verhängnis werden. Allerdings rät Langgemach gleich zur Vorsicht. „Das Aufrechnen der Ursachen macht keinen Sinn“, sagt er. Lösungen finden, wie sich diese tödlichen Unfälle vermeiden lassen dagegen schon. Bei den in diesen Zusammenhang vielgeschmähten Windkraftanlagen sind nicht nur die Rotoren für die Vögel gefährlich. Viele Vögel fliegen schlicht gegen die Masten und das endet allzu oft tödlich. Aber warum fliegen die Vögel da überhaupt gegen? Ist so ein Mast nicht eigentlich groß genug? Hier kann Dr. Langgemach die Erklärungen liefern. Da ist zunächst das Jagdverhalten. Denn tatsächlich ist gerade der Rotmilan ein häufiges Opfer solcher Kollisionen. „Wenn der Rotmilan über den Acker oder die Wiese fliegt schaut er nach unten, denn da unten auf dem Boden befindet sich seine bevorzugte Beute“, erklärt Langgemach. Was so einem Beutegreif selten bis gar nicht im Leben passiert ist der Zusammenstoß mit einem anderen Vogel im Flug. Für gewöhnlich muss er auf die direkte Umgebung nicht achten, anders als wir Menschen schaut er nicht in die Richtung seiner Bewegung. Und so übersieht man dann auch mit sprichwörtlichen Adleraugen solche dicken Masten. Langgemach kennt aber noch einen Grund für die Unfälle. Offenbar können viele Vögel die grauen oder blaugrauen Masten nicht vom Hintergrund eines blaugrauen Himmels unterscheiden. Das gelingt ihnen durchaus, wenn die Masten beispielsweise grün sind, sagt er. Möglicherweise steckt also ein Teil der Lösung im Farbeimer. „Hochgerechnet sterben etwa 300 Rotmilane im Jahr in Brandenburg durch Windkraftanlagen“, sagt Langgemach. Schauen Kraniche besser hin? Sie sind hier zumindest kaum gefährdet.  

Der Rotmilan schaut im Flug eher nach unten als nach vorn. Wohl auch weil Feldmäuse eher selten fliegen. Foto: Pixabay

Auch zum Klimawandel werden in Buckow Daten gesammelt und zur Auswirkung auf die Vogelwelt. Eingewanderte Arten wie Silberreiher und Nilgans werden beobachtet. Auch wenn die Neuzugänge in der Vogelwelt weniger Schaden anrichten, wie es bei eingewanderten Säugetieren der Fall sein kann, Stichwort Waschbär, Mink und Marderhund. Und die Mitarbeiter beschäftigen sich mit Krankheitserregern in der Vogelwelt. „Die Vogelgrippe hatte uns ordentlich beschäftigt“, sagt Langgemach und auch, dass es oft die Menschen und weniger die Wildvögel sind, die an deren Verbreitung teilhaben. Zu den vielen Aufgaben gehört eine allerdings nicht, verletzte Vögel aufnehmen. Man ist hier fachlich qualifiziert und kann erstversorgen. Allerdings geht es für die verletzten oder erkrankten Tiere dann weiter in eine Wildtierpflegestelle.

Vogelbeobachtungen gelingen am besten von den Aussichtstürmen. Foto: Silvia Passow

Beruflich sagt Langgemach kommt er nicht so oft raus, wie er gern möchte. Das holt er dann privat nach, sagt er. Geht dann auf Vogel-Schau, bewundert Flugmanöver und erfreut sich am Artenreichtum seiner Umgebung. Und wenn es der Tag richtig gut mit ihm meint, dann dreht ein Schreiadler über ihm seine Runden. Das ist sein Lieblingsvogel, sagt Langgemach. „Er ist charismatisch und sehr selten. Er steht stellvertretend für die komplexen Lebensräume, die es zu schützen gilt“, sagt er.   

Tierschutzverstöße in Baden-Württemberg

Pressemitteilung des Deutschen Tierschutzbundes vom 16.Oktober 2020

Tierschutzbund fordert Umsetzung des Staatsziels Tierschutz

Der Deutsche Tierschutzbund und sein Landestierschutzverband Baden-Württemberg appellieren an den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann, auf ein Ende der Missstände in der „Nutztierhaltung“ und auf Schlachthöfen hinzuwirken. In einem offenen Brief kritisieren die Tierschützer, dass den deutlichen Tierschutzverstößen im Land nicht mit aller Kraft Einhalt geboten wird.

