Ökoaktionsplan: Agrarministerium sucht bis 11. April Bürgerinnen und Bürger, die ihre Perspektiven einbringen

Pressemitteilung des Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz vom 23. März 2021

Potsdam – Das Agrarumweltministerium startet die nächste Phase der Erarbeitung des Ökoaktionsplans, um den ökologischen Landbau sowie die Verarbeitung und Vermarktung von Bio-Lebensmitteln voranzubringen. Neben Erzeugerinnen und Erzeugern, Verbänden, Verwaltung und weiteren Stakeholdern soll der Prozess aus der Perspektive der Verbraucherinnen und Verbraucher begleitet werden. Bis zum 11. April kann das Interesse zur Teilnahme bekundet werden.

Um das Ziel der Landesregierung zu erreichen, die ökologisch bewirtschaftete Fläche in Brandenburg bis 2024 auf 20 Prozent zu steigern, erarbeitet das Agrarumweltministerium eine Ökoaktionsplan. Dieser soll die enge Zusammenarbeit aller im Biosektor tätigen Akteurinnen und Akteure fördern. In dem breit angelegten Beteiligungsprozess, dessen Auftakt im Oktober 2020 stattfand, bringen sich Verbände und Organisationen aus den Bereichen Erzeugung, Verarbeitung, Bildung, Beratung und Forschung sowie Behörden ein. Die Erarbeitung des Ökoaktionsplans folgt somit dem Prinzip eines Bottom-Up-Prozesses, in dem die unterschiedlichen Anforderungen und Bedarfe der Interessengruppen Eingang in den zu erarbeitenden Plan finden. Geplant sind ab Ende April 2021 fünf mehrstündige Workshops in einem vier- bis sechswöchigen Rhythmus. Die Abschlussveranstaltung zur Vorstellung des erarbeiteten Ökoaktionsplans ist im Spätherbst 2021 vorgesehen.

Für die Teilnahme ist kein besonderes Fachwissen nötig. Gewünscht ist der Wille, sich konstruktiv in die Fachdiskussionen zum Ökoaktionsplan einzubringen. Die Begleitgruppe soll aus maximal sechs gelosten Personen bestehen. Um eine ausreichende Diversität zu gewährleisten, werden verschiedene Los-Töpfe nach relevanten soziodemografischen Merkmalen, unter anderem Alter und Geschlecht, gebildet.

Bis zum 11. April 2021 freut sich das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz auf Bewerbungen mit einem kurzen Motivationsschreiben per Mail an

oekoaktionsplan@mluk.brandenburg.de

Der ökologische Landbau hat Wachstumspotenzial: Aktuell kann die Nachfrage nach Bio-Produkten aus Brandenburg nicht gestillt werden. Vor allem mit dem großen Markt der Millionenmetropole Berlin inmitten Brandenburgs bieten sich zusätzliche Chancen für Angebote und Produkte aus dem Ökolandbau und dadurch für die Brandenburger Betriebe.

Weitere Informationen:https://mluk.brandenburg.de/mluk/de/landwirtschaft/oekologischer-landbau/oekoaktionsplan/

Schreckliches Ende nach Irrfahrt der Rinder

Pressemitteilung der Stiftung VIER PFOTEN vom 23. März 2021

1.600 Rinder, die nach einer dreimonatigen Irrfahrt an Bord der „Elbeik“ am Freitag im spanischen Hafen Cartagena angekommen sind, werden nun ebenfalls getötet. Das haben die spanischen Gesundheitsbehörden angeordnet. Die Tierärzte, die die Tiere untersucht haben, hatten zuvor festgestellt, dass sie in sehr schlechter gesundheitlicher Verfassung sind. Laut VIER PFOTEN berichteten sie über einen starken Gewichtsverlust, der durch das Hervortreten von Rippen und Wirbelsäule offensichtlich wurde. Außerdem waren die Tiere völlig dehydriert. Viele waren in einem apathischen Zustand und kaum in der Lage, ihre Augen zu öffnen. 

Damit wiederholt sich die Tragödie der erst vor kurzem in Cartagena eingelaufenen „Karim Allah“, bei der letztendlich 864 junge Bullen notgetötet werden mussten. VIER PFOTEN fordert von der EU eine gründliche Untersuchung über die jüngsten Missstände und einen sofortigen Stopp von Schiffstransporten sowie von Transporten in EU-Drittstaaten. Doch dies ist kein reines EU-Problem: Auch Deutschland hat Anteil an solchen Schiffstransporten, denn von hier werden jährlich rund 20.000 trächtige Zuchtrinder zunächst per LKW und dann per Schiff  in Drittländer verfrachtet. Zudem werden zusätzlich mehr als 20.000 Kälber pro Jahr von Deutschland nach Spanien transportiert. Dort werden sie gemästet, um danach weiter in tierschutzrechtliche Hochrisikostaaten außerhalb der EU exportiert zu werden.

