Risiken für Ernten: Globale Hitzewellen könnten mehrere Kornkammern der Welt gleichzeitig treffen

Pressemeldung des Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung

Bestimmte Muster im Jetstream – einem die Erde umzirkelnden Höhenwind – können gleichzeitige Hitzewellen in die Weltregionen bringen, die für bis zu einem Viertel der globalen Nahrungsmittelproduktion verantwortlich sind. Besonders anfällig sind der Westen Nordamerikas und Russlands, Westeuropa und die Ukraine. Extreme Wetterereignisse in diesem Ausmaß können die weltweite Nahrungsmittelproduktion erheblich beeinträchtigen und damit die Preise in die Höhe treiben. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass starke Preissteigerungen bei Lebensmitteln mit sozialen Unruhen verbunden sein können.

In einer neuen Studie in Nature Climate Change zeigen Kai Kornhuber vom Earth Institute in New York und ein internationales Team, wie spezifische Wellenmuster im Jetstream die Wahrscheinlichkeit gleichzeitig auftretender Hitzewellen in wichtigen Anbauregionen Nordamerikas, Westeuropas und Asiens stark erhöhen. Ihre Forschungsergebnisse zeigen, dass diese gleichzeitigen Hitzewellen die Nahrungsmittelproduktion in diesen Regionen signifikant reduzieren können, was das Risiko mehrfacher Ernteausfälle und anderer weitreichender gesellschaftlicher Folgen nach sich zieht.

„Ein zwanzigfach erhöhtes Risiko“

„Wir haben eine bislang unterschätzte Anfälligkeit des Nahrungsmittelsystem entdeckt: Wenn diese Muster im Jetstream weltweit auftreten, haben wir ein zwanzigfach erhöhtes Risiko für gleichzeitige Hitzewellen in wichtigen Anbaugebieten“, sagte Kornhuber, der auch Gastwissenschaftler am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) ist. „Eigentlich ist die Zirkulation des Jetstream chaotisch, aber bei derartigen Ereignissen ergibt sich tatsächlich eine globale Ordnung.“

Der Westen Nordamerikas, Westeuropa und der Raum am Kaspischen Meer sind besonders anfällig für diese atmosphärischen Wellenmuster, die Hitzegebiete und Dürren an einem Ort festhalten – mit fatalen Folgen für die Ernteerträge. „Das Bedrohliche an diesen Mustern ist das zeitlich synchronisierte Auftreten von Extremen mit potentiellen Auswirkungen auf die globale Nahrungsmittelsicherheit“, so Kornhuber.

„Normalerweise geht man davon aus, dass geringe Ernteerträge in der einen Region durch gute Ernteerträge in einer anderen Region ausgeglichen werden. Aber diese planetaren Wellen können zu Ernteeinbußen in mehreren wichtigen Kornkammern gleichzeitig führen – mit entsprechenden Risiken für die globale Nahrungsmittelversorgung“, sagt Dim Coumou vom Institut für Umweltstudien der Freien Universität Amsterdam und dem PIK.

Auch nicht direkt betroffene Regionen könnten Preissteigerungen erleben

„Die Hitzewellen werden künftig durch die menschengemachte globale Erwärmung häufiger gleichzeitig verschiedene Gegenden über den Globus verteilt treffen, und sie werden auch noch heftiger werden“, fügt Jonathan Donges, Ko-Autor und Ko-Leiter des PIK FutureLabs ‚Erdsystemresilienz im Anthropozän‘ hinzu. „Das wirkt sich unter Umständen nicht nur auf die Nahrungsmittelverfügbarkeit in den direkt betroffenen Regionen aus. Sogar entlegenere Regionen können in der Folge von Knappheiten und Preissteigerungen betroffen sein.“

„In Jahren, in denen dieses verstärkte Muster der planetaren Wellen in zwei oder mehr Sommerwochen zu beobachten war, sank die Getreideproduktion in einzelnen Regionen um mehr als 10% ab. Im Durchschnitt über alle betroffenen Anbaugebiete hinweg sank sie um 4% ab“, sagt Elisabeth Vogel, Ko-Autorin von der Melbourne University.