„Das Staatsziel Tierschutz verpflichtet dazu, jegliche Form der Veränderung zu Gunsten der Tiere sofort politisch umzusetzen, sobald die Gelegenheit besteht. Es darf keinen Erhalt des Status Quo und erst recht keinen politischen Rückschritt im Tierschutz geben. Leider müssen wir beobachten, dass diesem progressiven Anspruch, dem sich ja auch die Regierungspartei Bündnis 90/Die Grünen in Baden-Württemberg ausdrücklich verschreibt, in diesem Land nicht entsprochen wird“, sagt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes.  Stefan Hitzler, Vorsitzender des Landestierschutzverbands Baden-Württemberg ergänzt: „Der Ministerpräsident muss dem Tierschutz in Baden-Württemberg den Stellenwert geben, den das Grundgesetz und die Landesverfassung ihm schon seit langer Zeit zuschreiben und die Missstände in der sogenannten Nutztierhaltung mit sofortiger Wirkung beenden. Herr Kretschmann: Gehen Sie voran, wo andere zögern und bremsen.“

Tierschutzverstößen wird kein Einhalt geboten

Die Tierschützer kritisieren die wiederholten deutlichen Tierschutzverstöße in Baden-Württemberg. Obwohl zum Beispiel bekannt ist, dass nicht abgesetzte Kälber auf Transporten nicht ausreichend versorgt werden können, werden diese Transporte aus Baden-Württemberg nicht unterbunden. Immer wieder werden zudem gravierende Tierschutzverstöße in baden-württembergischen Schlachthöfen aufgedeckt, besonders in kleinen Schlachtstätten. Das Vorgehen von Agrarminister Peter Hauk zu den Vorfällen im Schlachthof Gärtringen erwecke den Eindruck, dass er als zuständiger Minister den Tierschutz nicht konsequent umsetzt, so die Tierschützer. Tierschutzverstöße wurden nicht geahndet und die behördlichen Möglichkeiten, diese Missstände zu unterbinden, nicht ausgeschöpft. Stattdessen wurde die angeordnete Zahlung eines Zwangsgeldes wegen seit 2018 noch nicht behobener Mängel gegen den Schlachthofbetreiber in Gärtringen sogar ausgesetzt. „Wer dies zulässt, muss sich die Frage gefallen lassen, ob er sein Amt verantwortungsvoll ausfüllt“, sagt Schröder.

Massiver Holzeinschlag im FFH-Gebiet „Lindholz“ -NABU Brandenburg stoppt Waldfrevel per Eilverfahren

Pressemitteilung des NABU Brandenburg vom 15. Oktober 2020

Die Eine oder der Andere erinnert sich vielleicht. Über das mystische Waldstück Lindholz hatte die Blaue Holzbiene im Frühjahr berichtet. Nun setzten wieder Arbeiten ein, doch diesmal konnte der NABU die Arbeiten stoppen.  

PotsdamTrotzt mehrerer Aufforderungen schritt die Untere Naturschutzbehörde Havelland nicht gegen den massiven Holzeinschlag im Naturschutz- und FFH-Gebiet „Lindholz“ ein. Deswegen reichte der NABU Brandenburg ein Eilverfahren ein. Als ersten Schritt erlies das Verwaltungsgericht Potsdam eine Zwischenverfügung: die forstlichen Arbeiten müssen während des Gerichtsverfahrens ruhen.

Im FFH- und Naturschutzgebiet „Lindholz“ führte ein Unternehmen im Auftrag der Privatwaldbesitzerin auf mehreren größeren Flächen massiven Holzeinschlag durch. Mit schwerer Technik wurden Bäume gefällt, weite Schneisen in den Wald geschlagen und jeglicher Bewuchs inklusive Sträucher, Kräuter, Wurzelteller, Altbäume und Totholz entfernt und zum größten Teil noch vor Ort geschreddert. Selbst Jahre alte Baumstümpfe fielen diesem verehrenden Vorgehen zum Opfer. Schwere Maschinen verdichteten und wühlten den Waldboden auf. Dabei wurden auch auf mehreren Hektar gesunde Stieleichen, Winterlinden, Hainbuchen abgeholzt. „Hier geht es nicht um „Beseitigung von Sturmschäden“ oder „ordnungsgemäße Waldwirtschaft“, sondern um massiven Holzeinschlag im Schutzgebiet“, so der Eindruck der Naturschützer*innen vom NABU Osthavelland. Durch diese Arbeiten wurden Lebensräume seltener und streng geschützter Arten wie Hirschkäfer und Mopsfledermaus zerstört.