„Die EU muss sich für dieses Totalversagen verantworten. Schon während der dreimonatigen Fahrt der ,Elbeik` sind 179 Rinder gestorben und über Bord geworfen worden. Das Schiff war laut den Veterinären überladen. Daher hatten die Tiere keine Möglichkeit, sich auf einer sauberen, trockenen Fläche hinzulegen; sie standen in ihrem Kot und Urin. Im Hafen von Cartagena wurden noch einmal zehn tote Tiere an Land gebracht. Nun müssen die restlichen Tiere einen völlig unnötigen Tod sterben – und das ist sogar noch die humanste Lösung. Wir verlangen Konsequenzen aus diesen unwürdigen Ereignissen. Wie viele Tiere müssen noch gequält und getötet werden, damit die Politik endlich handelt?“, so Dr. Martina Stephany
Direktorin Nutztiere und Ernährung VIER PFOTEN
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Im Dezember 2020 legte der Lebendtiertransporter „Elbeik“ in Tarragona ab. Die Tiere hätten eigentlich in den Nahen Osten verkauft werden sollen. Gerüchte um eine angebliche Blauzungenkrankheit an Bord vereitelten die Pläne, und so irrte das 54 Jahre alte Transportschiff drei Monate durchs Mittelmeer.

Bereits einige Tage nach Ablegen der Elbeik wussten die spanischen Behörden um den Verdacht der Tierseuche an Bord. Statt das Schiff zurück nach Europa zu ordern, dockte die Elbeik in türkischen Gewässern an und setzte so Kurs auf eine dreimonatige Tortur; denn sobald Lebendtiere aus der EU exportiert wurden, dürfen sie nicht mehr in die EU (re-)importiert werden.

VIER PFOTEN fordert ein fundamental anderes Verständnis im Umgang mit Tieren. Statt fühlende Lebewesen qualvoll über Wochen hinweg zu transportieren, sollte generell auf eine regionale Schlachtung gesetzt und Fleisch transportiert werden.

„Seit Jahren weisen wir auf Missstände bei Langstreckentransporten hin. Katastrophen wie diese sind keine Einzelfälle und können jederzeit alle Tiere betreffen, die aus der EU exportiert werden. Dieser Höhepunkt der Katastrophen muss unweigerlich zu einem Verbot der Tierexporte führen. Die EU darf nach diesen Vorfällen nicht mehr einfach zur Tagesordnung übergehen“, so Dr. Stephany.

Bitte Obacht beim Spaziergang

Pressemitteilung der Stiftung VIER PFOTEN vom 22. März 2021 

Spaziergänge in freier Natur gehören sicherlich zu den beliebtesten Freizeitaktivitäten während der Corona-Pandemie. Doch unsere Wälder sind nicht nur Erholungsraum für uns Menschen, sondern in erster Linie Lebensraum für eine große Anzahl von Wildtieren. Eva Lindenschmidt, Diplom-Biologin bei TIERART, einer Wildtierstation von VIER PFOTEN, gibt Tipps, wie wir uns im Wald verhalten sollten, um unsere heimischen Wildtiere zu schützen.

Wildtiere haben eine natürliche Scheu vor dem Menschen und meiden den Kontakt, so dass direkte Begegnungen mit ihnen eher selten vorkommen. Sie wittern uns schon lange, bevor wir sie wahrnehmen und ziehen sich unmittelbar in geschützte Bereiche zurück, wo sie Unterschlupf finden und sich verstecken können. Auch sind Wildtiere generell Menschen gegenüber nicht aggressiv. In bestimmten Situationen kann dennoch Vorsicht geboten sein, etwa bei der Begegnung mit Wildschweinen.

Vorsicht bei Wildschweinen mit Nachwuchs

„Wildschweine sind in unseren Wäldern und mittlerweile auch in Städten und Siedlungen sehr weit verbreitet und sowohl am Tag als auch in der Nacht aktiv. Mit Hilfe ihres exzellent ausgeprägten Geruchssinns bemerken sie sich nähernde Menschen schon aus weiter Entfernung und laufen davon. Wildschweine sind friedfertige Tiere, jedoch können führende Bachen d.h. weibliche Tiere mit Frischlingen aggressiv reagieren, wenn sie Gefahr für ihren Nachwuchs fürchten. Bei Begegnungen mit Wildschweinen ist es ratsam, Ruhe zu bewahren und sich aus ihrem Umfeld zu entfernen. Bachen mit Nachwuchs sollte man sich auf keinen Fall nähern oder sich gar zwischen Mutter und Frischlinge stellen, um keinen Angriff zu provozieren“, erklärt Eva Lindenschmidt, Diplom-Biologin bei TIERART, Wildtierstation von VIER PFOTEN.

