Neue Spinnenart entdeckt

Pressemitteilung der Heinz-Sielmann Stiftung vom 21. Juni 2021

Der Insekten- und Spinnen-Forscher Dr. Karl-Hinrich Kielhorn hat in einem Feuchtbiotop der Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide die Gestreifte Krabbenspinne Xysticus lineatus wiederentdeckt. Seit 1977 galt sie in Brandenburg als verschollen. Für die Wanderspinne Zora armillata ist das Ferbitzer Bruch sogar deutschlandweit der einzige aktuelle Fundort. Wegen dieser und weiterer herausragender Funde von bedrohten Spinnen- und Laufkäferarten stuft der Forscher das Ferbitzer Bruch als Schutzgebiet von überregionaler Bedeutung ein.

Die Heinz Sielmann Stiftung hatte den Biologen im Zeitraum 2019/2020 mit der Untersuchung der Laufkäfer- und Spinnenfauna des Ferbitzer Bruches im gleichnamigen, gut 1000 Hektar großen Naturschutzgebiet beauftragt, um daraus Schlüsse für zukünftige naturschutzfachliche Maßnahmen zu ziehen. Wertvolle Biotope im Ferbitzer Bruch sind zum einen Gräben mit Seggenbewuchs, außerdem Schilfröhricht und Schlammfluren sowie Pfeifengras- und wechselfeuchte Wiesen.

Gestreifte Krabbenspinne wiedergefunden

Die in Brandenburg bislang als verschollen geltende Gestreifte Krabbenspinne Xysticus lineatus fand er auf einer Pfeifengraswiese.

„Im Norddeutschen Tiefland ist sie sehr selten, und auch bundesweit ist die Art als stark gefährdet eingestuft. Ihr Wiederfund und andere Funde gefährdeter Arten zeigen, dass das Ferbitzer Bruch für die Spinnenfauna besonders wertvoll und von überregionaler Bedeutung ist“, so die Einschätzung des Forschers. Die größte Anzahl bedrohter Arten fand Karl-Hinrich Kielhorn in Bulten der Schwarzschopf-Segge, unter anderem die deutschlandweit äußerst seltene Wanderspinne Zora armillata und die in Deutschland stark gefährdete Kurzzahn-Wiesenkräuselspinne Emblyna brevidens,

Bedrohte Laufkäferarten

In der Familie der Laufkäfer hebt Kielhorn vor allem die Funde des Rotgefleckten Ahlenläufers Bembidion tenellum und des Glänzenden Grabläufers Pterostichus aterrimus hervor. Der Rotgefleckte Ahlenläufer gilt in Brandenburg als vom Aussterben bedroht und in Deutschland insgesamt als gefährdet. Der Glänzende Grabläufer steht in der Roten Liste Brandenburgs als stark gefährdet, bundesweit gilt er als vom Aussterben bedroht. Eine dritte bemerkenswerte Laufkäferart im Ferbitzer Bruch ist der Dunkle Uferläufer Elaphrus uliginosus. Er rangiert auf den Roten Listen der Bundesländer zwischen stark gefährdet und vom Aussterben bedroht und gilt europaweit als einer der am meisten bedrohten Laufkäferarten.

Fehlende Niederschläge bedrohen Feuchtbiotop

Im Vergleich mit älteren Daten aus dem Gebiet musste Dr. Karl-Hinrich Kielhorn allerdings eine zunehmende Austrocknung des Ferbitzer Bruchs feststellen. Die Vorkommen und Häufigkeit der verschiedenen Arten, also die Zusammensetzung der Artengemeinschaft deutet auf einen Rückgang der Feuchtigkeit hin. Deshalb empfiehlt er die künstliche Einleitung von nährstoffarmem Wasser, zum Beispiel über Brunnen. Eine weitere Austrocknung des Gebiets könnte die feuchteliebenden Arten aussterben lassen.

Zahlen zu Spinnen- und Laufkäferfauna

Der Insekten- und Spinnen-Forscher fand insgesamt 198 Spinnenarten und 127 Laufkäferarten im untersuchten Gebiet, was er für beide Gruppen als hohen Bestand bewertet. Unter den Spinnenarten konnte er 27 Arten, also einen Anteil von 14 Prozent nachweisen, die auf der Roten Liste Brandenburgs geführt werden. In Bezug auf die Rote Liste Deutschlands sind es 24 Arten und damit 12 Prozent des Artenbestands. Deutschlandweit gehen Spezialist:innen von 989 Spinnenarten aus, 641 soll es in Brandenburg geben.

Bei den Laufkäferarten waren es 11 von 127 Laufkäferarten, also neun Prozent, die in der Roten Liste Brandenburgs geführt werden. 18 gefundene Laufkäferarten sind auf der bundesweiten Roten Liste zu finden, was 14 Prozent der im Ferbitzer Bruch nachgewiesenen Laufkäferarten entspricht. Offiziell gibt es bundesweit: 566, in Brandenburg davon 340 Laufkäferarten.

Schutzgebiet Ferbitzer Bruch

Das Ferbitzer Bruch ist Teil der Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide und seit 1996 Naturschutzgebiet. Es umfasst eine Fläche von mehr als 1000 Hektar mit verschiedenen Feuchtbiotoptypen und auch einigen trockenen Bereichen. Die Feuchtbiotope haben keine Zuflüsse und sind auf Niederschläge angewiesen. Die Wiesen werden extensiv durch Mahd und Beweidung gepflegt. Zum Erhalt des besonders wertvollen Schutzgebiets hat die Heinz Sielmann Stiftung in den vergangenen Jahren Feuchtbiotope entschlammt, neue Kleingewässer angelegt und in trockengefallenen Moorflächen die Wiedervernässung gefördert.

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