Die Untere Naturschutzbehörde Havelland schritt gegen diese schwerwiegenden Eingriffe nicht ein, obwohl sie den Sachverhalt kannte. Deshalb reichte der NABU Brandenburg am vergangenen Freitag einen Eilantrag beim Verwaltungsgericht Potsdam ein, um die Untere Naturschutzbehörde zu zwingen, die Forstarbeiten zu stoppen. Die Forstarbeiten verstoßen nicht nur gegen elementare Grundsätze einer ordnungsgemäßen Waldbewirtschaftung, sie verstoßen auch gegen Naturschutzrecht. Vor Maßnahmen, die ein FFH-Gebiet erheblich beeinträchtigten können, muss zuerst eine Verträglichkeitsprüfung zur Beurteilung der Auswirkungen stattfinden – dies gilt auch für Forstwirtschaft in FFH-Gebieten in Brandenburg.

Diese massiven forstlichen Eingriffe beschädigen die zwei FFH-Lebensraumtypen „Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwälder“ und „Labkraut-Eichen-Hainbuchenwälder“ im Schutzgebiet „Lindholz“ erheblich. Das Vernichten von stehendem und liegendem Totholz sowie Baumstümpfen als Lebensraum, Nahrungsquelle, Schlaf- und Nistplatz schädigen Arten wie Heldbock, Hirschkäfer, Mittel- und Schwarzspecht. Der Verlust von Quartierbäumen und Jagdgebieten schaden auch den 13 Fledermausarten im FFH-Gebiet „Lindholz“, z.B. dem Braunen Langohr, dem Großen Mausohr sowie dem Kleinen und Großen Abendsegler.

Der NABU Brandenburg hat einen ersten Erfolg erreicht. Das Gericht hat eine Zwischenverfügung erlassen, durch die die Untere Naturschutzbehörde verpflichtet wird, sofort für die Einstellung der Forstarbeiten zu sorgen. „Wir begrüßen es, dass das Verwaltungsgericht sofort reagiert hat. Jeder kann vor Ort sehen, wie viel Schaden schon jetzt angerichtet worden ist. Wir sind erschrocken über diese rabiate Vorgehensweise. Mehr denn je brauchen wir intakte Wälder mit all ihren positiven Funktionen wie Bodenschutz, CO2-Speicher, Grundwasseranreicherung, Biodiversität, Luftqualität oder Erholungsraum. Wir fordern den endgültigen Stopp der forstlichen Eingriffe im Schutzgebiet „Lindholz““, betont Friedhelm Schmitz-Jersch, Vorsitzender des NABU Brandenburg.

Hintergrund:
Das Naturschutzgebiet und FFH-Gebiet „Paulinenauer Luch und Lindholz“ liegt im Landschaftsschutzgebiet „Westhavelland“ sowie im Vogelschutzgebiet „Rhin-Havelluch“. Das „Lindholz“ ist eines der 595 brandenburgischen FFH-Gebiete und somit Teil von Natura 2000, dem weltweit größten Netz aus Schutzgebieten. Natura 2000 besteht aus Vogelschutzgebieten und FFH-Gebieten. FFH-Gebiete sind europäische Schutzgebiete, die nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie geschützt sind, d.h. sie schützen Tiere (Fauna), Pflanzen (Flora) und Lebensräume (Habitat).

Steuerungsgruppe Aktionsplan Spreewald zieht erste Bilanz – kurzfristige Maßnahmen zeigen bereits Wirkung

Pressemitteilung des Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz vom 15. Oktober 2020

Potsdam/Lübbenau – Die Steuerungsgruppe Aktionsplan Spreewald hat in der vergangenen Woche eine erste, sehr positive Bilanz der Umsetzung des Maßnahmeprogramms aus dem Aktionsplan gezogen. Die Entschlammung von Spreewaldfließen und die Sanierung von wichtigen Wehren und Schleusen im Spreewald wurden planmäßig fortgeführt. Die wieder in Landschaftspflege genommene Landwirtschaftsfläche konnte mehr als verdoppelt werden. Künftig sollen auch Maßnahmen zum Schutz des Schwarzstorchs verstärkt werden.