Beim Durchwandern von Dickicht oder Maisfeldern kann es passieren, dass man unverhofft direkt auf eine solche Familie trifft und bedroht oder in seltenen Fällen gar angegriffen wird. „Zur eigenen Sicherheit und auch aus Rücksicht auf die Ruhebereiche von Wildschwein und Co. sollten Waldwege und Wanderrouten daher nicht verlassen werden. Insbesondere dämmerungs- und nachtaktive Tiere ziehen sich tagsüber gerne ins Dickicht zurück und könnten durch das Eindringen von Menschen aufgeschreckt werden. Damit nachtaktive Waldbewohner ungestört auf Nahrungssuche oder Beutejagd auf Wiesen und Feldern gehen können, sollten sich Spaziergänger außerdem nach Einbruch der Abenddämmerung nicht mehr im Wald aufhalten“, ergänzt die Expertin.

Nicht jedes Jungtier ist verwaist

Im Frühling ist zu beachten, dass zu dieser Jahreszeit die Jungtiere zur Welt kommen und gerade dann Störungen weitreichende Folgen haben können. Wer Wildtiere mit ihrem Nachwuchs sichtet, sollte sich umgehend leise und zügig entfernen. Dies gilt auch, wenn Jungtiere ohne ihre Mutter aufgefunden werden. „Feldhasen oder Rehe beispielsweise lassen ihre Jungen oft viele Stunden am Tag alleine. Sie kehren in regelmäßigen Abständen zum Säugen zurück, entfernen sich aber dann rasch wieder, um auf Nahrungssuche zu gehen und keine Aufmerksamkeit möglicher Beutegreife auf das Jungtier zu lenken“, weiß Eva Lindenschmidt. „Die Kleinen verharren in der Zwischenzeit regungslos im Gras und laufen auch meist nicht davon, wenn ein Mensch sich nähert. Dies ist vollkommen normal und kein Grund, diese Tiere aufzusammeln oder anzufassen. Auch hier gilt: entfernen Sie sich zügig, um jeglichen Stress für das Tier zu vermeiden oder gar die in der Nähe befindliche Mutter zu verjagen.“

Hunde bitte an die Leine nehmen

Auch Hunde sollten unbedingt, zumindest während der Frühjahrs- und Sommermonate, angeleint bleiben. Jedes Jahr kommt es vielfach zu Verletzungen junger Wildtiere durch freilaufende Hunde, die dadurch vermieden werden könnten.

Hände weg von jungen Wildtieren

„Wer ein vermeintlich krankes, verletztes oder verwaistes Wildtier auffindet und sich unsicher ist, ob es Hilfe benötigt, sollte nicht zögern, zunächst eine fachkundige Stelle um Rat zu fragen, bevor er selbst handelt und das Tier möglicherweise grundlos einsammelt. Ansprechpartner in solchen Fällen sind Wildtierstationen, örtliche Naturschutz- oder Tierschutzvereine, Förster, Jäger oder die Polizei. Es ist zu beachten, dass die Nähe und Berührung durch Menschen eheblichen Stress bei Wildtieren verursacht. Insbesondere verletzte Tiere, die zusätzlich unter Schmerzen leiden, können in Panik geraten, sich dadurch noch stärker verletzen oder auch kräftig zubeißen“, so der Rat der Expertin.

Müll zerstört den Lebensraum

Auch sollte es selbstverständlich sein, keinen Müll im Wald zurückzulassen. Weggeworfene Dosen oder Plastiktüten verschmutzen nicht nur unsere Umwelt, sie können auch zur Gefahr für Tiere werden, die sich darin verfangen oder daran verletzen. Glasflaschen oder weggeworfene Zigaretten können unter Umständen bei trockener Witterung sogar Waldbrände auslösen. Wer Erholung draußen in der Natur sucht, sollte darauf bedacht sein, unsere heimischen Wildtiere in ihrem Lebensraum nicht zu stören oder zu gefährden und entsprechend Rücksicht zu nehmen. Die Begegnung mit einem Wildtier, das man aus sicherer Entfernung in seinem natürlichen Umfeld beobachten darf, kann bei einem solchen Ausflug ein ganz besonderes Erlebnis sein.