Radley Horton vom Lamont Doherty Earth Observatory der Columbia University fügt hinzu: „Wenn Klimamodelle nicht in der Lage sind, diese Wellenmuster abzubilden, können Risikomanager wie Rückversicherer und Ernährungssicherheitsexperten das nicht richtig in ihre Analysen der gleichzeitig auftretenden Hitzewellen und ihrer Auswirkungen in einem sich erwärmenden Klima einbeziehen.“ Künftige Forschung muss auch die Anfälligkeit der globalen Pflanzenproduktion und des internationalen Agrarhandels bei gleichzeitigen Extremwetterlagen in großen Anbauregionen untersuchen.

Kornhuber fasst zusammen, dass ein gründliches Verständnis der Faktoren, die dieses Jetstream-Verhalten antreiben, letztendlich die saisonalen Vorhersagen der landwirtschaftlichen Produktion auf globaler Ebene verbessern könnte, und ebenso die Risikobewertungen von Ernteausfällen über mehrere wichtige Anbauregionen hinweg.

Zähl mal was da singt

Der NABU ruft wieder zur Stunde der Wintervögel auf

Von Freitag, 10. Januar bis Sonntag, 12.Januar heißt es wieder Vögel zählen im Dienste der Wissenschaft. Der NABU (Naturschutzbund) ruft wieder zur „Stunde der Wintervögel auf“. Diese Zählung von Wintervögeln ist Deutschlands größte wissenschaftliche begleitete Mitmachaktion. Sie findet bereits zum zehnten Mal statt.

Und so geht’s: Im Garten, einem Park oder dem Balkon ein nettes Plätzchen suchen und eine Stunde lang die Augen und Ohren offenhalten. Gezählt werden die gefiederten Freunde am Boden, am Vogelhaus und auch in der Luft. Von jeder Vogelart wird die höchste Anzahl notiert, die in diesem Zeitraum gleichzeitig zu sehen war. Das soll Doppelmeldungen vermeiden. Die Meldungen können online oder per App eingereicht werden. Oder ein Meldeformular beim NABU anfordern. Am 11. & 12. Januar können die Sichtungen von 10-18 Uhr auch telefonisch unter der kostenfreien Telefonnummer 0800 1157115 angegeben werden.  Die Ergebnisse werden auf einer interaktiven Karte im Netz dargestellt.

Je mehr Menschen teilnehmen, um so aussagekräftiger sind die Ergebnisse. Besonders nach dem zweiten Hitzesommer in Folge. Einen Erkenntnisgewinn verspricht man sich beim NABU auch über den Eichelhäher. Im Herbst hat man beim NABU einen massiven Einflug der Vögel nach Deutschland und Mitteleuropa verzeichnet. Im September wurden 10 Mal mehr Eichelhäher gezählt als in den Jahren zuvor verzeichnet werden konnten. Ähnlich viele Eichelhäher wurde zuletzt 1978 beobachtet. Als Grund vermuten Ornithologen eine sogenannte Eichelvollmast im letzten Jahr, also besonders viele herangereifte Eicheln. Dadurch konnten besonders viele Vögel überleben und in diesem Jahr brüten.

Der Eichelhäher
Foto: Pixabay

Die Vogelzählung ist laut NABU auch für Laien geeignet. Wer sich dennoch etwas vorbereiten und die Kenntnisse um die heimischen Vogelarten aufpolieren möchte, kann dies mit dem E-Learning-Tool „NABU-Vogeltrainer“ erreichen. Mit der App „Vogelwelt“ lassen sich die Vogelarten ebenfalls bestimmen. Mehr zur NABU Zählaktion unter: www.nabu.de>aktionen-und-projekte>stunde -der-wintervoegel