Für den Aktionsplan Spreewald wurden im Jahr 2019, gemeinsam mit den regionalen Akteuren, konkrete Maßnahmen definiert, um Verbesserungen in den folgenden Handlungsfeldern herbeizuführen:

  • Gewässerunterhaltung und –bewirtschaftung
  • Hochwasserschutz
  • Steuerung der Abflussmengen und wasserwirtschaftliche Anlagen
  • Land-, Forst-und Fischereiwirtschaft
  • Tourismus, insbesondere Kahnfährtourismus und übriger Wassertourismus
  • Landschaftspflege

Dabei wurden drei Umsetzungsphasen definiert: kurzfristig (2019 bis 2020), mittelfristig (von 2021 bis 2025) und langfristig (ab 2026).

Die Umsetzung der kurzfristigen Maßnahmen begann unmittelbar. Deren Erfolge sind bereits jetzt sichtbar:

So konnten die Entschlammungsmaßnahmen 2019/2020 aufgrund der guten Zusammenarbeit mit allen Beteiligten planmäßig fortgeführt werden. Die anzugehenden Aufgaben wurden und werden dabei sachlich, konstruktiv und lösungsorientiert auf allen Ebenen diskutiert. Die Ergebnisse aus dem „Pilotprojekt zur Entschlammung von Spreewaldfließen“, das 2017 erfolgreich abgeschlossen wurde, wurden für verbindlich für den Spreewald eingeführt und finden im Aktionsplan Spreewald Anwendung. Dadurch wurde beispielsweise die Entschlammung der Altzaucher Spree im September dieses Jahres abgeschlossen. Der Abschluss der Entschlammungsarbeiten in der Petermannspree ist für Oktober vorgesehen.

In die Instandhaltung, Wartung und Bedienung von Wehren und Schleusen im Spreewald wurde seit 2019 verstärkt investiert. 150.000 Euro wurden allein im Jahr 2020 für Instandhaltungsmaßnahmen an Wehren und Schleusen eingesetzt. Die Investitionskosten für die Erneuerung und Modernisierung der wasserwirtschaftlichen Anlagen belaufen sich in den Jahren 2019/2020 auf insgesamt circa. 3,4 Millionen Euro.

Besonders hervorzuheben sind die Maßnahmen für die Landnutzung und Landschaftspflege: Hier konnten die im Aktionsplan festgelegten Ziele für 2019/2020 weit übertroffen werden. Beispielsweise wurden für die Pflege spreewaldtypischer, nasser Feuchtwiesen bisher 193,51 Hektar gewonnen – mehr als doppelt so viel wie ursprünglich angestrebt. Sechs Landwirte haben sich dazu bereit erklärt und erhalten hierfür eine Förderung von 92.012 Euro aus dem Vertragsnaturschutz.

Bei der Einrichtung von Schonflächen auf sandigen Ackerschlägen konnte das im Aktionsplan gesteckte Ziel sogar mehr als vervierfacht werden: 213,90 Hektar werden hier mit 23.493 Euro gefördert.

Ebenfalls mit Mitteln aus dem Vertragsnaturschutz wurden auf circa 30 Hektar Grünland Blühstreifen eingerichtet.

Zur Schaffung neuer Gehölzstrukturen wurde die Bürgerstiftung Spreewald als Partner gewonnen und mit 27.929 Euro unterstützt.

Insgesamt wurden bereits 146.000 Euro aus Landesmitteln für die Maßnahmen zur Landschaftspflege und Landnutzung im Rahmen des Aktionsplans Spreewald eingesetzt.

In der Steuerungsgruppe aus Vertretern der Landesregierung, Kommunen und Interessengruppen, die den Umsetzungsprozess begleitet, wurde auf der mittlerweile 6. Sitzung von allen Beteiligten eine positive Bilanz zur Umsetzung der kurzfristigen Maßnahmen gezogen. Die im Aktionsplan erarbeiteten Maßnahmen werden im nächsten Jahr fortgesetzt.

Dass der Aktionsplan Spreewald hierbei auch offen für aktuelle Themen ist, zeigt sich beim Thema Schwarzstorch, das nun ebenfalls im Rahmen des Aktionsplans mit gezielten Maßnahmen, vor allem der Gewässerunterhaltung, Berücksichtigung findet.

Tierschutzbund kritisiert System der „Wegwerfkälber“

Pressemitteilung des Deutschen Tierschutzbundes vom 14.Oktober 2020

Etwa vier Millionen Kälber kommen in Deutschland jedes Jahr auf die Welt, damit Kühe Milch produzieren. Doch nur einige Hunderttausend weibliche davon dienen anschließend für wenige Jahre als Milchkühe. Alle anderen Kälber werden zu Niedrigstpreisen verramscht, transportiert, gemästet und geschlachtet. Der Deutsche Tierschutzbund kritisiert dieses System und äußert sich heute Abend dazu in der “ZDFzoom”-Doku „Wegwerfkälber – Das Schnitzel und seine Schattenseiten”.

„Der Großteil der Kälber ist ein „Abfallprodukt“ der Milchindustrie. Besonders die männlichen Kälber der Milchrassen haben keinen wirtschaftlichen Wert, weil sich ihre Mast nicht rentiert – sie setzen zu wenig Fleisch an“, erklärt Frigga Wirths, Fachreferentin für Tiere in der Landwirtschaft beim Deutschen Tierschutzbund, die auch in der „ZDFzoom“-Doku zu Wort kommt. Aber auch überzählige weibliche Kälber sind betroffen, sofern sie nicht in der nächsten Generation für die Milchproduktion zum Einsatz kommen. „Das System ist kaputt; die Tiere werden nur als Produktionsgüter gesehen. Es braucht dringend eine Abkehr von den hochgezüchteten Milchrassen und für die Kälber eine tiergerechte Aufzucht und Mast“, fordert Wirths.

Kurz nach ihrer Geburt werden die Kälber von ihren Müttern getrennt und üblicherweise in kleinen Einzelboxen gehalten. Weil die Kälber nichts wert sind – und das ist insbesondere bei Holstein-Rindern der Fall – erhalten sie in der Regel auch zwangsläufig weniger Aufmerksamkeit; die Versorgung kranker Tier lohnt nicht. Viele Kälber sterben daher schon in den ersten Tagen. Dennoch gibt es noch ein Überangebot an Kälbern. Weil die Nachfrage in Deutschland nicht groß genug, um alle hier geborenen Tiere zu mästen und zu schlachten, werden jährlich etwa 680.000 Kälber schon ab einem Alter von 14 Tagen ins Ausland verkauft und transportiert. Die Tiere, die in Deutschland bleiben, werden möglichst intensiv gemästet, damit der Landwirt überhaupt noch etwas an ihnen verdienen kann. Bis zu ihrer Schlachtung stehen die Tiere meistens auf Vollspaltenböden. Der Anteil an Raufutter wie Heu ist gering; in erster Linie wird Milchaustauscher aus Palmöl und Milcheiweiß gefüttert.

Größter CO2-Rückgang: Echtzeit-Daten zeigen die massiven Auswirkungen von Covid-19 auf die globalen Emissionen

Pressemitteillung des Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung vom 14. Oktober 2020

Während die andauernde Corona-Pandemie weiterhin Menschenleben fordert, konnte in der ersten Jahreshälfte 2020 ein beispielloser Rückgang der CO2-Emissionen festgestellt werden – stärker als während der Finanzkrise von 2008, der Ölkrise von 1979 oder sogar während des Zweiten Weltkriegs. Ein internationales Forscherteam hat herausgefunden, dass in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 8,8 Prozent weniger Kohlendioxid ausgestoßen wurden als im gleichen Zeitraum im Jahr 2019 – ein Rückgang von insgesamt 1551 Millionen Tonnen. Die bahnbrechende Studie bietet nicht nur einen viel genaueren Blick auf die Auswirkungen von COVID-19 auf den globalen Energieverbrauch als frühere Analysen. Sie macht auch Vorschläge, welche grundlegenden Schritte unternommen werden könnten, um das globale Klima nach der Pandemie dauerhaft zu stabilisieren.

„Was unsere Studie einzigartig macht, sind die akribisch, nahezu in Echtzeit gemessener Daten“, erklärt Hauptautor Zhu Liu vom Department of Earth System Science an der Tsinghua-Universität in Peking. „Durch die Berücksichtigung täglicher Zahlen, die die Forschungsinitiative Carbon Monitor gesammelt hat, konnten wir uns einen viel schnelleren und präziseren Überblick verschaffen – einschließlich Zeitreihen, die zeigen, wie der Emissionsrückgang mit den Lockdowns in den einzelnen Ländern korrespondiert hat. Im April, auf dem Höhepunkt der ersten Welle von Corona-Infektionen, als die meisten Länder ihr öffentliches Leben erheblich zurückfuhren, gingen die Emissionen sogar um 16,9 % zurück. Insgesamt führten die verschiedenen Ausbrüche zu Emissionssenkungen, die wir normalerweise nur kurzfristig an Feiertagen wie Weihnachten oder dem chinesischen Frühlingsfest erleben.“

Die Studie, veröffentlicht in der neuesten Ausgabe von Nature Communications, zeigt, welche Teile der Weltwirtschaft am stärksten betroffen waren. „Die größte Emissionsreduktion fand im Bereich des Landverkehrs statt“, erklärt Daniel Kammen, Professor und Vorsitzender der Energy and Resources Group sowie Professor an der Goldman School of Public Policy, University of California, Berkeley. „Vor allem aufgrund des weit verbreiteten Arbeitens von Zuhause gingen die CO2-Emissionen im Verkehr weltweit um 40% zurück. Im Gegensatz dazu trugen der Energie- und der Industriesektor mit -22 %, bzw. -17 % weniger zu diesem Rückgang bei, ebenso wie der Luft- und der Schifffahrtssektor. Überraschenderweise verzeichnete sogar der Wohnsektor einen kleinen Emissionsrückgang um 3 %: Das lag daran, dass aufgrund eines ungewöhnlich warmen Winters auf der Nordhalbkugel der Heizverbrauch zurückging, obwohl die meisten Menschen während des Lockdowns viel mehr zu Hause waren.“

Um dieses umfassende Bild zu zeichnen, stützten sich die Forscher bei ihren Schätzungen auf eine möglichst breite Palette von Daten: präzise, stündliche Datensätze der Stromerzeugung in 31 Ländern, täglicher Fahrzeugverkehr in mehr als 400 Städten weltweit, tägliche Passagierflüge, monatliche Produktionsdaten für die Industrie in 62 Ländern sowie Brennstoffverbrauchsdaten für Gebäudeemissionen in mehr als 200 Ländern.

Die Forscher ermittelten jedoch auch starke Rebound-Effekte. Mit Ausnahme eines anhaltenden Rückgangs der Emissionen aus dem Verkehrssektor erreichten die meisten Volkswirtschaften im Juli 2020, sobald die Sperrmaßnahmen aufgehoben wurden, wieder ihr gewohntes CO2-Niveau. Doch selbst wenn sie auf ihren historisch niedrigen Level verharrten, würde sich dies nur geringfügig auf die langfristige CO2-Konzentration in der Atmosphäre auswirken.

Daher betonen die Autoren, dass die einzig effektive Strategie zur Stabilisierung des Klimas nur eine Transformation des Industrie- und Handelssektors sein kann. „Dieser CO2-Rückgang ist zwar beispiellos, doch ein Rückgang menschlicher Aktivitäten kann nicht die Antwort sein“, sagt Ko-Autor Hans Joachim Schellnhuber, Gründungsdirektor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. „Stattdessen brauchen wir umfassende strukturelle Veränderungen in unseren Energieproduktions- und -verbrauchssystemen. Individuelles Verhalten ist sicherlich wichtig, aber worauf wir uns wirklich konzentrieren müssen, ist die Verringerung der CO2-Intensität unserer globalen Wirtschaft.“

Artikel: Zhu Liu, Philippe Ciais, Zhu Deng, Ruixue Lei, Steven J. Davis, Sha Feng, Bo Zheng, Duo Cui, Xinyu Dou, Biqing Zhu, Rui Guo, Piyu Ke, Taochun Sun, Chenxi Lu, Pan He, Yuan Wang, Xu Yue, Yilong Wang, Yadong Lei, Hao Zhou, Zhaonan Cai, Yuhui Wu, Runtao Guo, Tingxuan Han, Jinjun Xue, Olivier Boucher, Eulalie Boucher, Frédéric Chevallier, Katsumasa Tanaka, Yimin Wei, Haiwang Zhong, Chongqing Kang, Ning Zhang, Bin Chen, Fengming Xi, Miaomiao Liu, François-Marie Bréon, Yonglong Lu, Qiang Zhang, Dabo Guan, Peng Gong, Daniel M. Kammen, Kebin He & Hans Joachim Schellnhuber (2020): Near-real-time monitoring of global CO2 emissions reveals the effects of the COVID-19 pandemic. Nature Communications. DOI: 10.1038/s41467-020-18922-7.

Weblink zum Artikel: https://doi.org/10.1038/s41467-020-18922-7

Weblink zum Carbon Monitor Projekt: https://carbonmonitor.org/

Suche nach Atomendlager – Start öffentlicher Fachkonferenz

Pressemitteilung des Ministeriums für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz vom 13.Oktober 2020

Die Suche nach einem atomaren Endlager geht in die nächste Runde. Nachdem die Bundesgesellschaft für Endlagerung ihren ersten Zwischenbericht mit 90 geologisch potentiell geeigneten Teilgebieten auf rund 54 Prozent der Gesamtfläche Deutschlands vorgelegt hat, startet in dieser Woche (Sonnabend, 17. und Sonntag, 18. Oktober) die Fachkonferenz „Teilgebiete“ mit einer Auftaktveranstaltung. Ziel ist es, dass sich möglichst viele Bürgerinnen und Bürger sowie Kommunen und Gebietskörperschaften aktiv in das Verfahren einbringen.

In mehreren Stufen soll auf der Basis des Standortauswahlgesetzes der Ort in Deutschland gefunden werden, der nach wissenschaftlichen Kriterien eine bestmögliche Sicherheit für die Lagerung der hochradioaktiven und wärmerzeugenden Abfälle bietet, die bei der Kernenergienutzung angefallen sind. Dieses Verfahren, das zwischen der Bundesregierung und den Ländern vereinbart ist, soll in hoher Transparenz und größtmöglicher Einbeziehung aller Bürgerinnen und Bürger umgesetzt werden:

„Bringen Sie sich in diesen Prozess ein. Diskutieren Sie mit im Rahmen der nun anlaufenden Fachkonferenz ‚Teilgebiete‘. Nur so können Ihre Hinweise, Bedenken und Einwendungen ins Verfahren eingebracht werden“, so Verbraucherschutzministerin Ursula Nonnemacher.

Neben der Auftaktveranstaltung in dieser Woche sind drei weitere Runden im ersten Halbjahr 2021 geplant. Nach Abschluss und Auswertung dieser Veranstaltungsreihe, werden sich Regionen herauskristallisieren, die dann in anschließenden Regionalkonferenzen weiter diskutiert werden. Die endgültige Standortentscheidung ist für das Jahr 2031 geplant.

Die Auftaktveranstaltung in Kassel ist als digitale aber auch Präsenzveranstaltung konzipiert und wird als Live-Stream übertragen. Wer sich an der Diskussion beteiligen möchte, muss sich bis zum 16. Oktober 12 Uhr registrieren:

www.endlagersuche-infoplattform.de

Kleine Fläche, große Wirkung: Moore, die cleveren Kohlenstoffspeicher

Pressemitteilung des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung vom 9. Oktober 2020

Trockengelegte Moore wieder in Feuchtgebiete umwandeln – das ist eine stark unterschätzte Möglichkeit zur Stabilisierung unseres Klimas. Während in der öffentlichen Debatte oft nur Wälder im Fokus stehen, speichern Moore weltweit etwa doppelt so viel Kohlenstoff wie alle Wälder zusammen. Doch einmal entwässert, stoßen sie große Mengen an Treibhausgasen aus: derzeit etwa doppelt so viel wie der weltweite Flugverkehr jedes Jahr. Zum ersten Mal hat ein Team unter der Leitung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) Moor-Emissionen auf der Grundlage von Computersimulationen in quantitative Projektionen zu der Frage einbezogen, wie die globale Erwärmung unter 2° Celsius gehalten werden kann. Das Ergebnis: Die derzeitigen Szenarien zur Stabilisierung unseres Klimas berücksichtigen Moore nicht ausreichend. Um die Klimaziele zu erreichen, muss daher der Schutz und die Wiederherstellung von Mooren verstärkt werden – zum Beispiel im Rahmen der aktuellen Reform der EU-Agrarpolitik.

„Moore bedecken nur etwa drei Prozent der globalen Landfläche. Ein beträchtlicher Teil ist vom Menschen für landwirtschaftliche Zwecke trockengelegt worden, vor allem in Europa und in jüngster Zeit in Südostasien. Sind Moore einmal entwässert, stoßen sie Jahrzehnte bis Jahrhunderte lang große Mengen an Treibhausgasen aus – wenn sie nicht wiedervernässt werden“, erklärt Florian Humpenöder vom PIK, Hauptautor der soeben veröffentlichten Studie. „Wir konnten zeigen, dass die Wiederherstellung von Mooren eine entscheidende Rolle spielt. Aktuelle Studien gehen davon aus, dass durch geeignete Klimaschutzmaßnahmen die Landfläche unseres Planeten bis 2100 zu einer globalen Netto-Kohlenstoffsenke werden kann – das ist aber nur möglich, wenn neben dem Schutz intakter Moore auch etwa 60 Prozent der heute trockengelegten Moore in den kommenden Jahrzehnten wiedervernässt werden.“

 Effektive und nachhaltige Landnutzung – ein potentieller Konflikt?

„Existierende Klimaschutzszenarien berücksichtigen oft nicht die möglichen negativen Auswirkungen, welche Veränderungen der Landnutzung auf intakte Moore haben können“, erklärt Mitautor Alexander Popp, Leiter der Forschungsgruppe Landnutzungsmanagement am PIK. „Land ist knapp, daher gibt es Konkurrenz zwischen den verschiedenen Nutzungsformen. Es besteht die Gefahr, dass Moore, die oft fälschlicherweise als nutzlos angesehen werden, bei diesen Konflikten als Verlierer dastehen. Für klimapolitische Entscheidungen im Einklang mit dem Pariser Abkommen ist es unerlässlich, die Treibhausgase aus entwässerten Mooren zu berücksichtigen.“

In der Studie hat das Forscherteam genau dies getan: Mit Hilfe eines vom PIK entwickelten globalen Landnutzungsmodells untersuchten die Wissenschaftler den zukünftigen Zustand intakter und entwässerter Moore und die damit verbundenen Treibhausgase. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Umsetzungskosten für Maßnahmen zum Schutz und zur Wiederherstellung von Mooren niedriger sind als erwartet: „Die Gesamtkosten der landwirtschaftlichen Produktion sowie die Nahrungsmittelpreise sind mit und ohne Maßnahmen zum Moorschutz und zur Wiedervernässung nahezu gleich hoch“, so Humpenöder. „Zwar gibt es erhebliche Unsicherheiten hinsichtlich der konkreten Kosten der Wiedervernässung von Mooren. Aber selbst wenn man aus allen Studien die höchsten Kostenschätzungen für Moorsanierung annimmt, bleibt das Gesamtergebnis stabil.“

Handlungsbedarf für die EU-Agrarpolitik

„Dies ist auch für die aktuelle Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik der Europäischen Union von Bedeutung“, sagt Ko-Autor Hermann Lotze-Campen, Leiter der Abteilung Klimaresilienzforschung am PIK und Professor an der Humboldt-Universität zu Berlin. „Eine kluge Neugestaltung der Regeln, wie die enormen Geldströme in die Landwirtschaft verteilt werden, könnte auch dem Schutz und der Wiedervernässung von Mooren dienen und damit wesentlich zur Klimastabilisierung beitragen. Die Zahlungen an die Landwirte sollten gezielter erfolgen, um die Bereitstellung wertvoller Ökosystemleistungen für die Gesellschaft sicherzustellen – einschließlich der unterschätzten Leistungen von Mooren.“

Artikel: Florian Humpenöder, Kristine Karstens, Hermann Lotze-Campen, Jens Leifeld, Lorenzo Menichetti, Alexandra Barthelmes und Alexander Popp (2020): Peatland protection and restoration are key for climate change mitigation. Environmental Research Letters [DOI:10.1088/1748-9326/abae2a]

Weblink zur Studie: https://iopscience.iop.org/article/10.1088/1748-9326/abae2a

Kochen mit den Lebensmitteln der Saison

Pressemitteilung der Stadt Falkensee vom 7. Oktober 2020

In der zweiten  Herbstferienwoche vom 19. bis 23. Oktober bietet das Haus am Anger (Falkenhagener Straße 16) einen Ferienkurs „Praktisches Kochen und nachhaltige Ernährung“ an. Von 9 bis 15 Uhr erlernen die Teilnehmenden die Grundlagen zum praktischen Kochen mit saisonalen Lebensmitteln. Zusätzlich wird in interaktiven Workshops zu verschiedenen Themen rund um nachhaltige Ernährung künstlerisch sowie umweltanalytisch gearbeitet. Dabei untersuchen die Kinder und Jugendlichen zum Beispiel die Auswirkungen der Ernährung auf die Umwelt und den Einfluss auf die Gesundheit. Der Kurs wird geplant und durchgeführt von Master-Studierenden aus den Fachrichtungen Lebensmitteltechnologie, Kommunikationsdesign sowie Energie- und Ressourcenmanagement und durch das Land Brandenburg gefördert. Der Kurs ist auf 10 Teilnehmende beschränkt, die Kursgebühr beträgt 1 Euro  pro Tag  pro Teilnehmenden. Anmeldung erbeten unter der E-Mail-Adresse haus-am-anger@falkensee.de oder telefonisch unter der Rufnummer 03322 3735.